Aktion zur rechten Wahlwerbung: Schüler hängen selbst Plakate gegen Rechtsextremismus in Homberg und Neukirchen auf

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Engagieren sich mit Plakaten: (v. li.) Christopher Willing, Dieter Goldmann, Gunnar Krosky, Thomas Schattner, Fabian Freund, Tim Göbel, Miriam Krämer, Makram Nakad, Dr. Ralf Weskamp, Margarethe Schelkmann, Stephan Bürger, Emily Schwarz, Tom Werner und Elida Thaqi .

"Rechtsextremismus ist unser Unglück" lautet der Titel auf den Schülerplakaten, die als Gegenaktion zu den Plakaten der Partei "Die Rechte" aufgehangen werden. Dort heißt es "Israel ist unser Unglück".

Diesem Artikel geht der Text "Juden-Hass im Europa-Wahlkampf: Ärger um rechte Hetz-Plakate in Neukirchen" voraus. Einen Kommentar zum Thema finden Sie hier: Kommentar zu antisemitischen Wahlplakaten: Es braucht mehr Reaktionen auf die offene Fremdenfeindlichkeit!

Homberg. Vergangene Woche berichtete unsere Zeitung über den Ärger um EU-Wahlplakate der Partei „Die Rechte“ in Neukirchen. „Israel ist unser Unglück! Schluss damit!“ steht darauf. „Diese Plakate fallen unter das Motto der Meinungsäußerung, aber es fällt auch darunter, sich dagegen zu wehren“, erklärt Dr. Ralf Weskamp, Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule (THS) in Homberg.

THS-Lehrer Thomas Schattner ließ das Thema vergangene Woche auch nicht los und so organisierte er gemeinsam mit anderen Schulen sowie Schülern der Arbeitsgemeinschaft (AG) „Schule ohne Rassismus“ an der THS ein Projekt, Gegenplakate zu entwerfen. Vier Schüler setzten sich so zusammen und entwarfen in einigen Stunden Arbeit passende Plakate. „Mir war klar, wir müssen was machen, das kann man so nicht passieren lassen. Das gab es in Deutschland schonmal“, gibt Schattner zu bedenken.

"Ich mache doch was und ich darf nicht mal wählen!" (Margarethe Schelkmann)

Das Gegenplakat der AG trägt den Schriftzug „Rechtsextremismus ist unser Unglück! Schluss damit!“ gefolgt von „Schalom“ auf hebräisch und „Für eine freie, offene, solidarische und tolerante Gesellschaft!“ sowie den Logos der mitwirkenden Schulen bzw. Verbände. „Es sollte für jeden leicht erkennbar sein, auf was sich unser Plakat bezieht“, meint Tim Göbel, einer der vier Plakatgestalter. Makram Nakad von der AG ergänzt: „Ich lebe jetzt drei Jahre in Deutschland und es ist schön, dass man sich in Deutschland dagegen engagieren kann.“

Margarethe Schelkmann von der AG findet zudem deutliche Worte: „Ich werde immer wütend, wenn von unpolitischer Jugend gesprochen wird. Ich mache doch was und ich darf nicht mal wählen!“ Fabian Freund macht gerade sein Abitur an der THS, engagiert sich darüber hinaus aber auch bei „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und findet: „Das gehört sich einfach nicht, so ein Tabubruch. Wenn man nicht reagiert, schafft das Akzeptanz und Toleranz.“

Das Plakat trägt im Zentrum den hebräischen Schriftzug für Schalom (Frieden).

Wenn noch nicht geschehen, sollen die Plakate in A2 und A3 von den Schülern in Homberg in Geschäften sowie nahe der Projektauslöser aufgehangen werden, um trotz der kurzen Zeit vor der EU-Wahl am Sonntag, 26. Mai, noch ein Zeichen zu setzen. „Es ist vor allem eine Hilflosigkeit, die ich aus dem Artikel [Anm. d. Red.: in unserer Zeitung] herauslesen konnte. Es kann nicht sein, dass nichts dagegen gemacht wird. Oft stellt sich doch die Frage, wie man Jugendliche dazu motivieren kann, politisch aktiv zu werden?“, so Dieter Goldmann, Schulleiter der Erich-Kästner-Schule.

"Rechtsextremismus ist unser Unglück!" (Plakat der THS-AG)

Ein großes Lob spricht zudem Tom Werner, Projektkoordinator von „Gewalt geht nicht“, an die Schüler aus und verspricht: „So eine Zusammenarbeit bleibt keine Eintagsfliege.“ Aufgrund der Kürze der Zeit seien es jetzt nur fünf Schulen, die am Projekt teilnehmen.

„Mit mehr Zeit würden sicher mehr mitmachen“, ist Stephan Bürger, Pressesprecher des Landkreises, überzeugt. „Wir freuen uns auch, Bürgermeister Klemens Olbrich mit unserer Aktion zu unterstützen“, ergänzt Schattner. Das Projekt werde laut Bürger von Geldern aus dem Programm „Gewalt geht nicht“ vom Schwalm-Eder-Kreis finanziell unterstützt. Mitwirkende Schulen sind neben der THS und EKS auch die Carl-Bantzer-Schule Ziegenhain, die Steinwaldschule Neukirchen und die Melanchthon-Schule Steinatal.

Israel und die Juden seien nicht das Ziel

Mit dem Plakat werde unter anderem auf den „Stürmer“ im Dritten Reich angespielt, der die Juden als Ziel hatte. „In den jüdischen Gemeinden des Regierungsbezirks Kassel leben etwa 50 Juden. Bei den Plakaten geht es nicht um die Juden. Die sind nur ein Vorwand.“, kritisiert Christopher Willing, Vertreter der jüdischen Gemeinde Homberg die rechten Plakate. „Was ein Plakat gegen Israel im EU-Wahlkampf verloren hat, ist ohnehin fragwürdig. Jeder weiß, was gemeint ist, aber rechtlich ist es okay. Die Rechte will nicht die Juden im Landkreis loswerden, sondern ein anderes Gesellschaftsbild schaffen“, befürchtet Willing weiter und abschließend: „Die ersten, die damals verfolgt wurden, waren nicht die Juden, sondern politische Gegner.“

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