Konsequenzen für Baumbesetzer

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Otto Pirn wollte eine alte Kastanie vor dem Fällen retten, nun droht dem 70-Jährigen eventuell eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch und Nötigung.

Homberg. Mit einer Baumbesetzung sorgte Otto Pirn aus Homberg kürzlich für Aufsehen. Die riesige Kastanie direkt gegenüber seines Elternhauses im Schwenkenweg konnte er mit dieser waghalsigen Aktion allerdings nicht retten. Dafür droht dem 70-Jährigen jetzt möglicherweise eine Strafanzeige. Der Vorwurf: Hausfriedensbruch und Nötigung.Trotz des Ärgers bereut Pirn seine Aktion nicht. "Seit ich denken kann, gehörte der Baum ins Erscheinungsbild unserer Straße", erinnert er sich im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Kastanie wurde vor über 100 Jahren gepflanzt. An ihr hingen Kindheitserinnerungen zahlreicher Homberger, sagt Pirn, der dort als Kind selbst gern spielte.

Blickt er nun von seinem Balkon, sieht Pirn nur noch die kläglichen Reste des Baumes, der einst einen Stammdurchmesser von mehr als einem Meter hatte. Eine Ärztin, die das Grundstück erworben hatte, ließ den Baum fällen, weil dort Parkplätze entstehen sollen.

Was Pirn an der Sache besonders ärgerlich findet ist, dass der Baum kerngesund gewesen sei und gut 200 bis 300 Jahre hätte alt werden können, wie ihm ein Baumfachmann bestätigte. Als er im Dezember hörte, dass der Baum gefällt werden soll, habe Pirn nur eine Möglichkeit gesehen, wie er dies vielleicht verhindern könnte. Er schnappte sich eine Leiter und stieg auf den Baum. Trotz der Aufforderung seitens der Besitzerin, den Baum zu verlassen, harrte Pirn weiter auf seinem Ast aus. Auch, als kurz darauf die Polizei dazukam.

Da die Firma aber offenbar keine Berechtigung zum Fällen des Baumes hatte, wurde die Baumbeseitigung vorerst verschoben – für Pirn ein Teilsieg. Doch Anfang Januar rückte die Firma mit ihrem Auftrag erneut an. Und wieder stieg Pirn in den Baum, um die Fällung zu verhindern. Da er sich weigerte, den Baum zu verlassen, rückten zusätzlich Feuerwehr samt Rettungswagen und Polizei an. Zu Pirns Erstaunen, schickte die Polizei die Arbeiter fort, woraufhin er freiwillig den Baum verlassen habe. Die Beamten nahmen ihn zur Vernehmung mit aufs Revier. Als der Baumbesetzer anschließend zurück nach Hause fuhr, traute er seinen Augen kaum: Der Baum war weg.

Keine Baumschutzverordnung

"Und das alles nur, weil Homberg keine Baumschutzverordnung hat, wie es in anderen Kommunen üblich ist", ärgert sich Pirn im Nachhinein. Immerhin habe er erreicht, dass die SPD bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 29. Januar einen Antrag für eine solche Verordnung einbringen wolle, um künftig ehrwürdige Bäume schützen zu können.Für seine Aktion habe er viel Sympathie aus der Bevölkerung erfahren. Neben einer Strafanzeige bleibt auch die Frage offen, ob er für die Kosten des Feuerwehranfahrt aufkommen muss. "Da mache ich mir aber wenig Sorgen", sagt Pirn. Zahlreiche Freunde und Bekannte hätten ihm bereits Hilfe angeboten, sollten Kosten enstehen.

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