Kommentar zum Wiskemann-Aus in Homberg

Wiskemann, Homberg
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Wiskemann, Homberg

Der Homberger Einzelhandels-Dino Wiskemann in Homberg schließt nach 136 Jahren zum 31. Januar. Ein Kommentar von MB-Redakteur Julian Klagholz.

Und schon wieder Einer weniger! Der Homberger Innenstadt geht langsam aber sicher die Puste aus. So wunderschön der Marktplatz mit der Stadtkirche und den Fachwerkhäusern daherkommt – der Einzelhandel in der Kreisstadt scheint davon wenig bis keinen Nutzen zu haben.

Das jüngste Opfer ist ein echter Dino des Homberger Einzelhandels. Nach 163 Jahren muss Wiskemann in der Untergasse die Segel streichen. Das nächste leere Schaufenster und ein weiterer Grund für potentielle Kunden nach Schwalmstadt, Melsungen, Fritzlar oder gar Kassel zum Shoppen zu fahren.

Der Kreisstadt fehlt die Vielfalt, die die Frequenz bringt. Auch die viel diskutierten Parkgebühren sind sicherlich nicht hilfreich, Publikum nach Homberg zu locken. Ob ein mögliches Einkaufszentrum Besserung bringt, bleibt abzuwarten.

Zumindest sorgt der Standort mitten in der Stadt für Hoffnung in der Politik sowie in großen Teilen der Bürgerschaft. Einzig die Stadtverwaltung und politische Entscheidungen in Homberg für die vertrackte Situation verantwortlich zu machen, ist jedoch zu einfach.

Vor allem wir, die Konsumenten, sollten uns an die eigenen Nase fassen. Warum sich nach Geschäftsöffnungszeiten richten, oder gar überhaupt die Wohnung verlassen, wenn wir doch alles bequem vom Sofa aus direkt nach Hause bestellen können? Während wir "vor Glück schreien", steht den Einzelhändlern, vor allem in kleinen Städten wie Homberg, das Wasser bis zum Hals.

Wenn es dann zum Äußersten, der Schließung, wie im Fall Wiskemann kommt, macht uns das betroffen. Jedoch nur für kurze Zeit, denn die Online-Riesen locken schon wieder mit unschlagbaren Angeboten, die wir auf keinen Fall ablehnen werden. Wenn Sandra Aguirre am 31. Januar zum letzten Mal den Schlüssel in das Schloss der Ladentür steckt, haben wir mit abgeschlossen.

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