Köstlicher Gerstensaft - Junge Brauerszene produziert naturbelassenes Bier

Borken. "Zwischen Leber und Milz, passt immer noch ein Pils," sagt der Volksmund und bringt damit zum Ausdruck, dass Bier eines der beliebte

Borken."Zwischen Leber und Milz, passt immer noch ein Pils," sagt der Volksmund und bringt damit zum Ausdruck, dass Bier eines der beliebtesten Getränke der Deutschen ist. Dass es dabei nicht nur um den schnellen Rausch, sondern um einzigartigen Genuss geht, ist das Ansinnen des angehenden Biersommeliers, Markus Mach. Als Botschafter der Bierkultur, wie sich der Getränkemarkt-Betreiber seit Neustem nennen darf, kennt er sich mit dem Gerstensaft aus, wie kaum ein anderer.

Edelbier für sieben Euro

Bei seinem Lehrgang bei der renommierten Fachakademie für Brauwesen und Getränketechnik, Doemens, verkostete er blind, braute selbst und lernte interessante Einzelheiten über die Getränkegruppe. "Neben den ,Fernsehbieren’ gibt es eine große Auswahl von kleinen und kleinsten Brauereien, die die Vielfalt wieder herstellen," stellt Mach fest. Wildvergorene Biere sind beispielsweise eine Spezialität, die eher als Aperitif gereicht wird, als im großen Glas für den starken Durst. Im offenen Gärbottich erhält das Getränk seine unvergleichliche Note durch die Luftbakterien und das Material der Fässer. Auch gibt es eine Bierbörse, wo die edlen Tropfen nach Jahrgängen gehandelt werden. "Das geht natürlich – aufgrund der Haltbarkeit – nur mit bestimmten Bieren," sagt der Bierexperte. Bockbiere eignen sich, um sie zwischen drei und fünf Jahre lang zu lagern. Auf den richtigen Zeitpunkt des Konsums kommt es dann an.Die junge Brauszene tauscht sich intensiv aus, das Spektrum ist viel breiter, als beispielsweise beim Wein. Aufwendig gebrautes Bier, wie das Abtei-Bier, hat auch seinen Preis: hier schlägt die Flasche mit sieben Euro zu Buche. In den USA wird auch mal ein besonderer Tropfen für 500 Euro verkauft.

Junge Brauszene im Kreis

Die neue Szene bewegt sich in Richtung Braukunst statt Massenware.Das bestätigt Braumeister Jens Kirchhainer vom Brauhaus 1880 in Fritzlar: "Ich finde es gut, dass man wegkommt von den Mainstream-Bieren. Diese Biere schmecken alle ähnlich. Bier braucht Charakter." Man verzichtet hier auf das Filtrieren und Pasteurisieren des Bieres. "Das sind Faktoren, die den Geschmack immens beeinflussen," sagt Kirchhainer. Karl-Friedrich Klitsch, Braumeister und Inhaber der Brauscheune in Edermünde-Haldorf ergänzt, dass beim Hopfen-Extrakt, den industriele Brauereien nutzen, die Bitterstoffe ausgespült werden.  Klitsch, der seit 40 Jahren Bier braut, spricht noch von einem anderen Effekt: der Gesundheit. "Beim naturbelassenen Brauen sind die Nährstoffe und Vitamine noch erhalten. Bei den großen Brauereien wird das Bier kastriert." Auch das Publikum scheint auf den Geschmack zu kommen, so  berichten die beiden Braumeister, dass das Interesse an dem ursprünglichen Hopfengetränk steigt.Noch im vorletzten Jahrhundert gab es allein in Kurhessen 790 Brauereien. Im 20. Jahrhundert erlebt die Marktkonzentration ungeahnte Ausmaße.Immer größere Getränkekonzerne kauften kleine und große Brauereien auf. Die Vielfalt ging zurück. Nun  etablieren sich wieder kleine Brauereien.

Bier: 2.000 Inhaltsstoffe

Frank Bettenhäuser, der Inhaber der Hütt und Hessischen Löwenbräu (Malsfeld) Brauereien sieht den Trend schon wieder abflachen: "Der Höhepunkt war vor ein paar Jahren. Jetzt haben schon wieder ein paar zu gemacht." Er begrüßt die Konkurrenz, denn "es ist gut, wenn etwas für die Bierkultur getan wird." Zudem wird in Malsfeld ähnlich verfahren, wie bei den Gaststättenbrauereien."Wir filtrieren auch nicht, mit der offenen Gärung unter direkter Befeuerung wird auch unser Bier im Geschmack voller". Bettenhäuser betont, dass durch die 2.000 Inhaltsstoffe im Bier viel mehr Möglichkeiten bestehen: "Wir verwenden drei verschiedene Hefen, dazu kommen unterschiedliche Hopfensorten."Das führt dazu, dass beim Löwenbräu beispielsweise auch nasal und beim Ausatmen eine Geschmacksnote aufgenommen werden kann.

Eingeschränkte Haltbarkeit

Spezielle Reisen führen den Fan in die Orte, wo noch, oder wieder, nach der guten alten Art unverwechselbares Bier gebraut wird.  Beim Mitbringen der flüssigen Köstlichkeiten ist eins zu beachten: Die naturbelassenen Biere haben den Nachteil, dass sie selbst gut gekühlt nur vier bis sechs Wochen halten.  Bei einem sind sich alle Bierspezialisten einig: das Bier der kleinen Brauereien schmeckt einfach besser, als die Massenware aus dem Supermarkt. Denn neben Leber und Milz sind vor allem Gaumen und Zunge am Trinkgenuss beteiligt.

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