Die letzten Tage im grünen Kleinod

Pfarrer Helmut Reschke nimmt nach 25 Jahren AbschiedVon ALEXANDER GBERTZiegenhain. Vermutlich sind es die letzten warmen Tage in diesem Sommer.

Pfarrer Helmut Reschke nimmt nach 25 Jahren Abschied

Von ALEXANDER GBERTZiegenhain.Vermutlich sind es die letzten warmen Tage in diesem Sommer. Noch dominiert in dem Garten im Ziegenhainer Dammweg 7 saftiges Grn. Die Sonnenblumen recken ihre Kpfe gen Himmel und auch sonst steht alles in voller Blte. Die Atmosphre lsst sich am besten mit den Worten friedlich und ausgeglichen beschreiben. Nur leise dringen die Gerusche von der nicht weit entfernten Hessenallee in den Garten. Vogelgezwitscher verbindet sich mit dem Suseln des Windes in den groen Tannen, die das Areal eingrenzen. Hier fhle ich mich wohl und kann prima beten, sagt Pfarrer Helmut Reschke mit ruhiger Stimme. Ein Quentchen Melancholie ist nicht zu berhren. Neben ihm auf der berdachten Holzbank sitzt seine Frau Waltraut. Sie streichelt ihm sanft ber den Arm. Oft und sehr lang haben die beiden hier in den vergangenen 25 Jahren gesessen. Die Tage in ihrem ganz persnlichen Kleinod sind aber gezhlt. Bald heit es Kofferpacken und den Umzug organisieren. Nach 25 Jahren als evangelischer Gemeindepfarrer der Kirchengemeinde Ziegenhain heit es fr den 62-Jhrigen Abschied nehmen. Reschke geht zum 1. September in Ruhestand. Zurck lsst er eine Gemeinde, die mehr als 3.000 Mitglieder umfasst. Darunter sind nicht wenige, die sich gewnscht htten, er wrde noch bleiben. Der Grund: Warmherzig, glaubwrdig und aufgeschlossen hat sich Reschke in den 25 Jahren seines Wirkens den Ruf eines engagierten Gottesmannes erarbeitet. Einer, der das offene Wort, entlang der christlichen Basis, liebt.Auf der Schwelle zum TodIm Alter von 13 Jahren fiel fr Reschke, quasi ber Nacht, der Entschluss in den Dienst Gottes zu treten. Eine groe Rolle spielte dabei sein glubiges Elternhaus in der Nhe von Oldenburg. Auf der Suche nach Klarheit hatte ich eines nachts ein Bekehrungserlebnis. Von da an stand fest: ich mchte Pfarrer werden. Auch wenn er der Schwalm schon bald den Rcken kehrt, betont Reschke: Ich laufe nicht weg, sondern versuche Abstand zu gewinnen. Die Leute hier sind mir ans Herz gewachsen. Aber vielleicht helfe ich der Gemeinde so, Abschied zu nehmen. Reschke erinnert sich noch sehr gut an die Zeit als er die Nachfolge von Pfarrer Hochstadt antrat und sich auf das Abenteuer Schwalm einlie: Es war sicherlich kein Zweifeln. Aber jeder Ortswechsel bedeutet auch neue Menschen.

Von denen wurde die Pfarrersfamilie Mitte der Achtzigerjahre herzlich aufgenommen. Nach einem schweren Herzinfarkt im September 2005 befand er sich auf der Schwelle zum Tod. Erst Monate spter konnte er seinen Dienst wieder aufnehmen. Reschke: Ich habe in dieser Zeit viel ber den Tod und das Leben nachgedacht und Antworten bekommen.

Und auch wenn er berzeugt ist, als glubiger Mensch nach dem Tod das ewige Leben zu bekommen, hat er den starken Wunsch, noch Jahre auf Erden zu wandeln. Denn: Auch nach seiner Zeit als Pfarrer gibt es viel zu tun. Zum Beispiel soll ihm seine Frau, Waltraut, das Kochen beibringen. Die sieht damit eine groe Aufgabe auf sich zukommen: Auer Bratkartoffeln und Ttensuppe halten sich seine Kochknste in Grenzen.

Bleibt jetzt noch die Frage: Wie geht es in der bald verwaisten Kirchengemeinde weiter? Sicher ist: Ein Nachfolger wird kommen. Der, so zeigt sich Reschke berzeugt, trifft auf eine groartige, lebendige und mndige Gemeinde. Zu seiner letzten Predigt steigt Pfarrer Helmut Reschke, am heutigen Sonntag, 29. August, auf die Kanzel in der Ziegenhainer Schlosskirche. Der Abschiedsgottesdienst beginnt um 14.00 Uhr.

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