Ärger am Waltersberg: Frielendorfer sehen Windkraft im Wald kritisch

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Machen sich gegen Windkraft im Wald stark: (v. li.) Karl-Heinz Ganß, Erhard Münch, Gunter Dorn und Volker Fenner. Die bemalte Tür stammt von Peter Dunkel.

Als Windkraftskeptiker bezeichnen sich einige Frielendorfer, die nun gegen geplante Windkraftanlagen am Waltersberg mobil machen. In unserem Artikel äußern sich auch die Gemeinde und das Planungsbüro Abicon zum Thema.

Frielendorf-Linsingen. In den Wald bei Frielendorf-Linsingen könnten in den nächsten Jahren zehn Windkraftanlagen gestellt werden. Das Planungsbüro Abicon aus Gilserberg plant dies im Auftrag von Hessenforst.

Der Bau der ersten Zwei könnte 2020 beginnen. Erste Ideen dazu gab es schon 2016 auf einer Infoveranstaltung am Silbersee. Nun machen einige Frielendorfer mobil, sammeln Unterschriften und wollen „das Schlimmste“ verhindern – denn mit den Windrädern sehen sie auch tiefe Einschnitte in zahlreiche Lebensbereiche, wie den wegfallenden Wald als Erholungsgebiet.

„Neben der 1 Hektar großen Fläche für das Windrad kommen ja auch noch die breiten Wege hinzu, damit es überhaupt angefahren werden kann“, gibt Karl-Heinz Ganß zu bedenken. „Es ist im Grunde Schwachsinn, gleich zehn Windräder in diesem Schwachwindgebiet aufzustellen“, ergänzt Erhard Münch. Aufgrund der topographisch niedrigen Lage des Berges sieht er nicht die volle Leistungsfähigkeit der Windräder erreicht. „Wir sind keine Windkraftgegner, aber Skeptiker, was den Naturraum Wald angeht“, so Volker Fenner und Dorn schiebt ein, „der Wald wird zunehmend als Holzplantage dargestellt. Doch man muss nicht nur die Grundfläche des Windrades sehen, sondern auch die Höhe sowie den Eingriff in die Natur. Wir wollen keine schnelle Lösung, sondern eine nachhaltige“, ist sich Dorn sicher.

Machen sich gegen Windkraft im Wald stark: (v. li.) Volker Fenner, Erhard Münch, Karl-Heinz Ganß und Gunter Dorn. Dieser Waldweg könnte bald sehr kieslastig sein.

Ein weiterer Kritikpunkt der Frielendorfer sei zudem die niedrige Anzahl an Profiteuren. Verpachtet ein Waldbesitzer sein Grundstück für ein Windrad, kann dieser dafür Geld erwarten, doch nützt das dem restlichen Dorf erstmal nichts. Fenner erklärt: „Hier entsteht ein tiefer Riss in den örtlichen Gemeinschaften. Viele gehen leer aus und es gibt nur wenige Nutznießer.“ Außerdem wirft Dorn ein, dass der Waldboden wie ein Schwamm wirke.

Mit mehr Kieswegen und den einbetonierten Windrädern werde die eigene Natur vor Ort kaputt gemacht. „Da heißt es, wir haben ein CO2-Problem und dann sollen Bäume gefällt werden, das ist doch hirnrissig“, so Münch. Spaziergang am 18. August

Um auf das Problem aufmerksam zu machen, wollen die Vier gemeinsam mit anderen Frielendorfern einen Waldspaziergang veranstalten. Dabei können Interessierte mit den Windkraftskeptikern ins Gespräch kommen. Getroffen wird sich am Sonntag, 18. August, ab 14 Uhr am Waltersberg. Auf der Straße zwischen Linsingen und Michelsberg ist der Treffpunkt auf der rechten Seite vor dem Wald zu finden. Im Anschluss ist für Kaffee und Kuchen gesorgt.

Das sagt Jürgen Sapara von Abicon

Jürgen Sapara, Teamleitung Projektentwicklung bei Abicon.

Unsere Zeitung hat bei Jürgen Sapara vom Planungsbüro Abicon nachgefragt: „Die Anlagen werden in einer Fundamenthöhe von 265 bis 305 Meter üNN (über Normalnull, Anm. d. Red.) errichtet. Am Waltersberg ergibt sich so eine Windgeschwindigkeit von circa 6,3 m/s. Trotz des Schwachwindgebietes lässt sich ein Maximum an Energie erzeugen, also rund 12.100.000 kWh Energieertrag pro Windrad und Jahr. Dies entspricht dem Verbrauch von 3.300 Haushalten“, erklärt Sapara, und weiter, „zwar gibt es eine erste Planung mit bis zu zehn Anlagen, doch erst das Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) wird darüber entscheiden.“ Dies bestätigt auch Michelle Sundermann von Hessenforst.

Damit alle Bürger etwas davon haben, sind Maßnahmen zur regionalen Wertschöpfung mit Beteiligung der Bürger geplant. Unter anderem sei ein regionaler grüner Stromtarif in der Entwicklung und kann zu gegebener Zeit in der Region angeboten werden, sofern der Rechtsrahmen dies zulasse. Der genaue Umfang der Ausgleichsmaßnahmen stehe erst nach Erteilung der Genehmigung nach BImSchG fest.

Derzeit plane die Abicon z.B. Aufforstungen und die Extensivierung von Grünflächen – auch in Nähe zum Windpark. „Die Zufahrtswege aus Schotter und Kies sollen zwischen 4,5 und 6 Meter breit sein, nur in den Kurven wird es breiter. Zum Großteil werden vorhandene Wege genutzt“, so Sapara über die räumlichen Gegebenheiten bei der Planung der Windkraftanlagen. Jedes Windrad soll gut 20 Jahre laufen. (red)

Das sagt die Gemeinde Frielendorf

Bürgermeister Thorsten Vaupel.

„Anfangs hieß es, vier Windkraftanlagen werden gebaut. Diese Zahl wurde nach unten korrigiert und zwar auf Zwei. Nun sind aber ganze Zehn in der Planung, was in meinen Augen zu viel ist“, kritisiert Bürgermeister Thorsten Vaupel. Hans-Dieter Wettlaufer, Leiter des Fachdienstes „Planen, Bauen und Umwelt“, pflichtet ihm bei: „Zwei bis Drei sind ausreichend für dieses Areal. Bei mehr als zwei Windrädern müsste eine neue Trafo-Station her.“ „Wir müssen unseren Beitrag zur Energiewende leisten, aber nicht überproportional und nicht bei gesundem Wald.“

Hans-Dieter Wettlaufer, Leiter des Fachdienstes „Planen, Bauen und Umwelt".

Zur Zahl der benötigten Fläche für die Windräder hat Wettlaufer eine andere als die Windkraftskeptiker vernommen: 0,38 Hektar pro Windrad plus Wege. Ob ein Windrad gebaut wird, hänge im Genehmigungsverfahren von vielen Punkten ab. So könne die Verweigerung, einen Zufahrtsweg über die Wiese eines Bürgers zu bauen, schon ausreichen, damit der Bau scheitere. „Ist aber alles in Ordnung, braucht es einen rechtskräftigen Grund, um sich gegen den Bau zu wehren, kommentiert Vaupel. „Ich wünsche mir eine sachliche Diskussion, bei der man nicht alles in Extremen sieht.“

Infoabend im September

Die Gemeinde bietet am Freitag, 20. September, um 18 Uhr im Hotel „Hassia“, Hauptstr. 5, einen Infoabend an. (dan)

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