Möbel Schaumann gibt Homberg auf: Traditions-Möbelhaus Dickhaut schließt endgültig 

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Nach 279 Jahren schließt das Möbelhaus Dickhaut endgültig seine Pforten. Ein SB-Möbler soll die Immobilie vom Eigentümer Möbel Schaumann pachten.

Fast drei Jahrhunderte war Möbel Dickhaut in Homberg ansässig, doch jetzt ist Schluss. Eigentümer Möbel Schaumann gibt den Standort Homberg auf und verpachtet an einen SB-Möbler.

Homberg/Kassel. Es ist das zweitälteste Möbelhaus in Deutschland – im Jahr 1739 als Schreinerei mit Möbelherstellung gegründet, schließt Möbel Dickhaut in Homberg jetzt für immer. Das gab Eigentümer Möbel Schaumann in dieser Woche in einer Pressemitteilung bekannt. Das Familienunternehmen Schaumann – Kassels ältestes Möbelhaus – hatte das Homberger Möbelhaus 2012 nach finanzieller Schieflage von der Familie Dickhaut übernommen.

Gut vier Millionen hatte der neue Eigentümer damals in den Standort Homberg investiert. „Es ist schön, dass sich ein Unternehmer gefunden hat, der den Betrieb weiterführt. Eine Gewerberuine am Ortseingang hätte dem Standort Homberg nicht gut getan“, sagte Bürgermeister Dr. Nico Ritz bei der Verleihung einer IHK-Ehrenurkunde für das 275-jährige Bestehen von Möbel Dickhaut im Sommer 2014.

Jetzt steht fest: Eine Ehrenurkunde für das 300-Jährige wird es nicht mehr geben. Eine „Gewerberuine“ müsse der Bürgermeister jedoch auch nicht fürchten. Schaumann befindet sich in der Umstrukturierung. „Nach dem Umbau der Häuser in Korbach und Kassel investiert das Unternehmen in zusätzliche Lager- und Verwaltungsflächen in Kassel. Ähnliches Vorgehen ist in Homberg nicht möglich, weswegen das Haus nicht mehr unter ‘Möbel Schaumann’ geführt, sondern komplett verpachtet wird“, erklärt Nina Kehl, PR-Beraterin von Möbel Schaumann. Ein Hauptgrund für den Schaumann-Rückzug aus Homberg sei die fehlende Lagerfläche.

Auf der 8.000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche soll es jedoch weiterhin Möbel geben. Ein sogenannter SB-Möbler werde die Immobilie in Homberg pachten. „Der neue Pächter möchte noch nicht genannt werden“, sagt Kehl auf Nachfrage von lokalo24.

In der nach dem Umbau vergrößerten Korbacher Filiale ist man indes schon einen Schritt weiter. Auch hier soll ein Teil der Verkaufsfläche an einen SB-Möbler verpachtet werden. Wie das Fachmagazin Möbelkultur berichtet, ziehen hier die „Möbelpiraten“ ein. Der Wohndiscounter hat seinen Stammsitz in Großalmerode.

Die Nachricht auf den Fahnen des Möbelhauses ist unmissverständlich.

Wann das Traditionsmöbelhaus Dickhaut endgültig schließt, stehe noch nicht ganz fest. „Es gibt kein finales Datum zur Schließung. Es wird grob der November angepeilt. Der Abverkauf ist am Dienstag gestartet“, so die PR-Beraterin. Die Mitarbeiter übernehme Schaumann. „Sie kommen alle in Kassel und Korbach unter“, bestätigt Kehl. Wie lange der Umbau des neuen Pächters anschließend dauern werde, konnte die PR-Beraterin nicht sagen.

Kurios: Erst im September 2017 fusionierten Schaumann und Dickhaut endgültig. Seitdem war auf dem Homberger Möbelhaus der Name Schaumann zu lesen. Mit Bekanntgabe der Schließung steht dort jetzt jedoch wieder der Name Dickhaut. Und auch auf den Fahnen am Firmengelände ist zu lesen „Möbel Dickhaut schliesst für immer“. Zumindest zu den Fahnen erklärt Nina Kehl: „Die gibt es noch, weil der Bekanntheitsgrad (der Name Dickhaut; Anm. d. Red.) noch so hoch ist.“

EXTRA-INFO

Veränderungen bei Schaumann in Kassel

Anfang 2018 wurde das Verwaltungsgebäude am Stammsitz in Kassel deutlich vergrößert. Nach Angaben des Unternehmens tätigt Schaumann zudem Investitionen in Millionenhöhe, um die Lagerkapazität zu verdoppeln. Damit wolle das Unternehmen eine bessere und schnellere Vor-Ort-Verfügbarkeit sicherstellen.

Und auch an der Spitze des Unternehmens gab es bereits Anfang des Jahres Zuwachs. So ist Lars Schaumann, Sohn von Firmeninhaber Hermann Schaumann, in die Assistenz der Geschäftsführung eingetreten. Zur vierten Generation des Familienunternehmens gehört auch Lena Schaumann, Gründerin von Lumizil, dem Onlineshop des Möbelhauses.

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