Flüchtlinge an Hermann-Schafft-Schule bauen Bänke für Integration

Mit viel Freude bei der Gestaltung: Die Geschwister Diar (11) und Sahira (15) sind aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Fotos: Klagholz

Projekt an der Homberger Hermann-Schafft-Schule: Gehörlose junge Flüchtlinge gestalten Bänke als Zeichen der Integration.

Homberg. Träume, Ziele, Erinnerungen und Wünsche – alles festgehalten auf einer Bank. Diese Idee kam Dorothea Krause vor einigen Monaten, als sie mit ihrem Vater durch Kassel schlenderte. Krause studiert Soziale Arbeit an der CVJM Hochschule in Kassel und absolviert derzeit ein Praxissemester an der Homberger Hermann-Schafft-Schule.

Die Schule für Hörgeschädigte und Sehbehinderte hat im vergangenen Sommer zum ersten Mal gehörlose Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund aufgenommen und Krause ist als Praktikantin Teil dieser sogenannten "Willkommensklasse".

"Ich habe am Kasseler Kulturbahnhof diesen bunten Stuhl von der Firma ‘Öko-Kunstbank’ stehen sehen", erklärt Krause. "Das war die Initialzündung für dieses Projekt, das für die Überwindung von kulturellen und kommunikativen Barrieren stehen und ein Zeichen gegen Rassismus setzen soll."

Die Schulleitung habe sie sofort für das Projekt begeistern können. Auch einen Sponsor für eine "Kunstbank" habe die Studentin schnell gefunden. "Der Förderverein der Hermann-Schafft-Schule hat die Mittel zur Verfügung gestellt", sagt Krause. Doch damit nicht genug: "Als  ‘Öko-Kunstbank’ von dem Projekt erfuhr, hat sich die Firma mit einer zusätzlichen Bank beteiligt", so die Initiatorin.

Sechs Schüler aus dem Irak, Somalia und Syrien hauchen den Bänken jetzt mit Pinsel und Farbe Seele ein. Die Schüler sind zwischen elf und 17 Jahre alt. Zur "Willkommensklasse" gehört auch der 17-jährige Rustum aus Syrien. "Rustum hat in Aleppo gelebt und dort auch eine Schule für Gehörlose besucht. Gebärdensprache ist jedoch nicht in jedem Land gleich (siehe EXTRA-INFO) und so muss auch er alles neu lernen", erklärt Lehrerin Marion Schleicher.

Noch schwerer haben es die Geschwister Sahira (15) und Diar (11) aus dem Irak. "Die beiden kommen aus einem kleinen Dorf und sind dementsprechend nicht gefördert worden. Die beiden haben Sprache nie kennengelernt, bis sie zu uns kamen", sagt Schleicher.

In dem von Dorothea Krause initiierten Projekt sollen sich die Kinder und Jugendlichen jedoch über Farben und Formen ausdrücken. Jeder Schüler gestaltet seine eigene Banksprosse, die anschließend zusammengefügt werden. Die fertigen Sitzgelegenheiten sollen dann auf dem Schulgelände ihren Platz finden.

"Stehen die Bänke erst einmal, können die Schüler ihre Gastrolle verlassen. Die Bänke werden so auch zu einem farbenfrohen Zeichen gegen Rassismus", betont Krause.

+++EXTRA-INFO+++

Gebärdensprache

Gebärdensprachen sind visuell-manuelle Sprachen, die natürlich entstanden sind. Gebärdensprachen bestehen neben Handzeichen aus Mimik und Körperhaltung. Sie verfügen über ein umfassendes Vokabular und eine eigenständige Grammatik, die grundlegend anderen Regeln folgt, als die Grammatik gesprochener Sprachen.

Jedes Land hat seine eigene nationale Gebärdensprache, in der sich auch regionale Dialekte entwickelt haben. (Quelle: Deutscher Gehörlosen-Bund e. V.)

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