(K)ein Grund zum Feiern

Tafeln im Schwalm-Eder-Kreis werden fnf Jahre altVon CHRISTIAN UTPATELSchwalm-Eder. Eigentlich gibt es keinen Grund zu feiern dari

Tafeln im Schwalm-Eder-Kreis werden fnf Jahre alt

Von CHRISTIAN UTPATEL

Schwalm-Eder. Eigentlich gibt es keinen Grund zu feiern darin waren sich alle Redner einig, als am vergangenen Freitag in der gut gefllten Homberger Stadtkirche 5 Jahre Tafeln im Schwalm-Eder-Kreis gefeiert wurde. Aber dennoch: 40.000 Ehrenamtliche engagieren sich bundesweit in den Tafeln und sorgen fr Essen wo es hingehrt, so ihr Werbespruch. Seit fnf Jahren nun auch hier in der Region, was Grund genug zum Danken und auch ein bisschen Feiern sei. Dass Menschen in Armut leben ist ein Armutszeugnis in einem Land wie der Bundesrepublik, so der Schwalmstdter Brgermeister Wilhelm Krll in seinem Gruwort. Dem konnte Landrat Frank-Martin Neuprtl nur zustimmen. Ihn befalle Beschmung, dass in einem der reichsten Lnder der Erde Menschen berhaupt in Armut leben mssten, meinte der SPD-Politiker.

Armutslindernd

Tafellden, so der Landrat, sind eine wichtige Ergnzung der staatlichen Leistungen. Auf keinen Fall drften Tafeln Bestandteil der staatlichen Sozialfrsorge werden, betonte dagegen Dr. Eberhard Schwarz, der als Landespfarrer fr die diakonische Arbeit der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck zustndig ist. Tafeln sind armutslindernd, aber mehr nicht, so Schwarz in seinem thematischen Impuls zum Thema. Aus den Anforderungen an die Arbeit der vier Tafellden in Fritzlar, Homberg, Melsungen und Schwalmstadt berichtete Pfarrerin Margret Artzt. Sie hat die Entwicklung von Anfang an begleitet. Zum Beginn vor fnf Jahren sei das Diakonische Werk immer hufiger der Situation begegnet, dass Familien ihren Khlschrank nicht mehr mit gesunden und vernnftigen Lebensmitteln fllen konnten. Zugleich htte es Anfragen eines Lebensmittelhndlers gegeben, der groe berschsse hatte. Vieles habe sich dann zufllig ergeben, berichtete Artzt, so dass die Arbeit an den vier Orten auch ganz unterschiedlich sei.

Aufwand gestiegen

Zugleich ist mittlerweile aber auch der Aufwand gestiegen. Khlfahrzeuge, Schulungen und das Einhalten genauer Hygienevorschriften seien unverzichtbar. In der Zukunft, so Artzt, wolle man die Betroffenen noch aktiver in die Arbeit einbeziehen. Erst am Dienstag hatte die Landessynode die finanziellen Mittel fr einen Sozialarbeiter bereitgestellt, der Projekte zur berwindung von Armut initiieren soll. Zum Dank fr ihr Engagement bekamen je zwei Mitarbeiter der vier Tafeln eine Rose berreicht, stellvertretend fr die vielen anderen. Der Himmel ist Arbeit, hatte Dekan Christian Wachter (Schwalmstadt) in seiner Predigt gesagt, damit Menschen Wertschtzung erfahren durch Gott und durch ihre Brder und Schwestern. Spenden fr die Tafel: Ev. Kreditgenossenschaft Kassel, Kontonummer 2100100, Bankleitzahl 52060410, Stichwort Homberger Tafel.

Extra Info

Scharfe Kritik von Arbeitslosen-Organisation

Fnf Jahre Tafelarbeit, sind fnf Jahre Tafelarbeit zu viel, sagt Lutz Baumann. Der Sprecher der der Organisierten Arbeitslosen Schwalm-Eder (OASE), die hervorgegangen ist aus Mitgliedern der Erwerbssuchenden-Selbsthilfegruppe, betont, das ehrenamtliche Engagement bei den Tafeln, bleibt ein hchst fragwrdiges Engagement, solange nicht auch der feste Wille zur politischen Einflussnahme erkennbar wird. Nur die Tafeln zu betreiben, bedeute auf Dauer nur eine Verfestigung sozialpolitisch vllig unhaltbarer Zustnde. Der Staat erhalte das falsche Signal und ziehe sich aus seiner Verantwortung immer weiter zurck. In der Bevlkerung verfestige sich sich dagegen der Eindruck, dass die Betroffenen ja ausreichend versorgt werden und eigentlich noch dankbar sein mssten. Bei vielen Betroffen fhre die Prostitution ihrer Wrde zur Abstumpfung und dem Verlust ihrer Selbstachtung und einem Leben in sozialer Isolation, so Baumann. Fr ihn fest steht: Tafeln, mehr ein Fluch als ein Segen.

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