In Knüllwald ist das erste Teilstück der „Regionalen Datenautobahn“ für Nordhessen ans Netz gegangen

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Bei der Breitband-Netzeröffnung in Knüllwald-Remsfeld: (v.l.) Staatssekretär Mark Weinmeister, Kathrin Laurier (Geschäftsführerin Breitband Nordhessen GmbH), Winfried Becker (Landrat Schwalm-Eder-Kreis, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Breitband Nordhessen GmbH), Knüllwalds Bürgermeister Jörg Müller, Dr. Michael H. Koch (Landrat Hersfeld-Rotenburg, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Breitband Nordhessen), Eckart Liebelt und Frank Richter (Geschäftsführer Netcom Kassel).

Politiker sind sich einig: „Echter Durchbruch in der Erschließung Nordhessens mit moderner Kommunikationsinfrastruktur“.

Knüllwald-Remsfeld. Im Ortsteil Remsfeld ist am Freitag der erste Kabelverzweiger aktiviert und damit das nordhessische Breitbandnetz eröffnet worden. Die Netcom Kassel, die das aktive Netz betreiben wird, informiert unterdessen die Bürgerinnen und Bürger in den einzelnen Orten Nordhessens Schritt für Schritt mit eigenen Veranstaltungen über Produkte und Tarife.

Der Landrat des Schwalm-Eder-Kreises und stellvertretende Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Breitband Nordhessen GmbH, Landrat Winfried Becker, würdigte die Eröffnung der Datenbautobahn als „echten Durchbruch in der Erschließung Nordhessens mit moderner Kommunikationsinfrastruktur“. Becker: „Ich freue mich, dass mit dem Schwalm-Eder-Kreis eine Region von unserem Bemühen profitiert, in der bisher die kleinen Orte und Ortsteile im nordhessischen Vergleich weniger gut versorgt waren. Während wir vor wenigen Jahren noch vor allem den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur forcierten, ist uns allen längst bewusst, dass ein schnelles Glasfasernetz/Internet ebenso wichtig ist.“

„Durch Highspeed-Internet bleibt unsere Region ein attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum“, betont Dr. Michael Koch, Landrat im benachbarten Landkreis Hersfeld-Rotenburg und Vorsitzender der Breitband-Gesellschafterversammlung: „Das schnelle Netz sichert unseren Städten und Gemeinden die Zukunft und verhindert eine drohende digitale Spaltung zwischen Ballungszentren und unserer ländlichen Region.“ Knüllwalds Bürgermeister Jörg Müller sprach von einem Glücksfall für seine Gemeinde und die Nachbarkommunen, dass die Datenautobahn durch seine Gemeinde verläuft und diese anbindet. Er dankte der Breitband Nordhessen GmbH für ihr Engagement und den nordhessischen Landkreisen für ihre Initiative, „unserer Heimat den Anschluss an das weltweite Informationsnetz zu ermöglichen, den sie verdient und benötigt.“

Der Breitbandausbau in Nordhessen ist das derzeit größte Breitband-Infrastrukturprojekt in Europa. Ziel der Breitband Nordhessen GmbH ist es, bis zum Ende des Jahrzehnts nahezu überall in Nordhessen einen Anschluss mit bis zu 50 Megabit in der Sekunde zur Verfügung stellen zu können. Seit Beginn der Bauarbeiten im Spätsommer 2016 wurden schon über 200 Kilometer Trasse gebaut und rund 120 Multifunktionsgehäuse gesetzt, erklärt die Breitband-Geschäftsführerin Kathrin Laurier.

Über den jeweils aktuellen Stand des Ausbaus in den Ortsteilen informiere die Breitbandgesellschaft auf ihrer Website www.breitband-nordhessen.de. Derzeit sind dort die für das erste Halbjahr 2017 verbindlich geplanten Bauabschnitte einzusehen. Für alle Ortsteile, die nicht Teil der verbindlichen Planungen des bevorstehenden halben Jahres sind, bestehen unverbindliche Planungsausblicke für die Folgezeiträume bis 2019. Die neuen Bauabschnitte für das zweite Halbjahr 2017 werden am 30. Juni auf der Website der Breitband Nordhessen veröffentlicht.

Zur Errichtung des Breitbandnetzes werden zunächst Leerrohre verlegt, in die später Glasfaserkabel eingeblasen werden, die so den schnellen Datentransport überhaupt erst ermöglichen. Sogenannte Multifunktionsgehäuse in den einzelnen Orts- und Stadtteilen dienen als Koppelstationen, in denen die aktive Technik des Netzbetreibers installiert wird. Von dort aus werden die Datensignale des neuen Glasfasernetzes dann mit hoher Bandbreite über die bereits vorhandenen Kupferkabel zu den Haushalten transportiert. Während der Ausbauarbeiten werden die Glasfaserleitungen in einer Ringstruktur gebaut, um zu gewährleisten, dass es später keinen Dienstausfall bei einem möglichen Leitungsschaden gibt: Das Signal kann dank des Rings von zwei Seiten herangeführt werden. Die Bauarbeiten werden mit dem umweltschonenden Horizontalbohrverfahren sowie mit Kabelpflug- und Grabenfrästechnik oder in offener Bauweise durchgeführt.

Nach Fertigstellung der passiven Infrastruktur wird die Netcom Kassel die aktive Technik installieren und betreiben. Die Netcom Kassel wird den Wechsel des Anbieters servicefreundlich anbieten, damit die Kunden leicht in das neue Netz wechseln können. „Grundsätzlich empfehlen wir keine Kündigung des bestehenden Vertrages, lediglich eine Verlängerung des Vertrages um 24 Monate sollte vermieden werden“, so Kathrin Laurier, Geschäftsführerin der Breitband Nordhessen GmbH.

Es geht nicht um den Anschluss in Städten und größeren Orten, denn dort ist der Ausbau der Infrastruktur für die konventionellen Anbieter von Telekommunikation wegen der großen Dichte an Kunden attraktiv genug. Die Breitbandgesellschaft bereitet hingegen den Anschluss in den rund 570 Ortsteilen vor, deren Versorgung sich für einen gewöhnlichen Netzanbieter niemals lohnen würde. Dafür entsteht ein mehr als 2000 Kilometer langes Glasfasernetz bis zu den Kabelverzweigern (FTTC), das sind die hellgrauen Kästen am Straßenrand der Telefonanbieter. „Die letzte Meile bis ins Haus läuft das Signal über das vorhandene Kupferkabel“, sagt Laurier. Die Verlegung von Glasfaser bis in jedes Haus (FTTH) hätte mehr als eine Milliarde Euro gekostet. Für das laufende Projekt sind 128 Millionen Euro veranschlagt. Die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen gewährt ein zinsgünstiges Darlehen, für welches das Land Hessen bürgt.

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EXTRA INFO

In Zukunft: Bis zu 50 Megabit pro Sekunde

Die Breitband Nordhessen GmbH wurde im Februar 2014 von den fünf nordhessischen Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner gegründet. Sie setzt sich für den flächendeckenden Ausbau eines Hochgeschwindigkeitsinternets ein. Die Breitband Nordhessen GmbH koordiniert die gesamte Abwicklung und den Ausbau der Glasfaservernetzung in den nordhessischen Landkreisen. Sowohl Gewerbetreibende als auch Privathaushalte sollen im Ausbaugebiet mit Breitbandanschlüssen mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde versorgt werden.

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