Neustart nach Sturz

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Der aus Eritrea stammende Flüchtling Achferom Habtemichael mit seinem Betreuer Lutz Hentzschel. Foto: Göbel

Es änderte alles: Flüchtling muss nach tragischem Unfall bei Null beginnen.

Homberg/Kassel. Achferom Habtemichael war auf dem besten Weg in ein glückliches Leben. Nachdem er aus seiner Heimat Eritrea in das Nachbarland Sudan flüchtete und von dort aus weiter nach Deutschland floh, wurde er 2013 als Flüchtling anerkannt. Eigentlich sollte der 25-Jährige im vergangenen Sommer eine Ausbildung bei einer Homberger Metallbaufirma bekommmen – doch ein fürchterlicher Unfall sollte sein Leben für immer verändern.

"Ich kann mich überhaupt nicht mehr an den Tag erinnern. Nicht einmal in Bruchstücken", sagt Habtemichael. Es ist der 7. April 2014. Der 25-Jährige absolviert ein Praktikum im Bereich Metallbau. Auf einer Baustelle der GWH-Wohnungsgesellschaft in Kassel müssen Metallgeländer an einem Gerüst hochgezogen werden. Das Team platziert sich so, dass ein Arbeiter in jedem Stockwerk steht, um die Metallgeländer bis ganz nach oben durchreichen zu können – auch Achferom Habtemichael. Er steht im zweiten Stock, in etwa acht Metern Höhe.

Dann das Unfassbare: "Aus einem unerklärlichen Grund stürzt Achferom Habtemichael plötzlich vom Gerüst", erinnert sich sein gesetzlicher Betreuer Lutz Hentzschel. Der junge Mann stürzt mit dem Kopf auf einen Container und verliert das Bewusstsein.

Mit schwersten Frontalhirn- und Gesichtsverletzungen wird der 25-jährige Flüchtling in der neurochirurgischen Abteilung im Klinikum Kassel behandelt. Vier Wochen lang liegt er im künstlichen Koma. Die Folgen wiegen schwer: Hirnorganisches Psychosyndrom mit Gedächtnisverlust, Konzentrations- und Erinnerungsstörungen. Seitdem befindet sich Habtemichael in Reha-Maßnahmen, momentan in der Westend-Klinik in Bad Wildungen. Dort wird er auf seine Entlassung vorbereitet und soll zum 1. April eine eigene Zwei-Zimmer-Wohnung in Kassel Helleböhn beziehen.

Der 25-Jährige steht nun vor einem kompletten Neuanfang. Von seinen Möbeln und Habseligkeiten ist nichts mehr übrig. Das Sozialamt stellt ihm eine Grundausstattung zur Verfügung, allerdings fehlt es Habtemichael an sämtlichem Hausrat. Momentan steht ihm Arbeitslosengeld in Höhe von 399 Euro pro Monat zu. Trotz aller Schwierigkeiten freut sich Habtemichael auf seinen Neuanfang. Das Ziel ist, ihn wieder langfristig für den Arbeitsmarkt fit zu amchen. In einem Sprachkurs soll er zunächst die durch den Unfall verloren gegangenen Sprachkenntnisse wiedererlangen.

Wer Achferom Habtemichael bei seinem Neustart unterstützen möchte, kann sich an seinen Betreuer Lutz Hentzschel wenden. Tel.: 0176-47021549 oder lutzhentzschel@yahoo.de

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