Aus Schutz für andere Tiere: Deshalb musste Wolf Cleo im Homberger Wildpark Knüll sterben

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Durch diesen Zaun soll kein Wolf mehr flüchten können.
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Landrat Winfried Becker (li.) und Parkleiter Dr. Wolfgang Fröhlich standen Rede und Antwort bei der Pressekonferenz.
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Der Strom des rechten Zaunes störte die Wölfe nicht bei ihrer Flucht. Auch der Maschendrahtzaun des linken Zaunes war ein überwindbares Hindernis.
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Neu angebrachte Stahlmatten sollen weitere Fluchtversuche verhindern.
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Landrat Winfried Becker und Parkleiter Dr. Wolfgang Fröhlich standen bei einer Pressekonferenz im Wildpark Knüll Rede und Antwort zur aktuellen Wolfsflucht.

Homberg-Allmuthshausen. Zwei Wölfe büxten innerhalb des Wildparks Knüll vergangene Woche aus. Einer wurde erschossen – der andere hat es ganz aus dem Park herausgeschafft. Vor allem die Frage, wieso der 2011 geborene Wolf Cleo noch im Wildpark sterben musste, beschäftigte unsere Leser in den Facebook-Kommentaren.

Wolf Cleo starb am Freitag

Parkleiter Dr. Wolfgang Fröhlich erklärte dies bei einer Pressekonferenz noch einmal im Detail: „Es kam ein Tierarzt mit einer Betäubungswaffe in den Park, doch den Schuss zu setzen, gelang nicht.“ Dafür müsse das Tier sehr ruhig stehen. Hinzu komme, dass der Pfeil einer Betäubungswaffe wesentlich langsamer fliege, als die Kugel eines Jagdgewehrs. „Um sicher zu treffen, muss man mit der Betäubungswaffe auf etwa 20 bis 30 Meter herankommen. Die Jagdwaffe hat dagegen eine Reichweite von bis zu 100 Metern. Beim Schuss kann das Tier schon aufschrecken und man verfehlt es“, berichtet Fröhlich weiter.

Zwar ließe sich wohl der Druck auf der Waffe erhöhen, damit der Betäubungspfeil schneller fliege, doch dadurch würde auch eine größere Wunde am Tier verursacht. „Außerdem ist das immer nur ein Versuch, denn das Medikament muss nicht zwingend wirken, wenn das Tier ohnehin schon sehr in Aufregung ist“, so Fröhlich. Aufregung und Unruhe bemerkten die Parkmitarbeiter auch bei dem freilaufenden Rot- und Dammwild. Wie schon in den vorausgegangenen Meldungen bekannt gegeben, entschied man sich zum Schutz dieser Tiere dazu, Cleo zu erschießen. „Wir wollten nicht, dass sich die anderen Tiere verletzen, sterben oder durch die entstandene Panik durch den Außenzaun des Parks brechen“, betrauert Fröhlich die getroffene Entscheidung.

Landrat Winfried Becker (li.) und Parkleiter Dr. Wolfgang Fröhlich standen Rede und Antwort bei der Pressekonferenz.

Wie die Flucht gelang

Fröhlich hat eine besondere Eigenschaft bislang noch bei keinem Rudel bemerkt, denn „die Wölfe scheinen sich an den Strom des ersten Zauns gewöhnt zu haben. Die zwei Bären, die sich mit den Wölfen in einem Gemeinschaftsgehege aufhalten können, lassen sich noch vom Strom abschrecken, die Wölfe nicht.“ Dementsprechend vermutet die Parkleitung, dass die Wölfe sich unter dem elektrischen Zaun hindurch gebuddelt haben. Direkt dahinter steht schon ein hoher Maschendrahtzaun, der gegen Überklettern ebenfalls mit Strom geschützt ist. „Diesen lernten sie jedoch zu durchbeißen“, sagt Fröhlich. Der dritte Zaun rund um das Gehege war dann wohl auch kein Hindernis mehr für die beiden Wölfe. Mittlerweile wurden innere Zäune mit Stahlmatten verstärkt, was das Durchbeißen verhindern sollte.

Neu angebrachte Stahlmatten sollen weitere Fluchtversuche verhindern.

Sicherheit hat Priorität

Landrat Winfried Becker beteuerte: „Die Sicherheit muss ganz oben stehen, vor allem damit den Besuchern nichts passiert.“ Neben den unmittelbar getroffenen Verstärkungen eines Zaunes durch Stahlmatten soll laut Becker auch eine unabhängige Firma damit beauftragt werden, die Sicherheit erneut zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern. Um das Verhalten der Wölfe im Gehege längere Zeit zu beobachten, wären auch Kameras denkbar, die das Gelände filmen, heißt es von Becker. „Tiere in Gefangenschaft haben genug Zeit, sich Sicherheitslücken zu suchen. Über die Gründe für die Flucht kann ich nur spekulieren“, erzählt der Parkleiter. Unruhe im Rudel, Auswirkungen von außen, Revierserweiterung oder nur ein spielerischer Freiheitsdrang seien denkbar. Der momentane Aufenthaltsort des Tieres war bis Redaktionsschluss nicht bekannt. Die letzte bekannte Wolfssichtung stammt aus der Nähe von Kirchheim.

„Wir gehen davon aus, dass er sich Menschen nicht aktiv nähern wird“, hofft Fröhlich. Eine Ortung per Chip am Tier sei nur auf kurze Reichweite möglich und daher nur für die Suche innerhalb des Parks praktikabel. Alle Zäune des Parks werden laut Fröhlich regelmäßig wöchentlich von den Mitarbeitern kontrolliert sowie zusätzlich unregelmäßig von der Parkleitung.

Der Strom des rechten Zaunes störte die Wölfe nicht bei ihrer Flucht. Auch der Maschendrahtzaun des linken Zaunes war ein überwindbares Hindernis.

PETA kritisiert Wildpark Knüll nach Wolfsausbruch

Lisa Kienzle, Pressereferentin vom Tierschutzverband PETA, kritisiert die allgemeine Haltung von Wildtieren: „Durch die artwidrige Haltung in viel zu kleinen Gehegen nutzen Wildtiere jede sich ihnen bietende Gelegenheit, ihrem Gefängnis zu entkommen. Da sie ausschließlich zu Unterhaltungszwecken eingesperrt werden, fordert die Tierrechtsorganisation ein Ende der Haltung von Wölfen und anderen gefährlichen Tieren in Zoos und Wildparks.“ Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA ergänzt: „Die Wölfe wollten einfach frei sein wie ihre wildlebenden Artgenossen und einer von ihnen bezahlte dafür nun mit seinem Leben. Weitere Ausbrüche oder tödliche Unfälle sind nur vermeidbar, wenn die Tiere nicht mehr für die Schaulust von Besuchern eingesperrt werden.“

Die Grünen appellieren an den Verstand: Nicht erschießen

Marcel Smolka, Vorstandssprecher des Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen Homberg meldete sich auch zum Thema: „Wir sind sehr betrübt darüber, dass die Wölfin direkt im Freigehege des Wildparks erschossen werden musste, können die Beweggründe allerdings zum Teil nachvollziehen, wenngleich nicht gutheißen. Dass es überhaupt zum Ausbruch der zwei Wölfe kam, ist sehr bedauernswert. Die erschreckendste Nachricht ist allerdings aus der gestrigen Pressekonferenz zu entnehmen. Wenngleich auf einen friedlichen Ausgang des entflohenen Wolfes gehofft wird, wurde auch ein möglicher Abschuss des Tieres bei Schädigung von Nutztieren genannt. Wir können und wollen keinen weiteren toten Wolf in Kauf nehmen und appellieren an den Verstand, das ohnehin mit geringen Überlebenschancen gezeichnete Tier nicht zu erschießen.“

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