Gefahr oder wichtiger Lebensraum? Umstrittene Weide in Rengshausen gefällt

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Da stand die Weide noch: Werner Knierim zeigt anhand eines Astes, wie vital der Baum zu diesem Zeitpunkt noch war. Sogar ein Baumschnitt wurde noch vorgenommen, bevor die Gemeinde den Baum nur wenige Tage später fällte.

In Rengshausen erhitzt eine gefällte Weide die Gemüter. Protagonisten sind Ortsvorsteher Udo Schmidt, der die Fällung in die Wege leitete, und Anwohner Werner Knierim, der den Baum trotz Protesten nicht retten konnte.

Knüllwald-Rengshausen. Über Jahrzehnte fristete sie ihr Dasein am Rande eines Feldweges in Rengshausen. Mutterseelenallein war die Weide hier am Ortseingang tief verwurzelt. Jetzt sollten dem Baum diese tiefen Wurzeln zum Verhängnis werden. Denn Rengshausens Ortsvorsteher Udo Schmidt (SPD) entschied: „Der Baum muss weg! Die Wurzeln haben den asphaltierten Wirtschaftsweg massiv beschädigt“, erklärt der Ortsvorsteher im Gespräch mit unserer Zeitung.

Empört über diese drastische Maßnahme zeigt sich Werner Knierim, dessen Wohnhaus in Sichtweite des Ortes liegt, an dem die Weide bis vor einigen Tagen noch stand. Knierim (CDU) ist selbst Mitglied im Ortsbeirat und fühlt sich als gewählter Vertreter dieses Gremiums übergangen. „Der Ortsbeirat ist hier nicht beteiligt worden. Auf einmal hieß es: Die Weide wird gefällt“, erzählt er.

„Muss ich auch nicht“, entgegnet Udo Schmidt konfrontiert mit den Vorwürfen Knierims. Entscheidungen dieser Art könne der Ortsvorsteher auch ohne Zustimmung des Ortsbeirates treffen, erklärt Schmidt. „Die Weide hätte schon vor längerer Zeit weg gemusst. Hier ist präventiv gehandelt worden, bevor der Schaden noch größer wird und eine Gefahr für den landwirtschaftlichen Verkehr entsteht“, verteidigt Schmidt seine Entscheidung. Sowohl die Gemeinde Knüllwald, die die Weide gefällt hat, als auch die Untere Naturschutzbehörde, die die Genehmigung für die Fällung erteilt hat, trugen diese mit.

Zum Unverständnis von Werner Knierim. Der ehemalige Soldat hatte sich als Anwohner nach eigenen Angaben selbst in Absprache mit der Gemeinde um den Baumschnitt der Weide gekümmert. "Über all die Jahre hat sich nie jemand über den Baum beschwert. Bisher hatten die Landmaschinen meines Wissens keine Probleme hier gefahr- und problemlos vorbeizufahren", sagt Knierim, der die Schäden mit Teer ausgleichen wollte, um so die Weide zu erhalten.

Dem Anwohner ging es jedoch nicht allein um den Baum: "Auch Bienen und anderen Tieren ist hier unnötig Lebensraum genommen worden. Ich würde gerne wissen, wieso die Weide jetzt so plötzlich weg musste."

Ortsvorsteher Udo Schmidt bringt hier seinen Amtsvorgänger Dieter Brandau (CDU) ins Spiel, der sich seinerzeit bereits für eine Fällung ausgesprochen habe. "Und jetzt ist die Weide eben weggekommen. Wir reden hier schließlich nicht von einer Linde oder Eiche. Diese Weiden wachsen wie Unkraut", macht Schmidt seine Meinung zum Thema deutlich und ergänzt: "Schließlich werden für die Weide auch zwei neue Bäume gepflanzt." Sicher ein schwacher Trost für Werner Knierim.

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Er kennt die Örtlichkeit in Rengshausen und war noch kurz vor der Fällung vor Ort. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt er: "Hier wurde ein Lebensraum zerstört. Die Weide steht ja schon seit einigen Jahrzehnten. In dieser Zeit haben sich unter anderem auch Bienen und Käfer von ihr ernährt. Mit der Fällung müssen die sich jetzt einen neuen Lebensraum suchen, da hier nur noch rein landwirtschaftlich genutzte Fläche bleibt. Zudem bin ich der Meinung, dass Solitärbäume (frei stehend; Anm. d. Red.) landschaftsprägend sind und deshalb erhalten werden sollten. Zumal diese Weide kerngesund war."

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