Zäher Informationsfluss: Kommentar von Julian Klagholz zum Zwischenfall mit Wölfen im Wildpark Knüll

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Vier Tage nachdem die Wölfe ausgebüxt sind: Erst am Dienstag stellten sich Kerstin Schwab (Leiterin des Eigenbetriebs Jugend- und Freizeiteinrichtungen des Schwalm-Eder-Kreises), Landrat Winfried Becker und Wildparkleiter Dr. Wolfgang Fröhlich den Fragen der Presse.

Ein Kommentar von Redakteur Julian Klagholz zum Zwischenfall mit zwei ausgebüxten Wölfen im Wildpark Knüll.

Der Wildpark Knüll ist seit über 50 Jahren eines der touristischen Highlights in unserem Landkreis. Peu à peu wurde der Park ausgebaut und hat sich zu einem beliebten Ausflugsziel für Familien entwickelt. Aushängeschilder sind vor allem die großen Raubtiere, mit denen die Parkverantwortlichen vom Eigenbetrieb Jugend- und Freizeiteinrichtungen des Schwalm-Eder-Kreises offensiv werben und Veranstaltungen um ihre Stars – wie die Wolfsnächte oder das Bärenfest – kreiert haben.

Redakteur Julian Klagholz

In jüngerer Vergangenheit kam es jedoch immer wieder zu Zwischenfällen mit diesen keinesfalls ungefährlichen Raubtieren. Im April 2016 büxte die mittlerweile verstorbene Bärin Alexa aus und spazierte auf der Besucherbrücke. Anfang 2018 brachen zwei Wölfe aus und am vergangenen Freitag kam es zum jüngsten Zwischenfall, bei dem zwei Wölfe aus ihrem Gehege entkommen konnten. Einer wurde noch im Park erschossen, ein weiterer Wolf flüchtete aus dem Park und streift durch die heimischen Wälder.

Seitens der Parkleitung und Experten wird zwar erklärt, dass keine Gefahr bestehe – garantieren kann dies jedoch keiner. Wie auch? Bei dem entlaufenen Tier handelt es sich schließlich um ein Raubtier, auch wenn es in Gefangenschaft aufgewachsen ist.

Fest steht: Drei Zwischenfälle in weniger als drei Jahren sind deutlich zu viel. Offensichtlich scheint das Gemeinschaftsgehege der Bären und Wölfe nicht ausreichend gesichert zu sein – trotz regelmäßiger Kontrollen. Erst jetzt reagiert der Kreis und lässt die Zäune verstärken.

Dabei lässt nicht nur die Sicherheit zu wünschen übrig. Auch die Kommunikationspolitik im jüngsten Fall ist unzureichend. Erst zwei Tage nach dem Zwischenfall wurde dieser auf der Homepage des Wildparks kommuniziert – eine offizielle Mitteilung an die Medien ging sogar erst am Montagmittag raus. Und es hat ganze vier Tage gedauert, eine Pressekonferenz anzuberaumen.

Da waren die Wölfe bereits ausgebüxt: Am Samstag bewarb der Wildpark via Facebook seine nächste Wolfsnacht.

Zu allem Überfluss wurde einen Tag nach dem Vorfall auf der Facebook-Seite des Wildparks die kommende Wolfsnacht beworben – mit Schaufütterung und allem was dazugehört. Dieser Meldung wurde wohl leider mehr Relevanz beigemessen.

Ist der Wildpark Knüll weiterhin auf ein gutes Renommee bedacht, muss in puncto Sicherheit und Kommunikation deutlich nachgebessert werden.

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