Nach hitziger Diskussion: Kita-Neubau in Homberger Altstadt

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Der Homberger Kita-Neubau in der Scheune Landesfeind ist beschlossene Sache. Zuvor lieferten sich die Stadtverordneten jedoch eine hitzige Diskussion.

Homberg. Große Einigkeit bei gleichzeitiger Uneinigkeit herrschte bei den Homberger Stadtverordneten beim Thema Kita-Neubau in der Kernstadt bei der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl. Einig waren sich alle 36 anwesenden Stadtparlamentarier in dem Punkt, dass eine neue Kita in der Kernstadt entstehen muss, um dem Bedarf in Homberg gerecht zu werden. Bei der Wahl des Standortes wollten die Abgeordneten jedoch nicht auf einen Nenner kommen. Selbst innerhalb der Fraktionen gingen die Meinungen auseinander.

Die aktuelle Lage: 465 Plätze gibt es derzeit in insgesamt neun Kindergärten in Homberg und den Ortsteilen. Mit einer neuen Kita in der Kernstadt sollen bis zu 80 weitere Plätze geschaffen werden. Zudem soll die Kita in Mardorf zweigruppig ausgebaut werden für 20 weitere Plätze. Als sofortige Maßnahme soll zudem ein Waldkindergarten im Dithmarschen Garten am Fuße des Burgbergs entstehen.

Um das Projekt Kita-Neubau voranzutreiben, wurde im Dezember eigens ein Sonderaussschuss eingesetzt, um beschlussreife Vorschläge für das Stadtparlament präsentieren zu können. Dabei haben sich zwei Varianten herauskristallisiert: Zum einen ein kompletter Neubau auf der grünen Wiese unterhalb des Stellbergstadions (Kosten: 2,56 Millionen Euro). Und zum anderen der Umbau der Scheune Landesfeind (Salzgasse/Webergasse; Kosten: 3,17 Millionen Euro) in der Altstadt.

"Wir diskutieren hier über sehr gut und sehr gut. Das ist doch sehr positiv", bewertete Bürgermeister Dr. Nico Ritz die beiden Vorschläge. Trotz der Dringlichkeit, weitere Kita-Plätze schaffen zu müssen, stellte das Stadoberhaupt noch einmal heraus: "Es ist doch super, dass wir konstant hohe Geburtenzahlen haben und unsere Wohngebiete wieder nachgefragt werden." Trotz Vollauslastung sei die Kreisstadt, vor allem in den Ortsteilen, Spitze bei der Kinderbetreuung. "Es gibt im kompletten Schwalm-Eder-Kreis kein besser ausgebautes Angebot", betonte Ritz.

Trotz der Empfehlung des Kita-Sonderausschusses und des Magistrats für einen Neubau am Stellberg, sprach sich der Bürgermeister explizit für die Variante in der Altstadt aus. "Wir haben neun Kitas – alle nach dem gleichen Modell. Sie stehen auf der grünen Wiese. Das funktioniert, ist aber vom Abwechslungsreichtum überschaubar", machte Ritz deutlich. Eine Kita in der Innenstadt werde nicht dafür sorgen, dass diese sofort belebt werde, aber man müsse damit anfangen. "Ein Kindergarten in der Altstadt ist ja keine verrückte Idee. Die gibt es überall. Sogar in der Nähe, wie zum Beispiel in Fritzlar. Es funktioniert", erklärte Ritz und gab zu bedenken: "Wenn wir von den wenigen Chancen, die wir hier haben, nicht eine versenken, dann wird das nichts mit Homberg." (Meinungen aus dem Parlament, siehe EXTRA-INFO)

Die Mehrheit im Stadtparlament sah es wie der Bürgermeister. Und so stimmten 20 Parlamentarier für die Scheune Landesfeind und 15 dagegen (eine Enthaltung). Ebenfalls beschlossen wurden der Ausbau des Mardorfer Kindergartens und die Einrichtung eines Waldkindergartens im Dithmarschen Garten am Burgberg. Die Möglichkeit eines weiteren Waldkindergartens in Wernswig soll geprüft werden.

+++ EXTRA INFO+++

Achim Jäger (FWG): "Die FWG sieht die Freifläche unter dem Stellbergstadion als geeigneteren Standort. Hier wäre ausreichend Platz für die Kinder und auch zum Parken. Die Scheune Landesfeind ist nicht geeignet und wird auch nicht zur Belebung der Innenstadt beitragen."

Klaus Bölling (Die Grünen): "Wir brauchen reales Leben in der Innenstadt. Dazu gehört auch das Wohnen. Wir müssen den Immobilienbesitzern in der Innenstadt zeigen, dass es sich lohnt hier Wohnen zu entwickeln. Ein Kindergarten ist nicht die Alleinlösung, aber ein wichtiger Bestandteil zur Belebung der Altstadt."

Holger Jütte (FDP): "Wir brauchen keinen Kindergarten, um eine alte Scheune in der Innenstadt zu erhalten. Eine Kita würde zu einer Verkehrsbelastung führen, die dieses Quartier nicht aushält. Außerdem ist bei einem alten Fachwerkbau auf lange Sicht sicherlich mit höheren Folgekosten zu rechnen, als bei einem Neubau auf dem Stellberg."

Delf Schnappauf (fraktionslos): "Warum hat man sich nicht mit einer Kita in Modulbauweise beschäftigt? Diese Lösung wäre schneller, kostengünstiger und könnte nach Bedarfrückgang wieder rückgebaut und auch verkauft werden."

Stefan Gerlach (SPD): Muss ein Kindergarten unbedingt in der Peripherie gebaut werden, nur um bequem parken zu können? Wenn wir nicht in die Altstadt investieren, dann macht es keiner. Es wäre eine Bankrotterklärung für Homberg, wenn wir sagen: Es bringt nichts für die Innenstadt."

Claudia Ulrich (CDU): "Ich spreche für den Teil der CDU-Fraktion, der nah bei Klaus Bölling und Stefan Gerlach ist. Man muss auch mal das Wagnis eingehen, etwas Neues zu tun."

Peter Dewald (CDU): "Die Parkplatzsituation ist von Bedeutung. Für Kleinkinder muss eine wesentlich längere Standzeit des Fahrzeugs veranschlagt werden, da diese im Kindergarten abgegeben werden müssen. Bei circa 70 Kindern ist auch mit 70 Fahrzeugen zu rechnen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie sich mindestens die Hälfte dieser Fahrzeuge morgens durch die verkehrsberuhigte Westheimer Straße im Schritttempo bewegt."

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