"Die Region war eine absolute NS-Hochburg"

+

Geschichtslehrer Thomas Schattner stellt historische Ereignisse in lokalen Bezug.

Homberg/Wabern. Deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts ist sein Steckenpferd: Thomas Schattner aus Wabern hat sich nicht nur beruflich historischen Ereignissen verschrieben – auch privat stöbert der Geschichtslehrer mit Leidenschaft in Archiven. Vor 15 Jahren hat Schattner sein erstes Buch veröffentlicht – mit seinem jüngsten Werk, das den Titel "Homberg im Ersten Weltkrieg" trägt, sind es bis heute sieben, die den Namen des 51-Jährigen als Autor oder Co-Autor tragen. "Ich habe in all den Jahren soviel Wissen angesammelt. Irgendwann habe ich mir dann gedacht: Das muss raus!", erklärt der an der Theodor-Heuss-Schule Homberg unterrichtende Pädagoge seinen Werdegang zum Buchautor.

Vieles noch nicht aufgearbeitet

Das Besondere an den Büchern von Schattner: Er stellt Weltereignisse in lokalen Bezug. Ob Erster oder Zweiter Weltkrieg sowie die APO-Zeit in den 60er Jahren: "Viele Themen waren oder sind auf lokaler Ebene noch nicht aufgearbeitet", erklärt der Waberner. Um das zu ändern nutze er jede freie Minute für die Recherche in der Heimat. "Material ist vorhanden. Meine Quellen sind alte Kreisblätter oder auch Postkarten", sagt Schattner. Auf der Suche nach Zeitzeugen seien auch Freundschaften über die Kreisgrenzen hinaus entstanden, die noch heute Bestand hätten.

Für seine Arbeit habe der Gymnasiallehrer bisher viel Anerkennung bekommen. Jedoch sei die Resonanz nicht nur positiv. "Ich habe schon einige böse Briefe erhalten.  Manchen hier passt es anscheinend nicht, was bei meiner Recherche zu Tage tritt", erzählt der Waberner. Damit spielt Schattner vor allem auf die Herrschaft der Nationalsozialisten an."In dieser Zeit war die Region eine absolute NS-Hochburg. Es gibt genug Leute hier, die verhindern wollen, dass dieses dunkle Kapitel in der Geschichte regional wieder aufgerollt wird", macht der Pädagoge deutlich.

Ans Aufhören denkt Schattner jedoch noch lange nicht: "Ich habe noch einige Projekte in der Pipeline", erklärt er. Bereits im Februar soll ein weiteres Buch unter Schattners Federführung rauskommen: Ein Gedenkbuch über im Dritten Reich ermordete Juden, die im Schwalm-Eder-Kreis gelebt haben. "Das Buch wird das Ergebnis eines Schülerprojekts und etwa 1.000 Seiten umfassen", gewährt Schattner einen kleinen Ausblick.Das 164 Seiten starke Werk "Homberg/Efze im Ersten Weltkrieg – Sozialgeschichtliche Betrachtungen im Kreis Homberg 1914 und in den folgenden Jahren" ist bereits in der Buchhandlung Mönch in Homberg sowie im Internet zu haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.