Betriebsübergabecoach Viola Müller-Hanke unterstützt Betriebe bei der Suche nach geeigneten Nachfolgern im Schwalm-Eder-Kreis

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Bürgermeister Dr. Nico Ritz (li.) und Landrat Winfried Becker freuen sich über die neu besetzte Stelle des Betriebsübergabecoach durch Viola Müller-Hanke.

Übergabe statt Aufgabe: Betriebsübergabecoach Viola Müller-Hanke geht aktiv auf Unternehmen zu und unterstützt bei der Suche nach Nachfolgern, wenn die Inhaber etwa auf die Rente zugehen oder einfach vorsorgen wollen.

Schwalm-Eder. In vielen Unternehmen ist die Nachfolge familiär geregelt, sobald der Inhaber die Rente antreten will. Dennoch gibt es einige, bei denen die Betriebsübergabe nicht so gut strukturiert ist.

Deutschlandweit sind bis 2020 etwa 225.000 Betriebe von Wechseln an der Spitze betroffen. Ein Drittel davon habe noch keinen Nachfolger gefunden, heißt es in einer KfW-Studie. Für den Schwalm-Eder-Kreis bedeutet das: In den nächsten Jahren stehen circa 800 Betriebe im Kreis zur Übergabe an einen Nachfolger bereit.

Durch die Entwicklungskonzepte der fünf LEADER-Regionen im Landkreis wurde ein dringender Handlungsbedarf identifiziert. Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung, der Kreishandwerkerschaft, dem Einzelhandelsverband, der IHK, dem Zweckverband Knüllgebiet und dem Landkreis schuf man daher die Stelle des Betriebsübergabecoaches. Diese ist seit dem 15. Januar mit Viola Müller-Hanke in der Parkstraße 6 in Homberg besetzt.

Viola Müller-Hanke

Müller-Hankes Tätigkeit geht aber über eine reine Kontaktperson im Landratsamt hinaus, denn sie geht aktiv auf Unternehmen und Bürgermeister zu. „Meine Arbeit besteht aus Administration, Visite und Öffentlichkeitsarbeit“, erklärt Müller-Hanke. Seit ihrem Start im Januar habe sie schon Termine mit allen Bürgermeistern des Landkreises gehabt, um sich erstmal bekanntzumachen und Kontakte zu knüpfen. Völlig fremd ist der Landkreis für sie nicht, denn sie wohnt in Obermelsungen. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften, einer Tätigkeit im Qualitätsmanagement und einer in der Unternehmensberatung „war diese Stelle wie für mich geschaffen“, freut sich Müller-Hanke.

„Die Zielgruppe ist grob gesagt 58+ Jahre alt, wobei aufgrund möglicher gesundheitlicher Beschwerden auch vorher über eine Betriebsübergabe nachgedacht werden kann und sollte.“ Je nachdem, ob ein Nachfolger unter den Mitarbeitern des Betriebes oder extern gefunden wird, kann die Betriebsübergabe zwischen einem und drei Jahren dauern, weiß Eugen Knoth von der IHK. „Wenn das Interesse vorhanden ist, muss auch die Chemie zwischen beiden Seiten stimmen.“

Die Beratung erfolgt vollkommen kostenlos für die Beteiligten. Bei dem Betriebsübergabecoach handelt es sich um ein Pilotprojekt des Bundes. Die gemachten Erfahrungen sollen auch anderen Regionen zugute kommen. Bis zum 30. September 2021 wird das Projekt mit 205.678,51 Euro Kosten veranschlagt. Davon übernimmt der Bund 187.696,51 Euro und der Landkreis die Differenz von 17.982 Euro. „Wir sehen es als öffentliche Aufgabe an, uns darum zu kümmern und diesen innovativen Ansatz zu verfolgen“, ergänzt Bürgermeister und Vorsitzender des Zweckverbandes Knüllgebiet Dr. Nico Ritz. Ziel ist es, den Fortbestand der Unternehmen und somit Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft in der Region zu sichern.

Kontakt zu Müller-Hanke: 

Parkstraße 6, Homberg

Tel. 05681-775783

viola.mueller-hanke@betriebsuebergabecoach.de

www.betriebsuebergabecoach.de

Termine sind nach Vereinbarung auch nach 18 Uhr oder samstags möglich.

Extra-Info: Vorgeschichte

Die Idee entstand bereits 2015. Damals wurde ein Konzept zum Bundesprojekt Land(auf)Schwung mit dem Schwerpunktthema „Begegnung des Fachkräftemangels und Sicherung von Unternehmensnachfolgen“ erstellt, erhielt aber keine Anerkennung im Förderprogramm des Bundes. Eine eigenständige Förderung durch LEADER-Mittel war ebenfalls nicht möglich. 2017 folgt dann der Antrag im Bundesprogramm Land(auf)Schwung plus – diesmal mit Erfolg.

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