Ausbruch von Wölfen im Wildpark: Jetzt meldet sich der Kreis zu Wort

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Ein europäischer Wolf kontne aus dem Wildpark Knüll fliehen und streift seit Freitag durch Nordhessens Wälder.

Am Freitag sind zwei Wölfe im Wildpark Knüll ausgebrochen. Ein Tier wurde noch am selben Tag auf dem Gelände des Wildparks erschossen. Das andere streift durch die nordhessischen Wälder. Jetzt bezieht der Kreisausschuss des Schwalm-Eder-Kreis öffentlich Stellung.

Im Wildpark Knüll sind am Freitag zwei Wölfe ausgebüxt. Das wird auf der Internetseite des Parks bestätigt. In einer Sondermeldung heißt es, die Wölfe seien aus ihrem Gehege entwichen und hätten kurze Zeit später einen zweiten Zaun überwunden, der die gesamte Anlage begrenze. Durch Medienberichte erfuhr die Öffentlichkeit erst am Sonntag vom Vorfall. Dabei müssen die Verantwortlichen des Wildparks direkt am Freitag Kenntnis über die Flucht ihrer Raubtiere gehabt haben. Immerhin informiert der Kreisausschuss des Schwalm-Eder-Kreises auf unsere Nachfrage darüber, dass eines der Tiere noch am späten Freitagabend im Park erschossen wurde – „aus Gründen der Betriebssicherheit“.

Warum aber musste das Tier gleich getötet werden? „Weil eine Betäubung leider nicht möglich war, da man für einen gezielten Betäubungsschuss nicht nahe genug an die Wölfe herankam“, so eine Erklärung aus der Kreisverwaltung am Montagmittag. Doch das Schießen sei aus einem weiteren Grund notwendig gewesen: Entlaufene Wölfe könnten die Wildtiere, die sich im Park frei bewegen, aufscheuchen. Um eine Panik unter den Wildtieren und damit verbundene Verletzungen zu vermeiden, habe man den Wolf erlegt. „Durch ihren natürlichen Fluchtinstinkt hätten die Wildtiere den Außenzaun des Wildparks durchbrechen können. Das hätte eine Verkehrsgefährdung dargestellt, wenn beispielsweise Hirsche, Dam- oder Muffelwild auf der angrenzenden Straße auftauchen“, so die Risikoabwägung des Kreisausschusses.

Mehrere Sichtungen wolfsähnlicher Tiere

Der zweite Wolf hingegen konnte weder betäubt noch erschossen werden. Er flüchtete und wurde bis zu unserem Redaktionsschluss am Montagabend nicht gefunden. Am späten Samstagabend wurde der Wildpark zwar davon in Kenntnis gesetzt, dass bei Homberg-Hülsa ein wolfsähnliches Tier gesichtet wurde. Ob es sich dabei allerdings um den ausgerissenen Wolf aus dem Wildpark handelt, könne weder bestätigt, noch ausgeschlossen werden. Weitere Hinweise kamen aus der Umgebung von Hergetsfeld und Grebenhagen. Für Menschen besteht nach Einschätzung der Parkleitung und Experten keine unmittelbare Gefahr. Die Frage, wie man sich im Falle einer Wolfssichtung richtig verhält, beantwortet das Hessische Umweltministerium (siehe EXTRA-INFO unten).

Jüngster Ausbruch vor gerade einmal elf Monaten

Dass der Vorfall kein Einzelfall ist, verrät der Blick ins Archiv unserer Zeitung. Im April 2016 musste der gesamte Tierpark evakuiert werden, weil Jungbärin Alexa auf der Besucherbrücke unterwegs war. Erst im Februar vergangenen Jahres waren zwei von zwölf Wölfen aus ihrem Gehege, das sie sich mit zwei Braunbären teilen, ausgebrochen. „Wir bedauern diesen erneuten Ausbruch sehr. Aktuell werden die Zäune der Bären-Wolfs-Anlage kontrolliert und durch eine Fachfirma verstärkt“, so Stephan Bürger, der Pressesprecher der Kreisverwaltung. „Trotz regelmäßiger Kontrollen des Geheges gelang es den Wölfen an einer Stelle den Zaun zu beschädigen und durch das entstandene Loch die Flucht anzutreten.“

Wo sich der Wolf aktuell aufhält, ist nicht klar. An einzelnen Tagen können die Tiere größere Strecken von bis zu 50 Kilometern zurücklegen. Sichtungen können an den Wildpark unter Tel. 05681-2815 gemeldet werden.

EXTRA-INFO: Verhaltenshinweise bei einer Begegnung mit Wölfen

Das Hessische Umweltministerium gibt bei einer Begegnung mit einem Wolf in freier Wildbahn auf seiner Homepage einige Verhaltenshinweise:

• Abstand halten

• nicht füttern

• bei Begegnung: Wölfe im Auge behalten, nicht direkt anstarren, langsam entfernen

• bei Verfolgung seitens des Wolfes: Nicht hastig entfernen, sondern langsam weitergehen und laut sprechen.

• Im unwahrscheinlichen Fall, dass ein oder mehrere Wölfe offensichtlich direkt auf einen zukommen, handelt es sich nach Angaben des Ministeriums in der Regel um neugierige Jungtiere. Hier gilt: Stehenbleiben, laut rufen und in die Hände klatschen, sich groß machen, ggf. mit einem Knüppel bewaffnen und – bei weiterer Annäherung – damit werfen.

• Hunde anleinen; trotzdem gilt: Auch angeleinte Hunde können Neugier- und eventuell auch aggressives Verhalten auslösen. In einem solchen Fall die Wölfe durch lautes Rufen und Gestikulieren auf sich aufmerksam machen.

• Tote oder verletzte Wölfe nicht anfassen und Naturschutzbehörde, Forstbehörde oder Polizei informieren.

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