Das war mein Leben: Abschied nach 28 Jahren an der Spitze der Gemeinde: Knüllwalds Bürgermeister Jörg Müller im Interview

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Mit über 28 Jahren im Amt ist Knüllwalds Bürgermeister Jörg Müller der dienstälteste im Schwalm-Eder-Kreis. Am 30. September ist jedoch Schluss.

Knüllwald. Seit 28 Jahren ist er das Gesicht der Gemeinde Knüllwald. Nach mehr als viereinhalb Amtszeiten ist zum Ende des Monats jedoch Schluss: Im Juni wurde bekannt, dass Bürgermeister Jörg Müller (SPD) sein Amt zum 30. September aus gesundheitlichen Gründen niederlegen wird. Damit endet in Knüllwald eine politische Ära. Bevor Müller den Rathausschlüssel an seinen Nachfolger übergibt, stand uns der Bürgermeister noch einmal Rede und Antwort.

Homberger Anzeiger: Am 24. September ist nicht nur Bundestagswahl, sondern auch Bürgermeisterwahl in Knüllwald. Sie werden allerdings nicht mehr auf dem Zettel stehen. Wie fällt Ihr Fazit für die 28 Jahre als mittlerweile dienstältester Bürgermeister im Schwalm-Eder-Kreis aus?

Müller: Es war eine sehr schöne, aber auch phasenweise schwierige Zeit.  Das Amt und die Aufgaben haben mich viel Kraft, Einsatz und Anstrengung gekostet. Das habe ich aber gerne auf mich genommen, da ich in dem Job voll aufgegangen bin. Ich will keinen Tag missen und bin allen dankbar, die mir in dieser langen Zeit zur Seite standen, wie die Kollegen bei der Gemeinde, die Gremien und all die Ehrenamtlichen. Mein Fazit nach 28 Jahren lautet: Das war mein Leben!

Im Mai 2013 wurden sie noch mit 85,7 Prozent im Amt bestätigt. Die Nachricht, dass Sie Ihr Amt vorzeitig aufgeben werden, kam für die Öffentlichkeit jedoch sehr plötzlich. Wenngleich die Gründe für jeden nachvollziehbar sein dürften. Wie sehr wird Ihnen der Job fehlen?

Für mich kam das auch alles überraschend. Aber irgendwann muss man auch auf die Ärzte hören. Bereits vor sieben Jahren war ich für gut zwölf Monate außer Gefecht. Damals wollte ich mich aber unbedingt noch einmal der Aufgabe stellen und zeigen, dass ich es noch schaffe. Ich denke, das habe ich bewiesen. Doch jetzt habe ich den Rat meiner Hausärztin angenommen und trete kürzer. Das tue ich für meine Familie und vor allem für meine zehnjährige Tochter. Sie haben lange Jahre oft auf mich verzichten müssen. Jetzt hoffe ich, dass ich ihnen etwas zurückgeben kann.

Mit Jürgen Roth (UKW) und Helmut Wettlaufer (SPD) buhlen zwei Bewerber um das Bürgermeisteramt. Was wünschen Sie ihrem Nachfolger für die erste Amtszeit? Und welchen Rat können Sie ihm mit auf den Weg geben?

Meinem Nachfolger wünsche ich viel Kraft, die er brauchen wird, um diese Arbeit leisten zu können. Er sollte Ideen mitbringen, sich den Aufgaben stellen und vor allem mit Interesse bei der Sache sein. Die Freude in diesem Job, etwas für die Menschen zu tun, ist wichtig. Jeder der das macht, muss zuhören können oder zumindest bereit sein, es zu lernen. Die Leute wollen mit ihrem Bürgermeister sprechen und diese Zeit sollte er sich nehmen. Man muss nicht immer zustimmen, aber zuhören. Was steht in den letzten Tagen als Bürgermeister bis Ende des Monats noch auf der Agenda?

In den letzten Tagen ist mein Terminkalender noch voll. Hinzu kommen verwaltungsinterne Dinge, die abgearbeitet werden müssen. Auch den einen oder anderen bösen Brief werde ich noch schreiben müssen. Ich möchte meinem Nachfolger möglichst wenige unerledigte Aufgaben hinterlassen.

Was ist Ihnen in all den Jahren als Gemeindeoberhaupt besonders positiv wie negativ im Gedächtnis geblieben?

Positiv ist vor allem die Entwicklung, die Knüllwald in erster Linie infrastrukturell genommen hat zu nennen. Aus menschlicher Sicht ist es das Vertrauen, das mir in der Gemeinde entgegengebracht wurde. Ich bin mit 31 Jahren Bürgermeister geworden und die Leute haben mich vom ersten Tag angenommen. Hervorzuheben ist auch der Mut der Kollegen in der Verwaltung, im Bauhof oder im Kindergarten. Sie haben sich nicht abschrecken lassen, sondern sich stets auf Veränderungen eingelassen. Negativ war, dass ich leider zweimal auf der Anklagebank Platz nehmen musste. Das waren üble Erfahrungen, wenn man weiß, dass man sich nichts hat zuschulden kommen lassen.

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