Mit Herzblut dabei: Tanja Dittmar ist seit 100 Tagen Kreisbrandinspektorin

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Die Morschenerin zieht nach 100 Tagen im Amt erste Bilanz.

Von VANESSA VON LENGERKEN 

Schwalm-Eder. Für Tanja Dittmar gibt es nicht den einen Moment, der ihr in ihren ersten hundert Tagen als Kreisbrandinspektorin besonders in Erinnerung geblieben ist: „Jeder Morgen, an dem ich in mein Büro komme und mit so tollen Menschen arbeiten darf, ist besonders.“

Bei einem ersten Bilanzgespräch über die Aktivitäten der vergangenen Monate hält sie ihre eigene Person stets im Hintergrund. Gelobt wird vor allem die Arbeit der Ehrenamtlichen, die erfolgreiche Einsätze geleistet haben. „Bei mir ist die Mannschaft der Star“, so ihr Motto und das lebt sie auch. Sie selbst redet bei den Ereignissen rund um die Einweihung der neuen Leitstelle oder der kürzlich stattgefundenen ICE-Übung von „Abstaubertoren“. Sie wolle sich nicht mit fremden Federn schmücken, denn „das lief alles so gut dank der hervorragenden Arbeit meiner Kollegen vor mir“, so Dittmar. Viel Lob findet sie auch für die 5.000 Einsatzkräfte, die alle ehrenamtlich für den Schutz der Bürger im Schwalm-Eder-Kreis sorgen: „Sie leisten eine großartige Arbeit.“ Generell habe sie Glück mit solch tollen Kollegen: „Jeder unterstützt den anderen. Ich schätze es sehr, dass immer eine Lösung gesucht und alles möglich gemacht wird.“

Aus Beruf wurde Berufung

Die 45-Jährige kam schon früh in Berührung mit der Feuerwehr: Bereits mit 14 Jahren war sie Gründungsmitglied der Jugendfeuerwehr Konnefeld. Schließlich wurde aus dem Hobby ihr Beruf – und aus dem Beruf wiederum Berufung. Ihr Lebenslauf ist vielfältig: Brandoberinspektorin am Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen, wo sie auch als Lehrkraft angestellt war, Einsatzleiterin bei der Berufsfeuerwehr Mühlheim an der Ruhr, Ernennung zur Brandamtsrätin und schließlich Kreisbrandinspektorin und stellvertretende Fachdienstleiterin Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz – allerdings im Nachbarkreis Hersfeld-Rotenburg.

„Goldrichtige Entscheidung“

Seit hundert Tagen ist die Morschenerin aber zuständig für ihren Heimat-Kreis, und das freut nicht nur sie: „Es war eine goldrichtige Entscheidung, Tanja Dittmar zur Kreisbrandinspektorin unseres Kreises zu machen“, so Landrat Winfried Becker. „Wir haben hier jemanden gefunden mit Führungsstärke und dem richtigen Einfühlungsvermögen. Auch von den Feuerwehrleuten außen kann ich nur positiv berichten: Da herrscht eine große Zufriedenheit“, lobt Becker weiter.

Die Personalentscheidung musste wohl überlegt werden, denn Kreisbrandinspektorin ist ein 24-Stunden-Job. Zwei Handys und ein Pieper halten Dittmar rund um die Uhr auf dem Laufenden. „Ich mache das mit Herzblut“, sagt sie und das kommt bei ihren Kollegen auch rüber. „Die spricht unsere Sprache“, kann Becker aus Gesprächen mit den Feuerwehrleuten berichten.

Dass sie als Frau die Stelle der Kreisbrandinspektors besetzt, war aber nie ein Thema – generell nicht in ihrem beruflichen Werdegang. Der Schwalm-Eder-Kreis kann auf eine gute Frauenquote blicken: Bereits 15 Prozent der Einsatzkräfte ist laut Landrat Becker weiblich – für Tanja Dittmar nicht genug. Sie ist selbst Mitglied im Netzwerk Feuerwehrfrauen, das sich einen Frauenanteil von 50 Prozent auf die Fahne geschrieben hat. „Wer‘s kann, soll‘s machen“, ist ihre Lebenseinstellung.

„Wer‘s kann, soll‘s machen“

Das gilt auch für die Feuerwehrjugend – oder die „Abteilung Zukunft“, wie Dittmar es nennt. „Der Nachwuchs ist da“, sagt sie im Bezug auf die Kitas, die überall im Kreis gerade gebaut werden. „Ein kleiner Junge sagte letztens zu mir: ‚wir sind so gut, weil wir so viele sind‘ und damit hat er vollkommen recht. Das müssen wir aber auch bleiben“, erzählt sie.

Mit 5.000 Einsatzkräften sei die Feuerwehr im Kreis gut aufgestellt, doch das Ehrenamt verändert sich, wissen Landrat und Kreisbrandinspektorin. „Wir müssen überhaupt Menschen dafür begeistern, aktiv bei der Feuerwehr zu sein. Das ist der schwierige Teil meiner Arbeit: den Ball am Rollen zu halten“, weiß die Kreisbrandinspektorin.

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