Kirchen-Juwel erklingt wieder

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Melsungen. Nach viermonatiger Sanierung wird die 181 Jahre alte Kehrenbacher Kirchenorgel am Sonntag um 14 Uhr wieder eingeweiht.

Melsungen.  Auch an einer Orgel nagt der Zahn der Zeit. Die im Jahr 1832 von Johann Vogt erbaute Kehrenbacher Kirchenorgel spielte sich zwar noch schön, aber ließ klangmäßig zu wünschen übrig. Das lag daran, dass einige der insgesamt 402 Orgelpfeifen defekt waren. Weil auch einige andere Bestandteile unter Materialermüdung litten, wurde die Orgel mit Biedermeier-Gehäuse nun aufwendig generalsaniert. Am Sonntag, um 14 Uhr, wird sie in einem Gottesdienst mit anschließendem Orgelkonzert wieder eingeweiht.

Viele Kehrenbacher und Pfarrer Dr. Sigurd Sadowski vom Ev. Pfarramt IV –Melsungen und Kehrenbach sind schon gespannt, wie sie wohl klingen wird. "Einen Gottesdienst ohne Orgel kann ich mir gar nicht vorstellen. Es gibt kein anderes Instrument, das so viele Töne und Stimmungen wie Freude und Trauerausdrücken kann", so Sadowski. Die Restaurierung der Orgel dauerte insgesamt vier Monate. "Letztendlich gingen dafür rund 850 Arbeitsstunden drauf", so Orgelbauer Peter Kozeluh. Die Restaurierung fand teilweise vor Ort in der Kirche und in der Orgelbauwerkstatt in Rotenburg statt. Während die Orgel restauriert wurde, diente bei Gottesdiensten ein Harmonium als Ersatz.

"Das Pfeifenwerk wieder gängig zu machen, war die größte Herausforderung", berichtet der Orgelbauer weiter. Kein Wunder: die kleinste der 402 Orgelpfeifen aus Holz und Metall ist nur 18mm groß, die Größte misst eine Höhe von 2,50 Meter. Viele Pfeifen mussten erneuert werden. Der Holzwurm sei aber nur in wenige Teile der Orgel eingedrungen.

Es war bereits das zweite Mal, dass die Orgel saniert wurde. Zuletzt im Jahr 1978. Bis es zur erneuten Restauration kam, vergingen insgesamt drei Jahre.  "Solange dauerte die Vorarbeit, die Absprache mit den Fachleuten und bis die Behörden zugestimmt haben.", erzählt Sadowski. "So  hatten wir allerdings auch drei Jahre Zeit, Geld für die Sanierung zu sammeln."  30.000 Euro kostete die Restauration. Für ein 250 Seelen-Dorf sei es nicht einfach gewesen, so viel Geld aufzubringen. "Es ahnt ja auch keiner, wie arbeitsintensiv so ein Projekt ist" ergänzt Kozeluh. Nur abstauben reiche nicht. Alleine alles abzubauen und zu dokumentieren benötige viel Zeit. Nun sei es aber auch wieder möglich, dass die Orgel auch ohne den elektrischen Gebläsemotor gespielt werden könne.

"Die Kehrenbacher Einwohner haben ein Drittel der Kosten an Spenden aufgebracht", so der Pfarrer. Es habe auch eine Haussammlung gegeben, bei der man Pate einer Orgelpfeife werden konnte. 70 Pfeifenpaten haben allein dabei Beträge zwischen 20 und 120 Euro gespendet. Den Rest der Kosten habe der Kirchenkreis Melsungen übernommen.

"Unsere Kirchenorgel ist schon ein Unikum." Nirgendwo in der Region gebe es ein vergleichbares Instrument mit so vielen Verzierungen wie beispielsweise die Löwen-ornamente. "Deswegen bin ich den Einwohnern dankbar, dass sie so viel gespendet haben." Der erste, der die Orgel nun spielen darf, ist Johan Reuter aus Melsungen. Der 18-jährige Schüler  ist Organist in Kehrenbach und Kirchhof.  Beim Gottesdienst am Sonntag wird auch der neue Kirchenvorstand eingeführt sowie der alte verabschiedet.

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