Vom Großvater gelernt: Jennifer Meusel aus Homberg ist Tierpräparatorin

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Außergewöhnlich und mit viel Liebe zum Detail: Auf Kundenwunsch hat Jennifer Meusel dieses Diorama mit Rattenpräparaten in einer Schule gefertigt.

Jennifer Meusel aus Homberg ist Tierpräparatorin. Das Handwerk hat sie von ihrem Großvater erlernt. Vor zwei Jahren hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Homberg. Während andere achtjährige Mädchen mit Puppen spielen, oder sich nichts sehnlicher wünschen als ein eigenes Haustier, hat Jennifer Meusel ihre Freizeit in der Werkstatt ihres Großvaters verbracht.

Der war jedoch kein gewöhnlicher Handwerker, sondern Tierpräparator. Ekel und Scheu vor all den toten Tieren? Fehlanzeige!

„Das war für mich völlig normal. Ich bin damit aufgewachsen“, erklärt Meusel. Aus der kleinen Gehilfin des Großvater ist heute, über 25 Jahre später, selbst eine Präparatorin geworden. Meusel ist in die Fußstapfen ihres Lehrmeisters getreten. Zuerst nebenberuflich betreibt die gebürtige Frielendorferin seit zwei Jahren ihre eigene Präparationswerkstatt in Homberg.

Ihr derzeit größtes Projekt: Die Hombergerin präpariert einen Elchkopf. Bis zur Fertigstellung dauert es mehrere Monate.

Bevor sich Meusel entschieden hat ihre Passion zum Hauptberuf zu machen, war sie Tierarzthelferin, verpflichtete sich anschließend für zwölf Jahre bei der Bundeswehr und holte das Abitur nach. Auf ein kurzes Intermezzo an der Göttinger Uni, an der sie Forstwirtschaft studierte, folgte ein Praktikum im Kasseler Naturkundemuseum und schließlich der Schritt in die Selbstständigkeit.

Wie vielseitig der Job ist, verrät ein Blick in ihre kleine Werkstatt, die an ihr Wohnhaus grenzt. Der kleine Anbau ist voll von Präparaten – fertigen und in der Entstehung befindlichen. An der Wand sind vom feinen Skalpel über OP-Klemmen bis zur Schraubzwinge und dem Hammer Werkzeuge jeder Art zu finden.

Meusels größtest Projekt derzeit: ein riesiger Elchkopf. „Das ist noch ein relativ junges Tier aus Weißrussland“, erklärt die 36-Jährige. Die Präparationen großer Tiere seien jedes Mal ein regelrechter Kraftakt. „Allein die Haut eines 600 Kilo schweren Hirsches wiegt so um die 80 bis 100 Kilo“, weiß die Hombergerin aus Erfahrung.

Die feucht gegerbte Haut des Elchs hat sie über eine vorgefertigte Form gezogen und überall mit kleinen Nadeln fixiert, damit beim Trocknen der Haut auch nichts mehr verrutschen kann. Bei kleineren Tieren, wie etwa Vögeln, wickelt Meusel die Körper selbst. Ganz nach alter Tradition mit Faden und Holzwolle.

Der Elch ist ein Projekt, das über Monate dauert. „Allein der Trocknungsprozess des Fells dauert etwa fünf Monate“, betont die Präparatorin. Meusels Kunden müssen also geduldig sein.

Sperber ist ein ganz besonderer „Patient“

Auch ein Sperber ist derzeit bei Meusel in „Behandlung“. Der lebte einst in der Malsfelder Greifvogelauffangstation und soll zu Lehrzwecken auch wieder dorthin zurück. Ein ganz besonderer Gast, wie die Präparatorin erzählt.

Fotostrecke: Zu Gast bei Tierpräparatorin Jennifer Meusel in Homberg

 © Klagholz
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Denn: Greifvögel stehen unter besonderem Schutz und dürfen nur unter hohen Auflagen und auch nach Zustimmung der Oberen Naturschutzbehörde präpariert werden. Für die Greifvogelauffangstation arbeitet die Hombergerin, die zudem Jägerin und Falknerin ist, ehrenamtlich.

Ratten-Dioramen sind nach TV-Ausstrahlung gefragt

In diesem Zusammenhang warnt die 36-Jährige, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schütze. „Wer ein totes Tier findet, auch wenn es ein Eichhörnchen ist, darf es natürlich nicht einfach präparieren lassen. Das ist Wilderei“, stellt Meusel klar und rät die Polizei oder den zuständigen Förster in solchen Fällen zu informieren.

Anders sehe es bei Haustieren aus. Zwar sei das Gros ihrer Kundschaft aus der Jägerzunft, dennoch kämen auch Menschen zu ihr, die ihre geliebten Haustiere über den Tod hinaus bei sich haben möchten.

„Das sind selten Hunde, sondern eher kleinere Tiere. Am meisten präpariere ich Wellensittiche“, sagt Meusel.

Nachdem ihr Ratten-Schul-Diorama im Fernsehen gezeigt wurde, habe sie zudem immer häufiger Anfragen für die szenische Darstellung der kleinen Nager erhalten.

Ganz wichtig ist dabei immer: „Die Tiere sollten so schnell wie möglich eingefroren werden“, betont die Präparatorin.

Mehr über die Arbeit von Jennifer Meusel und Hinweise für Kunden gibt es auf der Homepage der Hombergerin unter www.tierpraeparation-meusel.de.

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