Ohne Familie: Neuanfang für minderjährige Flüchtlinge in Homberg

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Sie sind vor Krieg und Terror geflohen - allein ohne Familie. Jetzt wohnen die zwölf minderjährigen Mädchen in Homberg. Hier wollen sie neu anfangen.

Homberg. "Du bist dran", sagt Miski zu Hibrez. Die beiden Mädchen sitzen zusammen mit Selamait und Hawi im Wohnzimmer und spielen Karten. Vor eineinhalb Stunden sind sie aus der Schule gekommen, haben zu Mittag gegessen und die Hausaufgaben erledigt. Doch die vier Mädchen sind nicht etwa Schwestern – bis vor Kurzem kannten sie sich sogar noch gar nicht. Miski, Hibrez, Selamait und Hawi leben zusammen mit acht weiteren Mädchen einer Homberger Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (umA). Sie kommen aus Eritrea, Äthiopien, Somalia, dem Jemen und Syrien. Ihre traurige Gemeinsamkeit: Sie haben alle eine lange und gefährliche Flucht hinter sich – ohne Eltern, ganz auf sich allein gestellt. Jetzt leben die Mädchen in der Kreisstadt und arbeiten täglich für eine bessere eigene Zukunft.

Zu Hause wird Deutsch gesprochen

"Alle besuchen morgens die Berufsschule in Homberg. Hier lernen sie im Rahmen des Förderprogramms InteA (Integration und Abschluss; Anm. d. Red) im ersten Jahr ausschließlich Deutsch", sagt Carmen Wink-Chiahou, Erzieherin und Gruppenleiterin der von Vitos Kalmenhof gGmbH betreuten Wohngruppe. Die Erzieherin sorgt mit sechs weiteren Mitarbeiterinnen und einer Hauswirtschafterin für einen geregelten Tagesablauf. 24 Stunden am Tag sind sie für die Mädchen da: Sie helfen ihnen bei den Hausaufgaben, kochen gemeinsam oder begleiten sie bei Arztbesuchen.

Dabei sei die Sprache oft ein Hindernis. Viele verschiedene Nationalitäten böten aber auch Vorteile. "Wir achten natürlich darauf, dass zu Hause in der Gruppe Deutsch gesprochen wird. Sprechen die Mädchen nicht alle die gleiche Muttersprache, fördert das  ihre Deutschkenntnisse", erklärt Wink-Chiahou. Zur Integration gehöre aber auch, den Mädchen Freiheiten aufzuzeigen. "In vielen Herkunftsländern haben Frauen wenige Rechte. Die Mädchen müssen lernen, diese Freiheiten zu nutzen", sagt die Erzieherin.

Mit Heimatgefühl ins neue Jahr

Für Freizeitaktivitäten wie Schwimmbad oder Kino stünden pro Monat und Kopf etwa 15 Euro zur Verfügung. "Das ist eine absolut realistische Summe für einen Monat und in der Regel ausreichend", betont Wink-Chiahou. Für den Besuch des "Jabula Africa" Zirkus’ am Montag, 28. Dezember, in der Homberger Stadthalle (wir berichteten) jedoch zu wenig Budget. "Wir wollten den Mädchen dieses Erlebnis vom heimischen Kontinent gerne ermöglichen. Deshalb haben wir beim Veranstalter angefragt, ob eine Ermäßigung möglich wäre", sagt die Gruppenleiterin.

Doch es kam noch besser: Maria Heichen vom Veranstalter meldete sich kurz darauf mit der tollen Nachricht, zwölf Freikarten für die Mädchen zur Verfügung zu stellen. "Wir sind Frau Heichen sehr dankbar, damit hätten wir nie gerechnet. Das ist nach vielen negativen Erlebnissen für die Mädchen, ein toller Abschluss für dieses Jahr ", sagt Wink-Chiahou.

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