Gemetzel oder Handwerk? Ein Pro & Contra zum Thema Jagd

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Die MB-Redakteure Laura-Madlein Scharpen und Julian Klagholz diskutieren in einem Pro & Contra über das Thema Jagd.

Schwalm-Eder. Der Jagd-Zunft im Schwalm-Eder-Kreis fehlt der Nachwuchs. Revierjagdmeister Nils Jurkoweit) hat deshalb die Jagdschule Knüllwald (zum Artikel) gegründet, um mit neuem Konzept wieder mehr Menschen für die Jagd zu begeistern. Grund genug für die MB-Redakteure Laura-Madlein Scharpen und Julian Klagholz das Thema grundlegend zu diskutieren. Die Jagd - Gemetzel oder Handwerk?

Pro von Julian Klagholz: Keine elitären Ballermänner

Schießwütige Snobs, die nichts besseres mit ihrer Freizeit anzufangen wissen, als auf wehrlose Tiere im Wald zu schießen. Jäger müssen sich allerhand Kritik und auch Beleidigungen gefallen lassen.

Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so, als wären die Waidmänner permanent auf der Pirsch nach dem kapitalsten Bock oder der größten Wildsau, um dann später vor den Jagdkameraden damit angeben zu können. Der jüngste "Volltreffer" wird dann meist noch in geselliger Runde mit Schnaps begossen. Fertig ist das Bild des egomanischen Trophäenjägers!

Wer sich jedoch mal die Mühe gemacht hat und sich genauer mit dem Handwerk Jagd – was es meiner Auffassung nach zweifelsohne ist – beschäftigt hat, stellt schnell fest, dass Jäger weit mehr sind, als elitäre Ballermänner.

Trophenjäger gibt es – Jagdgegner sind jedoch oft dazu geneigt, alle über einen Kamm zu scheren. Vor allem Nachhaltigkeit wird groß geschrieben. So schaffen Jäger etwa Rückzugsmöglichkeiten für bedrohte Tierarten oder legen Impfköder gegen Tierseuchen aus. Dabei bringen sie es nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes auf 3,2 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr im Zeichen des Naturschutzes – ehrenamtlich!

Als Enkel eines Jägers bin ich mit dem Handwerk aufgewachsen, habe viele Jäger kennengelernt – vom Maurer bis zum Anwalt. Und habe zudem die Erfahrung gemacht, dass jedes erlegte Wild auch als wertvolles Lebensmittel behandelt wird. Nichts verwertbares wandert in die Tonne. Bei Gesellschaftsjagden wird gar jedes  einzelne erlegte Tier mit einem Hornsignal noch einmal gewürdigt.

Keine Frage, die Jägerzunft muss stärker nach Außen arbeiten. Deshalb ist es gut, dass Jäger wie Nils Jurkoweit den Anfang mit neuen Konzepten wagen.

Contra von Laura-Madlein Scharpen: Unnötiges Gemetzel

Die Jagd ist überholt, grausam und unnötig. Dass nun potentielle Nachwuchs-Jäger einfach Kurse in der neuen Jagdschule besuchen brauchen, um mit Flinte bewaffnet in den Wald zu stürmen, kann nicht der richtige Weg sein, das Jagdwesen zu modernisieren. Vielmehr meine ich: Die Jagd gehört abgeschafft!

Jäger töten jedes Jahr millionen von Wildtieren, hinzukommen nochmal hunderttausende Haustiere – freilaufende Hunde und Katzen. Dabei hat es die Natur seit Millionen Jahren geschafft,  sich selbst zu regulieren – ohne, dass der Mensch im großen Stil eingreifen musste. Auch renomierte Wildbiologen und Naturschutz-Experten vertreten diese Meinung.

Internationale Studien, u.a. im "Journal of animal ecology" veröffentlicht, kommen zu dem Ergebnis, dass bejagte Tierarten aufgrund der geringeren Lebenserwartung früher die Geschlechtsreife erlangen – dadurch steigt auch die Geburtenraten dieser Tiere an. Die Folge: Mehr Tiere werden erschossen, mehr Tiere werden geboren – ein schlimmer Kreislauf.

Viele Jäger verteidigen sich gern mit dem Motiv des Naturschutzes und Waldpflege – doch ist es dann nötig, die erschossen Tiere als "Trophäen" zu feiern und aus falschem Stolz mit eben diesen breit grinsend für Fotos zu posieren? Vermutlich käme kein seriöser Metzger auf diese Idee.

Natürlich kann argumentiert werden, dass der Rehbraten vor seinem Tod ein schönes Leben hatte und nicht wie etwa Schweine eingepfercht in dunklen, engen Ställen dahinvegetierte. Doch dies ist eine andere Problematik, welche den Abschuss von Wildtieren nicht legitimiert. Dabei werden nicht nur Reh und Wildschwein geschossen. Der Jäger duldet keine Konkurrenz – auch Fuchs und Marder müssen gemeuchelt werden.

Doch die Natur wird sich ihren Teil schon dabei gedacht haben, als sich diese "natürlichen Jäger" aus der Evolution hervortaten. Allein durch diese carnivoren Tierarten halten sich die Populationen wechselwirkend stabil – nicht nur im Wald, sondern in sämtlichen natürlichen Habitaten. Der Mensch ist in dieser Angelegenheit einfach überflüssig – genauso überflüssig wie eine Jagdschule.

Soll denn in einer Schule nicht eigentlich Wichtiges und Grundlegendes für das Leben vermittelt werden? Ob dazu der Umgang mit Jagdgewehr gehört, wage ich zu bezweifeln.

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