Kleinkrieg auf der B 253

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Fritzlar. Langsamfahrer mit Schlagstock niedergeknüppelt? Streit zwischen zwei Autofahrern landet vor Gericht

Schwalm-Eder. Auf Deutschlands Straßen herrscht manchmal Krieg. So auch am 20. April des vergangenen Jahres, als sich Familienvater Andreas U. und Rentner Lothar G. auf der B 253 bei Fritzlar begegnen. Dabei hatte der Samstag ganz harmlos angefangen. Andreas U. will mit seiner fünfjährigen Tochter zu einem Fachgeschäft für Tierbedarf. Lothar G. ist mit einem Hänger unterwegs, um bei seinem Sohn Holz zu holen. Doch am Ende dieses schicksalhaften Tages hat der 35-Jährige Familienvater wutentbrannt den 68-jährigen Rentner auf der Bundesstraße zum Anhalten gezwungen, liegen zwei Anzeigen bei der Polizei vor und Lothar G., ein pensionierten Biologielehrer, muss mit einer gebrochenen Hand und mehreren Blutergüssen ins Krankenhaus.

Ausgebremst und geschlagen?

Jetzt, ein gutes Jahr später begegnen sie sich die Kontrahenten wieder – diesmal vor Gericht. "Er hat mich mehrfach ausgebremst und ich habe ihn zur Rede gestellt, mehr nicht", behauptet Andreas U. der wegen Nötigung und schwerer Körperverletzung angeklagt ist. Er hofft auf Freispruch, denn die Verletzungen habe sich der Rentner bei einem selbstverschuldeten Sturz zugezogen. "Er hat mich aus dem Auto gezogen und mit einem Teleskopschlagstock auf den Kopf geschlagen", berichtet dagegen Lothar G. Doch die angebliche Tatwaffe konnte von der Polizei nicht gefunden werden.

Zwei Männer, zwei Versionen

Zwei Männer, zwei Versionen. Zur Wahrheitsfindung hat das Gericht mehrere Zeugen geladen, die an diesem Samstag am Tatort waren. Doch auch diese können lediglich berichten, dass die Männer auf offener Straße in Streit geraten waren. Körperliche Gewalt hat keiner gesehen. Selbst bei der Frage, welches Auto wo gestanden hat, gehen die Aussagen auseinander.Unter diesem Eindruck beantragt die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens. "Wir haben keine Zeugen für eine strafrechtlich relevante Handlung", so die Begründung. Eine Weiterführung des Prozesses würde den Steuerzahler nur noch mehr Geld kosten.Ein Ende, dass niemanden zufrieden stellt. Zurück bleiben zwei Streithähne, die dieser Lösung nur widerwillig zustimmen. Beide sind weiterhin der festen Überzeugung sind im Recht zu sein. Zurück bleibt aber auch ein Gericht, dass eingestehen muss, der angestrebten Wahrheitsfindung in diesem Fall nicht dienen zu können.

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