17-jährige Somalierin machte Praktikum beim Amt für Bodenmanagement in Homberg

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Vier Wochen reingeschnuppert: Fatouma Issa Hirsi aus Somalia absolvierte ein Praktikum beim Amt für Bodenmanagement, um sich für die Zukunft beruflich zu orientieren.

Somalierin Fatouma Issa Hirsi blickte hinter die Kulissen beim Amt für Bodenmanagement in Homberg

Homberg. „Was machen die denn da überhaupt beim Amt für Bodenmanagement?“ Diese Frage stellte sich Fatouma Issa Hirsi und beschloss, dem Ganzen während eines Praktikums in Homberg auf den Grund zu gehen. Die 17-Jährige stammt aus Afgooje (Somalia) und ging im jungen Alter von 13 Jahren in den Jemen, um dort als Babysitterin bei einer arabischen Familie zu arbeiten. Als diese im Jahr 2016 flüchten musste, nahm sie Fatouma mit. Sie flohen über die Balkanroute bis nach Frankfurt am Main.

Fatouma kam dann in einer Jugendwohngruppe der AWO in Homberg unter. Hier besucht sie eine Intea-Klasse (Integration durch Anschluss und Abschluss) an der Friedrich-Ebert-Schule in Homberg. Dort empfahl man ihr ein Praktikum, um sich für die Zukunft beruflich zu orientieren und das Arbeitsleben hier in Deutschland kennenzulernen. Dazu sprach sie mit ihrer Betreuerin über ihre Interessen und stellte dabei fest, dass sie typische „Frauenberufe“ gar nicht interessieren, sondern sie sich eher für technische Bereiche begeistert – ganz wie ihr Vater, der in ihrer Heimat als Bautechniker arbeitet. 

Praktikantin in Aktion: Fatouma übt sich beim Vermessen.

Sie las in einem Zeitungsartikel über das Amt für Bodenmanagement und wurde neugierig. Letztendlich bewarb sie sich dort um ein Praktikum. „Ich war neugierig und wollte wissen, was dort gemacht wird, denn in meiner Heimat gab es so ein Amt gar nicht. Gleichzeitig hatte ich etwas Angst, dass ich mich langweilen und nichts verstehen würde. Doch das war dann ganz und gar nicht so.“

Fatouma hatte in ihrer vierwöchigen Praktikumszeit die Gelegenheit, die unterschiedlichen Fachbereiche zu durchlaufen. Sie bekam einen Einblick in das Liegenschaftskataster (flächendeckender und aktueller Nachweis von Grundstücken und Gebäuden) und die Immobilienwertermittlung. Letztere befasst sich mit den rechtlichen Grundlagen und Gesetzen sowie den Aufgaben der Gutachterausschüsse. Diese Vorgänge waren natürlich völliges Neuland für Fatoula: „Bei uns lief das ganz anders. Wenn man ein Haus oder Grundstück kaufen will, dann sagt man, wie viel man geben will und handelt. Da gibt es keine Kaufpreissammlung oder Bodenrichtwerte“, so Fatouma.

Ein weiterer Teil ihres Praktikums war der Bereich ATKIS (Amtliche Topographische Kartographische Informationssystem). Hier hat Fatouma gelernt, wie Luftbilder entstehen.

Sie gewann viele neue Erkenntnisse über einen – ihr bisher unbekannten – Arbeitsbereich. Auf die Frage, was sie abschließend über ihr Praktikum sagen wolle, antwortete Fatouma begeistert: „Am besten fand ich, wie nett die Leute hier sind. Sie haben alles gegeben und hatten so viel Geduld mit mir, auch wenn ich immer wieder nachgefragt habe und nicht alles sofort verstanden habe. Ohne solche Leute wäre das Praktikum für mich viel schwieriger gewesen. Mit den Auszubildenden, die vor kurzem ihre Abschlussprüfungen hatten, konnte ich mich über die Ausbildung zur Geomatikerin unterhalten und auch über das duale Studium “.

Mehr Informationen über die Ausbildungsmöglichkeiten beim Amt für Bodenmanagement gibt es unter www.hvbg.hessen.de/ausbildung.

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