Wegen Schweingestank: Mardorfer Kita muss schließen

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„Aus“ für den Kindergarten „Mardörfer Mäuse“. Weil die Geruchsemissionen durch den benachbarten Schweinemastbetrieb zu hoch sind, darf die Kindertagesstätte nicht erweitert werden. Jetzt sucht die Stadt Homberg nach einem Alternativ-Standort um neu bauen zu können. 

Weil ein Gutachter zu hohe Emissionswerte beim Schweinegestank gemessen hat, muss die die Kita Mardörfer Mäuse jetzt schließen - die Stadt Homberg plant einen Neubau.

Homberg. „Weil es nach Schweinen stinkt“, das könnte man verkürzt als Grund dafür angeben, warum die Stadt Homberg in Mardorf eine neue Kindertagesstätte bauen muss. Eigentlich wollte die Stadt den Kindergarten der den schönen Namen „Mardörfer Mäuse“ trägt und der schon seit 40 Jahren im Dorfgemeinschaftshaus untergebracht ist, erweitern. Zu den bestehenden 20 Plätzen sollten noch einmal 20 dazu kommen, statt der aktuell einen Gruppe sollte dann dort Platz für zwei Gruppen sein.

20 Prozent mehr Emission

Die Spielwiese des Mardorfer Kindergartens. Im Hintergrund sieht man den Schweinemastbetrieb, der den Geruch verursacht, der dafür verantwortlich ist, dass die Kita nicht erweitert werden darf.

Doch das wird wohl nichts. Die Bauaufsicht des Schwalm-Eder-Kreises hatte im Zuge des Genehmigungsverfahrens ein Immissionsschutzgutachten gefordert – weil neben dem DGH ein Schweinemastbetrieb untergebracht ist. Das Regierungspräsidium Kassel hatte daraufhin einen Gutachter beauftragt, der dann tatsächlich sehr hohe Geruchsemissionswerte feststellte – teilweise um 20 Prozent höher als die zugelassenen Jahresstunden. Trotz dieser Werte hatte der Sachverständige aber keine Bedenken gegen eine geplante Kindergartenerweiterung. Aber das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Kassel. Und es sprach eine Empfehlung gegen eine Erweiterung aus.

Petition überreicht

Diese Entscheidung sorgt bei Mardörfern und auch bei Lokalpolitikern für Kopfschütteln. „Seit 40 Jahren wird im Dorfgemeinschaftshaus ein Kindergarten betrieben. Bislang gab es keinen Zweifel an der Eignung dieses Standorts. Wenn das nun von den Behörden ignoriert wird, stellt sich die Frage, wem eine solche staatliche Bevormundung dienen soll“, sagt beispielsweise Dietmar Groß, stellvertretender Vorsitzender der AG Umwelt der FWG und Mitglied des Bauausschusses im Homberger Stadtparlament.

Und auch die Eltern und der Ortsbeirat machen mobil gegen eine Schließung. „Schweine, Kühe und Schafe gehören zum Landleben dazu. Aber riechen darf man sie nicht“, heißt es seitens der Eltern. Sie übergaben im April eine Petition an Vizelandrat Jürgen Kaufmann, mit der sie für den Erhalt des Kindergartens kämpfen wollen – unterschrieben von 850 Personen.

Kaufmann wird die Petition natürlich an den Petitionsausschuss des Hessischen Landtags weiterleiten, sagt aber gleichzeitig: „Man muss sich nach dem Gutachten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Bau richten richten.“

Grundstück in Aussicht

Deshalb sucht die Stadt Homberg jetzt nach Alternativen – will in Mardorf eine neue Kindertagesstätte bauen. „Ein Grundstück hätten wir auch schon... zumindest in Aussicht“, so Bürgermeister Dr. Nico Ritz, „und zwar an der Mosenbergstraße, Ecke Am Baumgarten.“ Dort liegt ein freies Grundstück, über dessen Ankauf man derzeit mit dem Eigentümer verhandele. Ritz: „Allerdings müssen wir zunächst abwarten, ob die Petition nicht doch Erfolg hat.“

Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz.

Der Neubau – inklusive Grundstücksankauf – würde zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Euro kosten. Die geplante Erweiterung der Kita im DGH wäre auf zirka 600.000 Euro gekommen. „Allerdings hätten wir dann, am neuen Standort, einen Kindergarten, der modernsten Ansprüchen genügen würde“, so Ritz. Ob der neue Kindergarten für zwei oder drei Gruppen gebaut werde, darüber müssten dann die Stadtverordneten entscheiden.

Schon Ende 2018 fertig?

Problem: Die Zeit drängt etwas, denn 2018 läuft ein Investitionsprogramm aus, mit dem der Bund dem Land Hessen 42 Millionen Euro für den Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung stellt. Ritz: „Und diese Förderung brauchen wir natürlich, wenn wir neu bauen wollen.“

Deshalb würde der Bürgermeister – wenn es nach ihm ginge – am liebsten Anfang 2018 mit dem Bau beginnen, „dann könnte die Kita noch 2018 fertig sein“, so Ritz. Falls dieser Zeitplan zu eng gesteckt sei, müsse man gegebenenfalls andere Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen.

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