Warten auf das Virus: Kreisverwaltung rechnet mit erstem Corona-Fall, sieht sich aber gut vorbereitet

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Aktuell gibt es noch keinen bekannten Corona-Fall im Schwalm-Eder-Kreis. In der Kreisverwaltung weiß man jedoch, dass es dazu kommen wird. Man sieht sich jedoch bestens vorbereitet.

Schwalm-Eder. Längst vergeht kein Tag mehr ohne Meldungen über Corona. Das Virus, das sich in den vergangenen Wochen seinen Weg von Asien nach Europa gebahnt hat, ist auch in Deutschland angekommen und hat schon jetzt eine ungeahnte Panik ausgelöst. Hamsterkäufe sind an der Tagesordnung. Seien es Desinfektionsmittel und Schutzmasken oder aber auch Nudeln, Reis und Klopapier – in vielen Supermarktregalen herrscht gähnende Leere.

Auch im Schwalm-Eder-Kreis ist die Angst vor Corona kein Gefühl mehr, sondern deutlich sichtbar geworden. Das neuartige Virus mit der Bezeichnung COVID-19 bestimmt den Alltag, vor allem den der Ärzte oder aber auch der Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Die arbeiten im wahrsten Sinne des Wortes fieberhaft daran, zu helfen und zu informieren. „Wir können die Sorgen der Bürger natürlich sehr gut verstehen. Seit Tagen beschäftigen wir uns mit dieser Situation. Corona ist das, was die Menschen berührt. Deshalb werden dafür auch einige andere Dinge, die in unsere Zuständigkeit fallen, in den Hintergrund rücken müssen“, erklärt Landrat Winfried Becker im Gespräch. Die Verunsicherung sei verständlich, dennoch ruft der Landrat dazu auf, nicht in Panik zu verfallen.

Influenza-Pandemieplan auch bei Corona gültig

„Wir stehen vor einer großen Herausforderung. Es gibt trotzdem keinen Grund, in Panik zu verfallen. Wir wissen, dass Corona früher oder später auch in den Schwalm-Eder-Kreis kommt. Aber wir sind, so weit das möglich ist, vorbereitet, haben unter anderem einen aktuellen Pandemieplan“, betont Vize-Landrat Jürgen Kaufmann. Der Pandemieplan sei zwar für eine Grippe-Welle aufgestellt worden, bleibe aber auch im Fall eines Ausbruchs von Corona im Grunde gültig. „Der Plan hat Gültigkeit, weil allgemeine Abläufe wie Meldeketten etwa auch in diesem Fall so eingehalten werden. Im Detail wird man ihn sicherlich auf die tagesaktuellen Gegebenheiten anpassen müssen. Dabei richten wir uns täglich nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts“, ergänzt Kreispressesprecher Stephan Bürger auf Nachfrage.

Die aktuellen Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und Antworten auf häufig gestellte Fragen sind auch für Bürger und Ärzte direkt über die Startseite des Schwalm-Eder-Kreises abrufbar. Der Pressesprecher bestätigt, dass dem Gesundheitsamt des Kreises bis Mittwoch 25 Verdachtsfälle gemeldet worden seien. „Bei den Personen, deren Ergebnisse bis dahin vorlagen, fielen die Ergebnisse negativ aus“, erklärt Bürger. Demgegenüber lägen dem Gesundheitsamt bereits 114 bestätigte Influenza-Fälle vor. Bestätigte Corona-Fälle in ganz Hessen beziffert das RKI auf 15 (Stand: 6. März, 17.30 Uhr).

Dr. Ulrich Klinge, Leiter des Gesundheitsamtes.

„Derzeit ist der Krankheitsverlauf eines Corona-Infizierten vergleichbar mit dem eines Influenza-Infizierten“, sagt Dr. Ulrich Klinge, Leiter des Gesundheitsamtes, ergänzt aber auch, „das, was wir heute wissen, kann schon morgen widerlegt werden.“ Dennoch seien bisher die meisten nur leicht erkrankt. „Nach einer Woche ist in der Regel alles schon wieder vorbei. Das Corona-Virus ist zwar hochansteckend, aber auf keinen Fall regelhaft tödlich wie etwa Ebola oder das Lassafieber.“

Tobias Honacker, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme im Asklepios Klinikum Schwalmstadt, ergänzt: „Zunächst ist zu bemerken, dass man sich im Regelfall als Mensch ohne Vorerkrankungen und mit einem gesunden Immunsystem nicht anders verhalten sollten als bei jeglicher Grippe Symptomatik sonst. Körperliche Anstrengung sollte vermieden werden. Ein viraler Infekt braucht einige Tage um abzuklingen. Ein Antibiotikum ist nicht sofort nötig.“

Ulrich Klinge rät, die Hygienetipps zu beachten, die etwa das Gesundheitsministerium herausgegeben hat und auch auf der Homepage des Kreises noch einmal nachzulesen sind. „Generell gilt: Sollte man grippeähnliche Symptome aufweisen, ist es wichtig, sich zuerst telefonisch beim Hausarzt zu melden. Auf keinen Fall sollte man ohne vorherigen Kontakt die Praxis aufsuchen“, macht der Mediziner deutlich.

Ansturm auf Masken und Desinfektionsmittel: Apothekerin Eliza Krause erzählt

Eliza Krause betreibt die Burg-Apotheke in Gudensberg, die Löwen-Apotheke in Homberg und die Leonardo Apotheke in Hann. Münden. Auch ihr Arbeitsalltag ist längst von Corona bestimmt, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt:

„Die Nachfrage nach Schutzmasken und Desinfektionsmitteln ist in den vergangenen Tagen drastisch gestiegen. Unsere Vorräte an Masken sind nahezu aufgebraucht. Desinfektionsmittel haben wir derzeit überhaupt nicht mehr im Angebot. Ich bin froh, dass wir noch einen Lieferanten gefunden haben, der uns in den kommenden Tagen mit Nachschub versorgt. Ich rechne jedoch damit, dass der Ansturm noch größer wird. Generell ist es auch wichtig, sich zu schützen – das gilt vor allem für chronisch Kranke. Hamsterkäufe halte ich jedoch für unangebracht.

Betreibt drei Apotheken: Eliza Krause.

Wie in jeder Grippesaison ist es ratsam, generell etwas zur Stärkung seines Immunsystems zu tun. Eine gute Vitamin C-Versorgung und pflanzliche Mittel, die etwa Zink enthalten, sind da sehr empfehlenswert. Zusätzlich sollte die Hausapothke in einem normalen Maß mit Erkältungsmitteln oder auch Fiebersenkern bestückt sein.

Viel mehr Sorge bereitet mir der Umstand, dass die Versorgung mit Medikamenten wie Antibiotika und Schmerzmitteln immer schwieriger wird, da viele Mittel in Asien hergestellt werden. Wir versuchen deshalb derzeit unsere Medikamentenvorräte so aufzustocken, dass sie für ungefähr drei Monate ausreichen. Im Normalfall bevorraten wir nur für ein paar Tage. Aber auch hierbei haben wir bereits Schwierigkeiten, Lieferanten zu finden.“

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