Justicia im Doppelpack: Ein Duo sorgt für Recht und Ordnung

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Schwalmstadt. Andreas Krüger und Thomas Jesberg sind Ordnungspolizisten der Stadt Schwalmstadt. Kein einfacher Beruf, wie ihre Erfahrungen zeigen.

Schwalmstadt. Ihr Ruf ist schlecht. Sie werden beschimpft, beleidigt und verbal attackiert. Wo sie auftauchen, sind Ärger und Diskussionen meist nicht weit. Ihre Argumente treffen nicht selten auf Unverständnis. Und dabei gehen sie nur ihrer täglichen Arbeit nach. Sie haben einen der wohl unbeliebtesten Jobs, die man sich vorstellen kann. Andreas Krüger und Thomas Jesberg sind Ordnungspolizisten der Stadt Schwalmstadt.

Beinahe täglich sind Andreas Krüger und Thomas Jesberg unterwegs. Meist zu Fuß. Irgendwo in einem Schwalmstädter Stadtteil. Ihre Aufgaben: Verkehrskontrolle, Ahnden von Ordnungswidrigkeiten und Informieren von Bürgern. Oder kurz: Sie vertreten das Gesetz. Und dabei stoßen sie immer wieder auf Unverständnis und heftige Gegenwehr. "Beleidigungen gehören zum täglichen Geschäft", sagt Krüger. Besonders unbeliebt sind die Ordnungspolizisten bei Falschparkern, immerhin haben sie doch die gefürchteten "Knöllchen" stets am Mann. Doch zählt zu ihren Aufgaben weitaus mehr als nur das bloße Verteilen von kleinen, blauen Strafzetteln. Vielmehr sorgen Krüger und Jesberg für generelle Ordnung. Dabei ist ihre Intention eine gute: "Wir machen ja nichts Negatives, wir ahnden nur das Negative", erklärt Krüger. So stellen sie beispielsweise sicher, dass Rettungswege im Alltag und bei speziellen Veranstaltungen freigehalten werden. Außerdem wird nicht selten Müll und Schutt unerlaubt auf Wiesen und in Wäldern abgekippt. Auch dann sind Krüger und Jesberg zur Stelle, um den Übeltätern auf die Schliche zu kommen.

Hundekot auf Gehwegen

Ein weiteres, häufig vorkommendes Vergehen, das ebenso unter das Abfallgesetz fällt: das Nicht-Beseitigen von Hundekot auf den Gehwegen. Hier zeigt sich, dass die Ordnungspolizisten oft Gnade vor Recht ergehen lassen: "Wir bitten den Hundehalter immer freundlich, den Kot zu beseitigen." Erst wenn dieser Bitte nicht nachgekommen wird, ist eine Strafzahlung von etwa 30 Euro fällig. Generell verhängen die Ordnungspolizisten Strafen zwischen zehn und 35 Euro, je nach Art der Ordnungswidrigkeit. Wer beispielsweise vergisst, eine Parkscheibe in seinem Fahrzeug sichtbar zu hinterlegen, muss zehn Euro bezahlen. Wessen Auto im absoluten Halteverbot steht, wird mit 15 Euro bestraft. Gar 35 Euro Strafe werden fällig, wenn man unerlaubt einen Schwerbehindertenparkplatz belegt. Pro Tag verhängen Krüger und Jesberg zwischen 15 und 30 Geldstrafen. Aber: "Wer sich an die Regeln hält, hat nichts zu befürchten", versichert Jesberg. Und außerdem: Wenn sich die Bestraften einsichtig zeigen, belassen es die sympathischen Ordnungswächter oft bei einer mündlichen Verwarnung. Prinzipiell gilt aber: Alle Verkehrsteilnehmer werden gleich behandelt. "Justicia ist blind", sagt Krüger. Selbst beim Chef, der Ehefrau oder dem Vater könne keine Ausnahme gemacht werden. Und auch die Ordnungspolizisten selbst seien bloß Menschen. "Es kommt auch schonmal vor, dass ich vergesse, die Parkscheibe rauszulegen", gibt Krüger zu. "Dann ist er auch dran", ergänzt Jesberg.

Ihre tägliche Arbeit haben sie noch nie bereut, versichern beide. Gewissensbisse kennen sie nicht. Aber hin und wieder ärgern sie sich. "Denn manche", sagt Jesberg, "planen bereits im Vorfeld 100 bis 150 Euro ihrer monatlichen Lebenshaltungskosten für Ordnungswidrigkeiten ein". Da erhoffe er sich schon etwas mehr Einsicht. Einen Wunsch haben beide gemein: "Einen fairen Umgang und mehr Verständnis für unsere Arbeit, auch wenn’s oft schwer fällt."

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