Afrikanische Schweinepest auf dem Vormarsch: Auch im Schwalm-Eder-Kreis sollen Wildschweine verstärkt bejagt werden

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Der Bauernverband fordert 70 Prozent aller Wildschweine in Deutschland abzuschießen, zur Vorbeugung gegen die Afrikanische Schweinepest.

Die Afrikanische Schweinepest hat sich von Russland über das Baltikum bis nach Polen und Tschechien ausgebreitet. Auch im Schwalm-Eder-Kreis, darin sind sich Experten einig, werden sich früher oder später Wildschweine mit dem Virus infizieren.

Schwalm-Eder. Für den Menschen besteht keine Gefahr – für deutsche Wildschweine steht jedoch sprichwörtlich der Tod vor der Tür. Die Afrikanische Schweinepest grassiert und hat sich in den vergangenen Jahren ihren Weg von Russland über das Baltikum bis nach Polen und auch Tschechien gearbeitet und ist somit in der Nachbarschaft angekommen. Experten sind sicher, das Virus kommt früher oder später auch in Deutschland an.

Auf Nachfrage beim Veterinäramt des Schwalm-Eder-Kreises, bestätigt Kreisveterinär Dr. Hans-Gerhard Heil: „Es besteht eine latente Gefahr der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest in unsere Wildschweinebestände. Sie rührt daher, dass eine Infektion vor allem durch unsachgemäße und fahrlässige Entsorgung von infizierten Speiseresten aus Osteuropa jederzeit möglich ist.“ Da es sich um einen besonders hartnäckigen Erreger handelt, weist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit Warnplakaten an Autobahnrastplätzen darauf hin, Essensreste nur in geschlossenen Müllbehältern zu entsorgen.

Sie spielen eine wichtige Rolle: Jäger sind dazu angehalten, verstärkt Schwarzwild zu bejagen.

Besorgt zeigt sich auch Nils Jurkoweit. Der Revierjagdmeister aus Allmuthshausen betreibt die Jagdschule Knüllwald und sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus eingeschleppt wird, ist leider hoch, da wir hier direkt an der A7 liegen und viele Urlauber und Lkw unterwegs sind.“ Jeder, insbesondere Reisende aus infizierten Gebieten, sei aufgefordert, auf keinen Fall Speisereste oder auch nur ein Butterbrotpapier „im freien Feld“ zu entsorgen, betont Vize-Landrat Jürgen Kaufmann auf Nachfrage.

Restriktionszonen nach Seuchenausbruch

Kaufmann fügt jedoch auch an: „Man kann allgemein sagen, dass das Verbreitungsrisiko von der Größe der Wildschweinpopulation abhängt. Folgerichtig sollte die schon begonnene drastische Reduzierung der Wildschweinbestände fortgesetzt werden.“ So hatte der Bauernverband gar die Tötung von 70 Prozent aller in Deutschland lebenden Wildschweine gefordert. Laut Nils Jurkoweit ein utopisches Vorhaben: „Wir Jäger sind ohnenhin bestrebt, so viel Schwarzwild wie möglich zu erlegen – die Zuwachsraten können bei bis zu 300 Prozent liegen. Aber die Forderung des Bauernverbandes ist nicht zu erfüllen, zumal der Schutz der Muttertiere immer gegeben sein muss.“

Kreisveterinär Dr. Hans-Gerhard Heil.

Im Schwalm-Eder-Kreis erlegte und verendete Wildschweine würden schon jetzt regelmäßig auf Afrikanische Schweinepest untersucht. „Im Falle eines Seuchenausbruches bei Wildschweinen werden Restriktionszonen von zehn bis 15 Kilometer im Radius eingerichtet“, erklärt Veterinär Heil. In diesem Bereich werde die Population schließlich drastisch reduziert. „Starke Beunruhigungen der Wildschweine müssen dabei möglichst auf ein Minimum beschränkt werden, um eine Ausbreitung durch Fluchtbewegungen über größere Strecken zu verhindern. Bei Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen unterliegen auch die Hausschweinebestände für mehrere Wochen strengen Sperrmaßnahmen, auch wenn sie selbst nicht infiziert sind“, macht der Kreisveterinär deutlich.

150.000 Hausschweine im Schwalm-Eder-Kreis

Auch der heimische Schweinemarkt müsse mit erheblichen Beeinträchtigungen im Falle eines Ausbruchs der Schweinepest rechnen. „Exportsanktionen wären die Folge. Unter Umständen könnte der Markt ganz zusammenbrechen“, prognostiziert Heil. Ein wahres Horror-Szenario für heimische Schweinebauern, das weiß auch Jürgen Kaufmann. „Im Schwalm-Eder-Kreis haben wir eine besondere Verantwortung gegenüber unseren Landwirten, da wir mit circa 150.000 Tieren die größten Hausschweinbestände in Hessen haben“.

Revierjagdmeister Nils Jurkoweit.

Gegen die Ausbreitung der Schweinepest bei Wildschweinen könne sich der einzelne Landwirt oder Jäger kaum wehren. „Der Landwirt kann die Einschleppung in seinen eigenen Hausschweinebestand wirkungsvoll verhindern, indem er die gesetzlich vorgeschriebenen Hygienestandards einhält. Wird ihm im Seuchenfall nachgewiesen, dass er hier fahrlässig gehandelt hat, muss er mit hohen Geldbußen und, bei Keulung (Töten, um Verbreitung von Tierseuchen zu verhindern; Anm. d. Red.) des Bestandes, damit rechnen, keine Entschädigung von der Hessischen Tierseuchenkasse zu erhalten“, sagt der Kreisveterinär.

In dieser Jagdsaison sei ohnehin schon überdurchschnittlich viel Schwarzwild in Hessen erlegt worden, so Nils Jurkoweit.  Von einer Erhöhung der Jagdprämie, wie es zum Beispiel in Brandenburg der Fall ist, hält der Jagdreviermeister deshalb wenig. „Wir haben eher ein Problem mit der Vermarktung des Fleischs“, ergänzt Jurkoweit. Ein Problem, das bei der Kreisverwaltung bekannt ist. „Derzeit können die Jäger das Fleisch der vielen erlegten Wildschweine nur schwer verkaufen, die Erlöse sinken. Daher prüfe ich zurzeit, ob wir insbesondere mit einer Befreiung von den Trichinenuntersuchungsgebühren für Wildschweine zu einer Entlastung bei den Kosten beitragen und damit einen deutlichen Anreiz für die Bejagung schaffen können“, erklärt der Vize-Landrat.

Vize-Landrat Jürgen Kaufmann.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) spricht sich zudem für die Aufhebung der Schonzeiten für Wildschweine aus. „Die Schonzeit für Schwarzwild beginnt am 1. Februar. „Eine Aufhebung wäre denkbar“, sagt Nils Jurkoweit.

EXTRA-INFO

Die Afrikanische Schweinepest

Bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) handelt es sich um eine schwere Virusinfektion, die ausschließlich Schweine (Haus- und Wildschweine) betrifft und für diese tödlich ist. Für den Menschen stellt sie keine Gefahr dar. In Deutschland ist ASP bisher noch nie aufgetreten. Das Hauptverbreitungsgebiet der ASP sind afrikanische Länder südlich der Sahara.

Vermutlich wurde die ASP aus Afrika nach Georgien eingeschleppt. Im Juni 2007 wurden die ersten ASP-Ausbrüche aus Georgien gemeldet. Als Ursache wird die illegale Entsorgung von Speiseabfällen vermutet, die den ASP-Erreger enthielten. (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft)

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