Vom Leben inspiriert

,Blind Date im Dienstagbistro: Arno Knauf trifft Rainer HuselVon ULRICH KSTERTreysa. Es wird ein sehr musikalischer, aber auch ein

,Blind Date im Dienstagbistro: Arno Knauf trifft Rainer Husel

Von ULRICH KSTER

Treysa. Es wird ein sehr musikalischer, aber auch ein biografischer Abend, sagte Simone Brede, die Organisatorin des Dienstagsbistros in Hephata, bei ihrer Begrung. Das Motto des Abends war auch das Programm, mit Rainer Husel aus Marburg und Arno Knauf aus Zella trafen zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander, die aber mindestens zwei Schnittpunkte hatten: Sie sind beide blind und sie machen beide Musik. Letzteres gibt ihnen die Mglichkeit, ihre Sicht der Dinge einem greren Publikum darzubieten. An diesem Abend wurde besonders deutlich, wie stark sich unsere Sprache am Sehen orientiert und so war es nicht verwunderlich, dass auch Husel und Knauf oft Worte wie hinschauen, Anblick oder eben Sicht auf die Dinge verwendeten. Das Musikalische und das Biografische mischten sich hufig. Das Lied Alles klar, Mama beispielsweise widmete Knauf seiner Mutter, die ihn immer tatkrftig untersttzt. Im Lied, Novembermorje, besingt er einen Jugendlichen, der in die rechte Szene abdriftet. Rechtsradikalismus ist ein Thema, das ihn immer wieder beschftigt, ...lass die Finger weg von der Bagage heit es da in einer Zeile.

Komponieren, Musizieren und Unterrichten

Untersttzt wurde er dabei von seinem Musikerkollegen Stephan Gladigau, der als Diakon in Hephata ttig ist. Ich sehe mich eher als Pessimist, sagte Knauf, der nach eigenen Angaben immer mal wieder aneckt und sich selbst auf der anderen Seite des Schreibtisches sieht. Doch mit seiner Ironie bringt er sein Publikum sowohl zum Nachdenken, als auch zum Schmunzeln, Ich erlauschte 1966 die Tne der Welt, beschrieb der 44-jhrige seine Geburt. Ganz anders dagegen Rainer Husel, Ich bin immer auf die Schokoladenseite gefallen, erklrte der Musiker. In den ersten sechs Lebensjahren habe ich noch zehn Prozent Sehfhigkeit gehabt und sogar Fuball gespielt, aber durch eine Netzhautablsung gehre ich seit meinem zehnten Lebensjahr zu den zehn Prozent in Deutschland, die vllig blind sind, so der 56-Jhrige weiter. Husel studierte anfangs Jura in Marburg, aber da ist mir sehr frh die Musik dazwischen gekommen, beschrieb er grinsend den Wechsel zum Berufsmusiker. Seither knne er gut vom Komponieren, Musizieren und Unterrichten leben, sagte er und gab sogleich einige Kostproben seiner Kunst. In dem Stck Weckerbericht, besingt er einen Rachefeldzug gegen seinen Nachbarn und simuliert dabei perfekt eine Schallplatte, die immer an der selben Stelle springt. Trotz der gegenstzlichen Charaktere und unterschiedlichen Lebenslufe oder gerade deswegen war es fr die etwa 30 Zuschauer ein unterhaltsamer Abend.

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