Konto geplündert: Siegfried Wiegand aus Spangenberg wurde um über 18.000 Euro betrogen

Spangenberg. Der Schock ist groß, als Siegfried Wiegand am späten Abend des 21. Mai über seinen Computer auf sein Konto blickt. Innerhalb von wenig

Spangenberg. Der Schock ist groß, als Siegfried Wiegand am späten Abend des 21. Mai über seinen Computer auf sein Konto blickt. Innerhalb von wenigen Tagen wurden zwei Überweisungen an die Barclays Bank in England durchgeführt. Genau 10.550 Euro gingen an einen Mateusz Zazulak, noch einmal 8.260 Euro acht Tage später an einen gewissen Rolandas Paulauskas.

Geld ist weg

Beide Herren kennt der Spangenberger nicht. "Mir war sofort klar, dass da jemand an meinem Konto war", so der selbständige Installateur. Gleich am nächsten morgen eilt er deshalb zu seinem kontoführenden Kreditinstitut, der VR-Bank in Spangenberg, will das Geld rücküberweisen lassen. Doch es ist schon zu spät. Beide Geldbeträge wurden bereits abgehoben, so die Mitteilung aus England. "Ich wusste nicht, ob ich heulen oder die Tür eintreten soll", erinnert sich Wiegand.

Sein nächster Weg führte ihn zur Polizei, wo er Anzeige erstattet. Danach fordert er seine Hausbank auf, ihm das Geld zu erstatten. Doch die VR-Bank stellt sich stur.

Mehr noch: Die von der Bank mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragte Rechtsanwaltsgesellschaft in Hannover unterstellt Wiegand, er habe die Transaktionen womöglich selbt veranlasst. Sollte dagegen eine Schad-Software – etwa ein Trojaner – für die Überweisung verantwortlich sein, so sei der Kunde selbst verantwortlich, da die Bank keinen Einfluss auf dessen EDV-Ausstattung habe.

Für Opfer besteht Hoffnung

Diese Antwort macht Wiegand wütend. "Selbst mein Bankberater hat mir gegenüber eingestanden, dass Online-Banking nie hundertprozentig sicher ist", erklärt der Handwerker, der sich keiner Schuld bewusst ist und auch sein Geld nicht so einfach verloren geben will.

Mut macht ihm Olivia Holik. Die Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Berlin betont: "Der Bank obliegt in solchen Fällen die Beweislast. Sie müsste also nachweisen, dass Herr Wiegand seine Sorgfaltspflichten verletzt hat." Für die Opfer bestehe also durchaus Hoffnung. "Spätestens bei Einreichung einer Klage", so die erfahrene Anwältin, "knicken die Banken ein".

Ermittlungen laufen noch

Doch noch ist es nicht soweit. Die Ermittlungen beim Internet-Kommissariat in Kassel laufen nach Polizeiangaben noch. Darauf beruft sich auch Jens Diegel, Vetriebsleiter der VR-Bank in Spangenberg. "Wir warten ab, was die Staatsanwaltschaft sagt", so seine Antwort auf unsere Anfrage, "schließlich müsse seine Bank auch Gläubigerschutz betreiben". Mehr, so Diegel mit Hinweis auf das schwebende Verfahren, könne er noch nicht sagen.

Wiegand indes hat seine Konsequenzen schon gezogen: "Ich bringe meine Überweisungen wieder persönlich zur Bank", erklärt er. "Und außerdem überlege ich das Geldinstitut zu wechseln."

Tipps für sichereres Online-Banking

• Ignorieren Sie Email, in denen Sie aufgefordert werden, Passwörter, PIN undTANs einzugeben• Gehen Sie nicht über Links auf die Seite Ihrer Bank. Geben Sie den Namen der Homepage eigenhändig in die Adresszeile ein• Sichere Transaktionen beim Online-Banking finden nur über SSL-verschlüsselteInternetseiten statt• Sollten Sie versehentlich eine zweifelhafte Internetseite besucht und dort Ihre Daten eingegeben haben, empfehlen wir Ihnen, Ihr Passwort sofort zu ändern und die TAN-Liste Ihrer Bank sperren zu lassen• Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge. So können Sie widerrechtliche Kontobewegungen schnell erkennen und zurück buchen lassen• Benutzen Sie keinen fremden Rechner für das Online-Banking• Melden Sie Abbrüche und Unregelmäßigkeiten während des Online-Bankings bei Ihrer Bank• Sollten Sie doch Opfer geworden sein, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei undinformieren Sie Ihre Bank• Ein gesundes Misstrauen, eine aktuelle PC-Software und das Einhalten von Handlungsempfehlungen machen es den Tätern schwerer• Haben Sie eine Phishing-Mail bekommen, schicken Sie diese unabhängig von der Anzeigenerstattung an antiphishing@hlka.de.

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