Redaktionsbesuch in Homberg: Ehemaliger Ministerpräsident Björn Engholm im Interview

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Sprach auch über die aktuelle Lage seiner Partei (SPD): Björn Engholm (re.) mit Begleiter Heinz Matthias.

Der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein sowie ehemaliger Kanzlerkandidat der SPD, Björn Engholm, war am Freitag in Homberg zu Gast. Vor dem Besuch bei Bürgermeister Dr. Nico Ritz und dem Eintragen in das goldene Buch der Stadt nahm er sich Zeit für ein kurzes Interview.

Homberg. Er hatte mehrere hochkarätige politische Ämter inne, hat mit großen Persönlichkeiten zusammengearbeitet, stand Anfang der 90er in den Startlöchern, um Bundeskanzler zu werden und wird mit einem der größten deutschen politischen Skandale der Nachkriegszeit in Verbindung gebracht, dessen Verbindung ihn schließlich die Kanzlerkandidatur kostete und von der großen politischen Bühne verschwinden ließ: Björn Engholm ist mittlerweile 78 Jahre alt und nach eigenen Angaben noch immer überzeugter Sozialdemokrat.

Am vergangenen Freitag machte der Lübecker und ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Halt in Homberg. Hier trug er sich in das goldene Buch der Stadt ein – zuvor stattete er jedoch, gemeinsam mit Pianist Mark Ehrenfried und Heinz Matthias (Arbeitskreis Christlicher Publizisten) lokalo24 einen Besuch ab und nahm sich Zeit für ein kurzes Interview.

lokalo24: Was verschlägt Sie in die Nordhessische Provinz. Ist es Ihr erster Besuch hier?

Engholm: Den Besuch hier habe ich meinem alten Freund Heinz Matthias zu verdanken. Wir kennen uns seit über 30 Jahren und jetzt hat es mal geklappt, dass ich seine Heimat besuche. Kassel kenne ich, hier praktiziert mein Zahnarzt. Im Schwalm-Eder-Kreis war ich meines Wissens noch nicht. Aber ich muss sagen, die Homberger Altstadt beeindruckt mich. Ich mag es, wenn man das Alte bewahrt.

Trugen sich gemeinsam in das goldene Buch der Stadt Homberg ein: Mark Ehrenfried (Mitte) und Björn Engholm mit Bürgermeister Dr. Nico Ritz (li.).

Sie sind zwar schon seit einiger Zeit aus dem politischen Tagesgeschäft raus, dennoch: Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ihrer Partei, der SPD, ein?

Durch den Austritt der FDP aus den Jamaika-Sondierungen, hat sich die Lage der SPD dramatisch zu ihren Ungunsten verändert. Plötzlich musste meine Partei einspringen und Verantwortung übernehmen. Wie die Verhandlungen allerdings geführt werden ist armselig, das tut einem alten Sozi weh. Man zieht sich zu lange an Themen wie dem Familiennachzug hoch, die nicht ganz oben auf der Prioritätenliste stehen sollten. Europa und die Digitalisierung müssten viel größeren Raum einnehmen. Keiner gönnt sich Kompromisse in den Verhandlungen. Man muss sich jetzt aber zusammenraufen und das Beste aus der Situation machen. (Anm. d. Red.: Am heutigen Mittwoch vermelden CDU und SPD, sich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt zu haben.)

Sie haben sich in der Vergangenheit für eine Verjüngung der SPD ausgesprochen, um die Partei wieder voran zu bringen. Wäre jetzt der richtige Zeitpunkt?

Ja, man muss den jungen Leuten Verantwortung geben. Das hat man mit uns auch gemacht. Ich denke da zum Beispiel an Manuela Schwesig und Heiko Maas. Die haben schon Erfahrungen gesammelt und gehören lange nicht zum alten Eisen. Wichtig ist, dass sie inhaltlich überzeugt sind. Die SPD braucht keine Karrieristen.

Das Interview führten Julian Klagholz und Daniel Blöthner.

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