„Konstruktionsfehler am Fachwerk“: Georg Ritter aus Homberg lässt die Schwindfuge verschwinden

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Der Tüftler in seiner Keller-Werkstatt: Georg Ritter stellt sein Verfahren zur nachhaltigen Fachwerksanierung (Beseitigung der Schwindfuge) an einem Fachwerkmodell vor.

Georg Ritter aus Homberg hat die Lösung für ein Problem im Fachwerkbau. Der 80-jährige Diplom-Ingenieur habe einen Weg gefunden, die sogenannte Schwindfuge buchstäblich verschwinden zu lassen.

Homberg. Wenn man den Worten von Georg Ritter Glauben schenken darf, hat der Diplom-Ingenieur aus Homberg nicht weniger als die Lösung für einen „über Jahrhunderte begangenen Konstruktionsfehler“ entwickelt. Der liegt im Fachwerkbau – genauer zwischen Holzkonstruktion und Gefach. Es ist die sogenannte Schwindfuge.

„Dabei handelt es sich um ein Fuge, die unvermeidbar beim Trocknen zwischen Holz und Gefach entsteht. Das Fachwerk ist nicht mehr winddicht und es sammelt sich Regenwasser, was früher oder später zu Holzfäule führt“, erklärt der 80-Jährige, der vor seiner Pensionierung als Bezirkssachbearbeiter bei der Bauaufsichtsbehörde des Schwalm-Eder-Kreises beschäftigt war. Ritter habe sich schon immer für Fachwerkhäuser interessiert. „Deshalb ärgert es mich sehr, dass das Problem mit der Schwindfuge zwar bekannt ist, aber seit Jahren ignoriert wird. So werden Häuser für viel Geld falsch saniert“, sagt er.

Der Diplom-Ingenieur, der sich beim Verein „Bürger für Homberg“ engagiert, ist vor gut sieben Jahren auf den Konstruktionsfehler aufmerksam geworden. „Unser Verein hat in der Marktgasse in Homberg eine Immobilie erworben. Beim Freilegen im Hausinneren bin ich dann auf die Schwindfuge gestoßen“, erzählt der 80-Jährige. Seine Entdeckung habe er umgehend dem Amt für Denkmalpflege mitgeteilt. „Hier bin ich allerdings auf taube Ohren gestoßen. Obwohl sie von der Schwindfuge und den Auswirkungen wissen. Es ist frustrierend. Ich habe die Lösung und niemand hört zu“, ärgert sich der Homberger.

Vor und nach der Behandlung mit Georg Ritters Verfahren: Der aufgetragene Lehmbrei verbindet sich mit dem bestehenden Gefach und es entsteht ein komplettes Bauteil.   

Also hat sich der Tüftler, der immerhin schon zehn Patente angemeldet hat, in seiner gut sortierten Werkstatt im Keller seines Wohnhauses selbst an die Lösung des Problems gemacht. Und tatsächlich, sieben Jahre später hat der Homberger laut eigener Aussage ein Verfahren (siehe EXTRA-INFO) entwickelt, dass die Schwindfuge sprichwörtlich verschwinden lässt. „Mein Verfahren funktioniert. Ich möchte nur die Chance erhalten, es in der Praxis unter Beweis stellen zu dürfen“, wünscht sich Ritter.

Der 80-Jährige hofft Architekten, Zimmerleute und Restauratoren für sich und sein Verfahren gewinnen zu können, um es für die Praxis weiterentwickeln zu können. So müsse vor allem an der Hardware noch gefeilt werden. „Hier stoße ich in meiner Kellerwerkstatt an technische Grenzen“, erzählt der Diplom-Ingenieur, der ernsthafte Interessenten mit offenen Armen empfangen würde.

EXTRA-INFO

Das Verfahren von Georg Ritter

So geht der Homberger Georg Ritter gegen die Schwindfuge vor: Hierfür wird der Außenputz mit 8 Millimeter großen Bohrungen versehen. Durch die Öffnungen wurden Holz und Gefach durch eine Düse unter Druck mit feinem Sprühnebel gewässert und abgespült. Durch das Wässern werde so der alte Lehm des Gefachs reaktionsfähig und verbindet sich mit dem zur Füllung zu verwendendem Lehmbrei zu einem kompletten Bauteil.

Gefüllt wird durch die Bohrlöcher mit eine Handspritze, die mit einem Füllrohr versehen ist (siehe Foto oben). Durch den erzeugten Wasserfilm und Überdruck, erzeugt durch die Spritze, werde der Lehmbrei in alle Hohlräume gedrückt, die mit dem Bohrloch in Verbindung stehen.

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