Dr. Dieter Vaupel veröffentlicht Buch über Blanka Pudler, eine Überlebende von Auschwitz und Zwangsarbeit

Dr. Dieter Vaupel hat in Zusammenarbeit mit Blanka Pudler (re. von 2005) nun ein Buch über ihre Jugendjahre in Zwangsarbeit und Auschwitz herausgebracht.
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Dr. Dieter Vaupel hat in Zusammenarbeit mit Blanka Pudler (re. von 2005) nun ein Buch über ihre Jugendjahre in Zwangsarbeit und Auschwitz herausgebracht.
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Das Foto vor dem Gendenkstein ist 2005 als Blanka Pudler 76 war, aufgenommen worden.
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Das Foto vor dem Gendenkstein ist 2005 als Blanka Pudler 76 war, aufgenommen worden.
Das Kinderfoto stammt aus dem Jahr 1937 und ist in der Schule in Käsmark gemacht worden, Blanka war acht Jahre alt.
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Das Kinderfoto stammt aus dem Jahr 1937 und ist in der Schule in Käsmark gemacht worden, Blanka war acht Jahre alt.
Ankunft in Auschwitz nach drei Tagen Fahrt im Viehwaggon: Aranka Adler gehörte zu denen, die vor den Waggongs fotografiert wurden. Sie ist auf der linken Hälfte des Fotos mit Kopftuch zwischen Müttern und Kindern zu sehen.
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Ankunft in Auschwitz nach drei Tagen Fahrt im Viehwaggon: Aranka Adler gehörte zu denen, die vor den Waggongs fotografiert wurden. Sie ist auf der linken Hälfte des Fotos mit Kopftuch zwischen Müttern und Kindern zu sehen.
So sah in etwa die Arbeit von Pudler aus. Die Frauen waren beim Umrühren der heißen Masse des TNT schutzlos den giftigen Dämpfen ausgesetzt...
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So sah in etwa die Arbeit von Pudler aus. Die Frauen waren beim Umrühren der heißen Masse des TNT schutzlos den giftigen Dämpfen ausgesetzt...
...Eigentlich wäre Schutzkleidung wie hier vorgesehen.
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...Eigentlich wäre Schutzkleidung wie hier vorgesehen.

Eine Lüge in Auschwitz verhinderte ein Wiedersehen mit Blanka Pudlers Mutter und rettete zugleich das Leben der 15-Jährigen. Dr. Dieter Vaupels neustes Buch arbeitet jetzt die Gefangenschaft der Auschwitz-Überlebenden auf.

Region. Blanka Pudler (geb. Adler) ist gerade mal 14 Jahre alt, als die SS-Frauen die Baracke betreten und nach Kindern fragen, die noch nicht 16 Jahre alt geworden sind. Bislang hörte sie immer nur das Schlimmste über diesen Ort, den sie mit ihrer Schwester Aranka nun ihr Heim nannte. Wo ihre anderen Geschwister oder ihre Eltern waren, wusste sie nicht, doch dann gab es einen Hoffnungsschimmer: Alle, die noch nicht ihr 16. Lebensjahr vollendet haben, dürfen ihre Mütter sehen, heißt es von der SS-Frau. Blanka meldet sich und verabschiedet sich von ihrer Schwester.

Doch wird sie von der polnischen Blockältesten als Lügnerin hingestellt. Sie verstand nichts mehr, ging unter Druck auf die Lüge ein und bekam Ohrfeigen, die sie zu Boden fielen ließen. Die Aussicht, die Mutter wieder zu sehen, war dahin – doch ihr Leben gerettet. Später fand Blanka heraus, dass alle Kinder, die sich an diesem Tag gemeldet haben zwar ihre Mütter wiedersahen, doch mit ihnen dazu gezwungen wurden, die Gaskammern zu betreten. Blanka und ihre Schwester machten somit ihre erste höllische Erfahrung in Auschwitz-Birkenau.

Das Foto vor dem Gendenkstein ist 2005 als Blanka Pudler 76 war, aufgenommen worden.

Adler-Schwestern überleben Ausschwitz

Gegen alle Widrigkeiten überlebten die Schwestern mit positiver Einstellung. 1952 wurde Blankas Tochter geboren. Erst als diese 17 wurde, konnte sie offen über ihre Jugendjahre sprechen. Der damalige Politikstudent Dr. Dieter Vaupel erzählt: „Ich recherchierte nach Überlebenden von damals und fand Pudler. Es entstand ein Briefkontakt und ich schickte ihr eins meiner Bücher, „Das Außenkommando Hess. Lichtenau des Konzentrationslagers Buchenwald 1944/45“. Vaupel habe erwartet, eine Frau zu treffen, die vom Leben gezeichnet ist und wurde von einer warmherzigen Frau überrascht.

Nachdem sie Vaupel aus dem Schwalm-Eder-Kreis 1986 kennenlernte, machte sie es sich auch zum Anliegen, jedes Jahr einmal von Budapest nach Deutschland zurückzukehren und mit Schülern, Vereinen und Institutionen zu sprechen, damit aus ihren schrecklichen Erfahrungen möglichst viele Menschen etwas lernen konnten. „Sie war immer ein bis zwei Wochen lang hier und durchlebte ihr Schicksal bei jedem Termin, nutzte die Chance aber auch zur Heilung“, berichtet Vaupel, der sie 31 Jahre lang kennenlernte. „Mit ihr zu sprechen, ist ein Erlebnis, das niemand je wieder vergisst.“ Vaupel hat im Buch auch Pudler zitiert: „Ich habe nicht gedacht, dass ich in Hess. Lichtenau, an dem Ort, an dem ich so viel leiden musste, einmal so viele deutsche Freunde finden werde.

Das Kinderfoto stammt aus dem Jahr 1937 und ist in der Schule in Käsmark gemacht worden, Blanka war acht Jahre alt.

Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten

2004 fing Vaupel an, mit Pudlers Einverständnis, ein Buch über ihre Jugendzeit, speziell das 15. bzw. 16. Lebensjahr, zu schreiben. „Sie konnte alles besser erzählen, aber es ist eine so emotionale Geschichte, die man aufschreiben muss“, erklärt Vaupel, doch, „es gab immer etwas anderes zu tun. Nach ihrem Tod 2017 versprach ich ihr und mir daher, das Buch zeitnah zu beenden.“ Für das nun fertig gestellte Buch „Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten – Wie ein 15-jähriges Mädchen Au­schwitz und Zwangsarbeit überlebte“ entschied sich Vaupel für die erste Person, „damit sich Leser besser in Pudler hineinversetzen können.“ Vaupel empfiehlt das Buch für Jugendliche ab 15 Jahren, aber auch jedem Erwachsenen.

So sah in etwa die Arbeit von Pudler aus. Die Frauen waren beim Umrühren der heißen Masse des TNT schutzlos den giftigen Dämpfen ausgesetzt...

Buchvorstellung zum Todestag Pudlers

Am 14. September 2017 verstarb Blanka Pudler. Ein Jahr später möchte Vaupel sein Buch in der Grundschule in Hess. Lichtenau, Heinrichstraße 20, ab 19 Uhr vorstellen. Die Schule steht heute auf dem Grundstück, wo früher die Munitionsfabrik, in der Pudler noch arbeiten musste, stand.

Ein weiterer Termin ist für den 24. Oktober an der Gedenkstätte Breitenau vorgesehen. Das Buch gibt es bereits bei Buchhändlern der Region und ist unter anderem mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Magistrat der Stadt Hessisch Lichtenau beim Dietz-Verlag erschienen.

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