Altersbedingte Betriebsaufgabe im Handwerk nimmt zu

+

Kreishandwerkerschaft und Handwerkskammer Kassel helfen bei der Suche nach Betriebsnachfolgern. Oft sind Firmeninhaber zu spät dran.

Schwalm-Eder. Es ist Sonntagmorgen: Zeit für ein ausgedehntes Frühstück im Kreise der Lieben. Frische Brötchen und süße Stückchen dürfen natürlich nicht fehlen. Kein Problem – im Ort gibt es ja den alteingesessenen Bäcker, der die Zutaten für den perfekten Start in den arbeitsfreien Tag liefert. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn der Bäckermeister ist 63 Jahre alt – noch knapp zwei Jahre bis zur Rente und es ist niemand da, der den Familienbetrieb weiterführt.

Ein Beispiel, dass auf viele Handwerksbetriebe im Schwalm-Eder-Kreis projiziert werden kann. "Heutzutage sieht die Lebensplanung der nachkommenden Generation in Familienbetrieben oft anders aus. Vor allem der Zeitaufwand schreckt viele ab", erklärt Jürgen Altenhof, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder und prognostiziert, dass in den nächsten zehn Jahren jeder vierte Handwerksbetrieb im Kreis davon betroffen sei.

Ende der Familientradition ist nicht gleich das Aus

Die Familientradition wird gebrochen. Das müsse aber nicht gleichzeitig das Aus für den Betrieb bedeuten. Hier kommen die Kreishandwerkerschaft und die Handwerkskammer Kassel als Vermittler ins Spiel. "Wir helfen den Inhabern einen geeigneten Nachfolger zu finden", sagt Altenhof und beklagt gleichzeitig: "Leider kommen viele zu spät auf uns zu." Der Geschäftsführer appelliert an die Inhaber, sich frühzeitig um eine Übernahme zu kümmern – möglichst vor dem 60. Lebensjahr.

"Es ist auch schon vorgekommen, dass Betriebseigner wenige Monate, bevor sie in den Ruhestand gehen wollten, zu uns gekommen sind. Das ist natürlich viel zu spät, um einen geeigneten Nachfolger zu finden", weiß der Geschäftsführer. Besonders schwierig sei es, Nachfolger für Bäckerei- und Fleischerbetriebe zu finden. "Hier scheitert es unter anderem oft an hohen Investitionskosten für modernere Maschinen", so Altenhof.

Es komme jedoch nicht selten vor, dass sich Inhaber selbst im Weg stünden. "Wir bewerten die Betriebe natürlich – dabei liegen Wunschdenken und Realität oft weit auseinander. Wenn wir dem Inhaber den tatsächlichen Wert seines Betriebes mitteilen, sind der Schreck und die Enttäuschung im ersten Moment groß", erzählt Katrin Bock, Betriebsberaterin der Handwerkskammer Kassel, von ihren Erfahrungen.

Die Nachfrage an Betriebsübernahmen sei zwar da, jedoch läge diese noch weit unter dem Angebot an zu übernehmenden Betrieben. "Der demografische Wandel macht die Aufgabe nicht leichter. Wir müssen dafür sorgen, dass diese Schere nicht weiter auseinandergeht", macht Bock deutlich.

Informieren und Kontakte herstellen

Um jungen Handwerkern Perspektiven im Schwalm-Eder-Kreis aufzuzeigen, biete man deshalb Informationsveranstaltungen zur Betriebsübernahme an. "Diese Veranstaltungen werden sehr gut angenommen und wir konnten so bereits den einen oder anderen Kontakt herstellen", sagt die Betriebsberaterin. Kontakte, die im Idealfall dazu führen sollen, dass es auch in Zukunft Leckereien vom Bäcker aus dem Ort gibt.

Weitere Informationen gibt es auch unterwww.handwerk-schwalm-eder.de oder www.hwk-kassel.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Hinweistelefon in Homberg für Infos zur "falschen Ärztin" nur noch eingeschränkt eingerichtet

Fall der "falschen Ärztin": AG "Medicus"-Hinweistelefon nur noch wochentags von 10 bis 15 Uhr erreichbar.
Hinweistelefon in Homberg für Infos zur "falschen Ärztin" nur noch eingeschränkt eingerichtet

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.