Zwischenruf zur Deutschen Brotkultur und Backtraditionen

Backhaus Welferode, Hochlandbäcker, Homberg, Brot backen, Bauernbrot

Und wir verramschen unser Kulturerbe für ein paar Cent – ein Zwischenruf von MB-Redakteur Julian Klagholz zur Deutschen Brotkultur und Backtraditionen

Deutschland ist Brotland! Wir können aus über 300 verschiedenen Sorten wählen – das ist weltweit einzigartig. Seit 2014 ist die Deutsche Brotkultur gar immaterielles Kulturerbe. Die UNESCO begründet die Aufnahme auch mit dem Fortbestand der alten Traditionen im Bäckerhandwerk.

Diese Traditionen aufrecht zu erhalten, ist mittlerweile doch zur echten Mammutaufgabe für das Bäckerhandwerk geworden. Zwar ist der Bäckerberuf nicht vom "Aussterben" bedroht, das Handwerk befindet sich jedoch im Wandel.

Davon betroffen sind vor allem kleine Familienbäckereien. Die verschwinden langsam aber sicher. Das belegen Zahlen, die der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks auf seiner Internetseite veröffentlicht hat. Waren es vor 60 Jahren noch rund 55.000 Bäckerhandwerksbetriebe in den alten Bundesländern, so sind es heute nur noch 12.155.

Übrig geblieben sind vor allem Großbäckereien, die ihre Filialen mit Backrohlingen und fertigen Broten beliefern. Zu groß ist der Konkurrenzkampf mit den Discountern, die seit einigen Jahren ihre Kunden mit Selbstbedienungsbackstationen locken. Hier gibt’s Brot und Brötchen in allen Variationen und Formen – zu Schleuderpreisen.

So bekommt man ein 1 Kilogramm-Weizenmischbrot für knapp 1.30 Euro. Da kann kein Bäckermeister mit kleinem Familienbetrieb mithalten. Und wir verramschen somit unser Kulturerbe für ein paar Cent – greifen auf Backwaren zurück, die mit traditioneller Herstellung wenig zu tun haben.

Wir, das sind die mit der angeblich einzigartigen Brotkultur. Deshalb freut es mich umso mehr, dass die Welferöder den Ofen in ihrem Backhaus regelmäßig anfeuern und alte Tradtionen pflegen.

Hier geht's zum Artikel über die Welferöder "Hochlandbäcker".

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