,Ich habe Arbeit – ich bin etwas wert’

+

Ziegenhain. Ein Einzelfall? Sandra Schäfer bekam Hartz IV gegen ihren Willen.

Ziegenhain. Sandra Schäfer bezog sieben Monate lang Arbeitslosengeld II, im Volksmund Hartz IV genannt. Zwei Zahlungen erhielt sie, obwohl sie es gar nicht wollte.

Zunächst arbeitet die gelernte Erzieherin zwei Jahre lang in der Behindertenhilfe Hephata in Treysa. Trotz Versprechens wird ihr befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert. Stattdessen wird ihr eine Stelle am Hephata-Standort in Büdingen (Wetteraukreis) angeboten. Schäfer lehnt ab: "Man lässt sich nicht so gern verpflanzen, wenn man hier soziale Kontakte hat." Die Konsequenz: Schäfer wird arbeitslos und bezieht Arbeitslosengeld I.

Doch weil sie zuvor lediglich halbtags arbeitete, steht ihr nur ein geringer Satz zu. Das Geld reicht nicht aus, um über die Runden zu kommen. Letzter Ausweg: Hartz IV. Sieben Monate lang stockt die Ziegenhainerin mit Arbeitslosengeld II auf. Doch Schäfer merkt: So kann es nicht weitergehen. "Ich wollte ja arbeiten. Ich hab mich nie als Sozialfall gesehen." Schäfer schreibt rund 80 Bewerbungen. Und das mit Erfolg: Sie erhält einen Arbeitsvertrag in einem Kindergarten in Stadtallendorf. Umgehend meldet sie sich beim Jobcenter, um die Hartz IV Zahlungen einstellen zu lassen. "Aber die haben mir regelrecht eine Hilfsbedürftigkeit aufgezwungen", sagt die Alleinstehende.

Trotz festem Einkommen habe sie zwei weitere Hartz IV Zahlungen bekommen. "Die teilten mir mit, dass ich weiterhin dem Arbeitsamt zur Verfügung stehen muss. Vielleicht war die Vermittlerin gekränkt, weil nicht sie mir die Stelle ermöglicht hat, sondern ich selbst", mutmaßt Schäfer. Aus Verzweiflung droht sie mit dem Amtsleiter. Schließlich könne man nicht gezwungen werden, Hartz IV zu bekommen. Prompt seien die Zahlungen eingestellt worden. Dennoch: Auf den offiziellen Aufhebungsbescheid wartet Schäfer bis heute vergebens. Ihre Recherchen im Internet ergaben: "Ich bin kein Einzelfall."

Schäfer muss zurückzahlen

Auf unsere Nachfrage erklärt der Bereichsleiter Leistung des Jobcenters Schwalm-Eder, Joachim Schumann: "Wir treten mit unseren Zahlungen in Vorleistung – anders als Arbeitgeber." So habe Schäfer zwei weitere Hartz IV Zahlungen bekommen, da sie dem Jobcenter keine Lohnabrechnung vorlegte, aus der die Höhe und der Auszahlungszeitpunkt des ersten Einkommens hervorgeht. Die zwei letzten Zahlungen muss Schäfer nun zurückerstatten. "Der Aufhebungsbescheid wird an die Wohnadresse geschickt, die uns vorliegt", sagt Brigitta Ahringer vom Jobcenter in Ziegenhain. Seit ihrem vergangenen Umzug habe Schäfer ihre aktuelle Adresse jedoch noch nicht bekanntgegeben.

Trost über die anstrengende Auseinandersetzung mit dem Jobcenter finde Schäfer in ihrer neuen Arbeit. Wieder jobben zu dürfen sei ein gutes Gefühl: "Ich habe Arbeit, ich bin wieder etwas wert." Zwar endet ihr neuer Vertrag im Juli dieses Jahres, doch hofft Schäfer diesmal auf eine anfolgende Festanstellung. Hartz IV wolle sie auf gar keinen Fall noch einmal beziehen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Jetzt beim ADFC-Fahrradklima-Test 2020 abstimmen: Wie fahrradfreundlich ist der Schwalm-Eder-Kreis?

Ab sofort läuft die Umfrage zum großen ADFC-Fahrradklima-Test 2020. Der Fahrradclub ADFC ruft gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur …
Jetzt beim ADFC-Fahrradklima-Test 2020 abstimmen: Wie fahrradfreundlich ist der Schwalm-Eder-Kreis?

Aus „Rest-Cents“ der Mitarbeiter wurden 22.387 Euro für Geburtshilfe

Seit 2016 Sammeln B. Braun-Mitarbeiter an den Standorten Melsungen, Tuttlingen und Berlin die "Rest-Cents" ihrer Gehaltsabrechnungen und spenden diese für soziale …
Aus „Rest-Cents“ der Mitarbeiter wurden 22.387 Euro für Geburtshilfe

Beiseförth: Familie Smakulski erfüllt sich Blockhaus-Traum

Das Besondere: Fenster werden erst zum Schluss reingeschnitten.
Beiseförth: Familie Smakulski erfüllt sich Blockhaus-Traum

Unbekannte Täter entzünden Sicherungsnetz an Baugerüst

Das Feuer an dem Baustellennetz hatte sich bereits über mehrere Meter in die Höhe ausgebreitet. Die Polizei geht derzeit von einer vorsätzlichen Brandstiftung aus
Unbekannte Täter entzünden Sicherungsnetz an Baugerüst

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.