Schwalm-Eder-Kreis stellt klar: „Corona ist kein Grund für eine Inobhutnahme durch das Jugendamt“

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Vizelandrat Jürgen Kaufmann

Inobhutnahmestellen für Corona infizierte Kinder würden nicht dazu dienen, Kinder von ihren Eltern zu isolieren, wie Vizelandrat Jürgen Kaufmann deutlich macht.

Schwalm-Eder. Nach bundesweiten Berichterstattungen zu zwangsweisen Unterbringungen von Kindern bei Nichteinhaltung von Quarantäne-Auflagen und der Schaffung von Inobhutnahmestellen für Corona infizierte Kinder, erreichten auch den Fachbereich Jugend und Familie des Schwalm-Eder-Kreises Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern zu diesem Thema.

Wie die Kreisverwaltung mitteilt, geht auch hier die Sorge um, dass infizierte Kinder von ihren Eltern getrennt oder isoliert werden könnten, wenn sie den Quarantäneanforderungen nicht gerecht werden.

In Zeiten der Pandemie sei es natürlich wichtig, Kontakte zu erkrankten Personen, womöglich auch im eigenen Haushalt, zu minimieren, so der Kreis. Deshalb sollen laut Robert Koch-Institut (RKI) sich auch Personen des gleichen Haushalts in einem anderen Raum, als die infizierte Person aufhalten.

Jugendamtsleiter Björn Angres

Selbstverständlich benötigten jedoch insbesondere Babys und Kleinkinder besondere Fürsorge und Betreuung ihrer Eltern, gerade wenn sie krank oder verunsichert sind. Daher seien die allgemeinen Vorgaben des RKI auf diese spezielle Gruppe von Menschen nicht ohne weiteres übertragbar. Vielmehr gehe es hier darum, als Familie Alternativen zum täglichen Umgang miteinander zu finden und das Ansteckungsrisiko so zu verringern, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Dabei könnten sowohl das Gesundheitsamt sowie der Fachbereich Jugend und Familie des Schwalm-Eder-Kreises betroffene Familien beraten und unterstützen. „Die Trennung, Isolation oder gar Inobhutnahme von Kindern von ihren Familien sind in diesen Fällen nicht vorgesehen. Sorgen von Eltern, ihre Kinder würden im Falle einer Erkrankung von ihrer Familie getrennt, sind deshalb unbegründet.“, erklärt Vizelandrat Jürgen Kaufmann und zuständiger Dezernent für Gesundheit und Soziales.

Richtig sei, dass die staatliche Aufgabe des Wächteramtes für ein Jugendamt auch in Zeiten einer Pandemie fortbestehe. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gefahren müsse auch dann sichergestellt sein, wenn eine Corona-Infektion vorliegt. Auch wenn Eltern aufgrund einer eigenen Corona Erkrankung nicht mehr in der Lage sind, ihre Kinder zu betreuen und zu versorgen, unterstütze das Jugendamt in der Zwischenzeit mit der Unterbringung in einer geeigneten Wohngruppe.

„Ein Kind aus der Familie zu nehmen, weil Eltern bewusst die Quarantäneauflagen nicht einhalten, ist aus unserer Sicht sehr unwahrscheinlich, solange keine Eigengefährdung des Kindes vorliegt. Erst dann, wenn Eltern nicht gewillt oder in der Lage sind, ihre Kinder zu schützen, wird das Jugendamt im Rahmen des Schutzauftrages tätig. Auch dabei ist es aber die vorrangige Aufgabe, Eltern dahingehend zu beraten und zu unterstützen, den Schutz ihrer Kinder sicherzustellen.“, so Björn Angres, Fachbereichsleiter Jugend und Familie beim Schwalm-Eder-Kreis.

Viele Jugendämter in Deutschland, darunter auch der Fachbereich Jugend und Familie des Schwalm-Eder-Kreises, hätten in den vergangenen Monaten Überlegungen angestellt, wie Kinder, die aus sonstigen Kinderschutzgründen in Obhut genommen werden müssen, bei Verdacht oder einer tatsächlichen Infektion dennoch in einem geschützten Rahmen untergebracht werden können. Kurzfristig habe der Schwalm-Eder-Kreis dafür ein Gebäude angemietet und entsprechend ausgestattet. Glücklicherweise sei es bisher nicht notwendig, Kinder oder Jugendliche dort unterzubringen.

Da ein Ende der Pandemie noch nicht in Sicht sei, gebe es weitere Planungen für eine Wohngruppe, die infizierte Kinder und Jugendliche aufnimmt, wenn sie Schutz, Betreuung und Versorgung benötigen. „Es ist dem Schwalm-Eder-Kreis ein wichtiges Anliegen, den Eltern, Familien und Kindern zu versichern, dass solche Einrichtungen nicht dazu dienen, Kinder aufgrund einer Infektion von ihren Eltern zu isolieren.“, so Vize-Landrat Jürgen Kaufmann abschließend.

Bei Unsicherheiten, aber auch bei allen Fragen rund um Erziehung und Betreuung Ihrer Kinder steht auch weiterhin die Hotline des Fachbereichs Jugend und Familie unter der Nummer 05681-775 222 zur Verfügung.

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