Letzte Ruh' im Rumpelsarg: Lieferte Bestatterfirma ramponierten Sarg?

Kassel. Es war schon schlimm genug für Martina Gerstner, als ihre Mutter starb. Doch als sie den Sarg sah, brach für die junge Frau eine Welt zusam

Kassel. Es war schon schlimm genug für Martina Gerstner, als ihre Mutter starb. Doch als sie den Sarg sah, brach für die junge Frau eine Welt zusammen."Ich hatte die Bestattungsfirma Böhringer angerufen und gesagt, ich möchte das gleiche Sargmodell wie für meinen Onkel vor einigen Jahren", weinte sie am Telefon. "Und dann bekam  ich diesen Anruf vom Nordfriedhof, ich solle doch sofort mal kommen und mir den Sarg anschauen, in dem meine Mutter angeliefert worden war." In der Leichenhalle war Martina Gerstner nur noch geschockt. "Der Sarg sah aus, als ob er jahrelang in einer Ecke vor sich hingegammelt hätte. Alle Ecken waren abgestoßen. Und im Kopfkissen steckte eine alte schmutzige Decke."

Martina Gerstner untersagt dem Bestattungsdienst Ilse-Marie Böhringer jede weitere Aktivität im Zuge der Bestattung ihrer Mutter und beauftragt einen zertifizierten Bestatter, ihre Mutter umzubetten und die Bestattung würdig durchzuführen. "Mein Vater hat sich die Augen ausgeweint nach dem Tod meiner Muttter.  Wenn der den Sarg gesehen hätte, wäre er zusammen gebrochen."

Bestatter Helmut Brehm, Ehrenobermeister der Schreinerinnung, der den Auftrag durchführte, war sprachlos, als er den zusammengeflickten Sarg sah: "Den konnte man nur als Havarieware bezeichnen."

"Gibt einige schwarze Schafe"

Auch Heiko Wicke, Sprecher der Bestatterarbeitsgemeinschaft Region Kassel, ist der Fall bekannt: "Der Sarg sah aus, als ob er jahrelang im feuchten Lager hin und her gestapelt worden wäre. Den hätte ich höchstens noch für eine Feuerbestattung genommen und mich dann noch geschämt, wenn ich ihn dort abgeliefert hätte." Er rät allen Betroffenen, sich im Trauerfall an einen Bestatter zu wenden, der entweder zertifiziert  oder Mitglied  in einer  Vereinigung ist. "Bestatter  ist kein geschützter Beruf. Es gibt einige schwarze Schafe, die aus dem Katalog verkaufen und eine Hinterhofwerkstatt betreiben", so Wicke.

Firma weist Schuld von sich

Ilse-Marie Böhringer weist alle Schuld weit von sich: "Wir haben einen ganz normalen Sarg angeliefert. Wir können nichts dafür, wenn der von der Friedhofsverwaltung oder anderen Bestattern bewegt und dabei beschädigt wird."

Empört zeigte sich Jürgen Rehs, Dienststellenleiter der Kasseler Friedhöfe, von dieser Behauptung: "Von dieser Firma sind wir so etwas schon gewohnt. Deshalb haben alle Vorarbeiter den Auftrag, die Särge der Firma Böhringer  genau unter die Lupe zu nehmen und auf Schäden hinzuweisen. Es ist schon eine abenteuerliche Behauptung, dass wir für die zahlreichen Macken verantwortlich sein sollen."

Martina Gerstner hat einen Rechtsanwalt damit beauftragt, ihr Geld zurück zu fordern, denn die Firma Böhringer hatte die Rechnung schon vor der Beerdigung geschrieben. Und billig war die Arbeit nicht: Für den kaputten Sarg hat die Firma 1200 Euro gefordert.

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