Melsunger Zahnärztin Dr. Petra Rauch im Interview: „Gesund im Mund stärkt Immunsystem“

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Das Coronavirus stellt auch Dr. Petra G. Rauch und ihr Team mit (v. li) Natalija SchlegelNadine Fey, Tanja Cert (alle Zahnmedizinische Fachangestellte) und Zahnärztn Dagmar Hadler vor neue Herausforderungen.

Corona sorgt auch in Zahnarztpraxen für viele Herausforderungen und Fragen. Im Interview erklärt Dr. Petra Rauch welche Schutzmaßnahmen in der Zahnarztpraxis gelten, wer aktuell in ihrer Praxis behandelt wird und das man gerade jetzt viel selbst für seine Mundgesundheit tun sollte.

Schwalm-Eder. Das Corona-Virus stellt Politik, Wirtschaft und die Gesamtgesellschaft weiter vor große Aufgaben, die mitunter weitreichende Folgen haben bzw. haben können. Während es in den vergangenen Wochen doch einige Lockerungen gegeben hat, herrscht im Bereich Gesundheit in der Bevölkerung noch immer große Unsicherheit.

Auch Dr. Petra Rauch, Vorsitzende der Kreisstelle Fulda Eder Nord der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen (KZVH), ist seit Wochen mit dieser Verunsicherung seitens Patienten, aber auch Kollegen konfrontiert. Im Interview erklärt die Zahnmedizinerin welche Schutzmaßnahmen in der Zahnarztpraxis gelten, wer aktuelle in ihrer Praxis behandelt wird und das man gerade jetzt viel selbst für seine Mundgesundheit tun sollte.

Dr. Petra Rauch

Wie stellt sich für Sie die aktuelle Situation mit dem Corona-Virus im Praxis-Alltag für Sie, Patienten und Kollegen dar?

Zu Beginn der Krise erreichten uns täglich viele Anrufe von verunsicherten Patienten aber auch von Kolleginnen und Kollegen: „Findet meine Behandlung denn noch statt?“, oder, „Wie macht ihr das denn in eurer Praxis?“ Die Gefahr einer Ansteckung ist für das zahnärztliche Personal und Zahnärzte hoch. Verständlich, dass diese Situation von allen Beteiligten, Patienten wie Fachpersonal, mit Besorgnis betrachtet wird. Alle haben Angst vor einer Ansteckung. In den Zahnarztpraxen in meiner Kreisstelle bestand daher eine große Verunsicherung. Die aktuelle Gesundheitskrise wird uns nicht nur heute, nicht nur während der nächsten vier Wochen, sondern womöglich noch viele Monate beschäftigen. Daher müssen wir eine Haltung zu der Situation finden, die größtmögliche Sicherheit für die Mitarbeiten in den Zahnarztpraxen und für die Patienten bietet. Wir halten die Grundregeln, die in jeder Krise, insbesondere in einer Pandemie gelten, selbstverständlich ein. Zügig wurden in den Zahnarztpraxen zusätzliche Maßnahmen umgesetzt, um jedem Patienten die größtmögliche Sicherheit zu bieten.

Wie gehen Sie bei der Patientenaufnahme vor?  Finden Termine weiter wie gewohnt statt?

Generell können Behandlungen wieder durchgeführt werden. Im Zweifel fragen Sie bitte Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt. Jeder sollte sich weiterhin trauen, zum Zahnarzt zu gehen. Wir haben die Tagespläne ausgedünnt – weniger Patienten in der Praxis, weniger Behandlungen pro Tag. Zudem werden nur notwendige Behandlungen und Notfallbehandlungen durchgeführt. Dabei arbeiten wir mit voller Schutzausrüstung: Handschuhe, Mundschutz, Brille – je nach Behandlung – gegebenenfalls langärmelige Mäntel und Schutzvisiere. Wir erkundigen uns vor jeder Behandlung, ob der Patient gesund ist und/oder mit einer infizierten Person Kontakt hatte. Für mit COVID-19 infizierte Patienten gilt, dass alle Behandlungen außer Schmerzbehandlungen aufgeschoben werden müssen. Für Schmerzbehandlungen müssen die speziellen COVID-19 Zahnarztpraxen aufgesucht werden. Es gibt mittlerweile auch Praxen in der Kreisstelle, die COVID 19 positive Patienten behandeln. Bitte nehmen Sie Kontakt mit ihrer Zahnarztpraxis auf. Dort hilft man Ihnen weiter.

Wie schlagen sich der gestiegene Hygieneaufwand bei einer geringeren Anzahl an Patienten auf die Kosten für die Praxen nieder?

Dabei muss eines vorweg gesagt werden: Aktuell kommen noch keine höheren Kosten auf den Patienten zu. Wer allerdings seinen Behandlungstermin nicht wahrnehmen möchte, ruft bitte rechtzeitig an – also mindestens drei Tage vor dem Termin. Gerade in Zeiten „ausgedünnter Termine“ ist jeder nicht wahrgenommene Termin nicht nur ein Nachteil für uns, weil sich die Einnahmen reduzieren, sondern auch für einen Patienten, der dringend einen Termin benötigt. Bedenkt man, dass uns Corona noch einige Zeit begleiten wird und aufgeschobene Behandlungen dann nicht im „Zeitraffer“ nachgeholt werden können, so wird sich die Versorgungslage negativ verändern. Dies wird zu Kostensteigerungen führen. Das Beratungforum für Gebührenordnungsfragen einigte sich auf eine Corona-Hygiene-Pauschale, die seit 8. April bei privat Versicherten für den erhöhten Aufwand berechnet werden kann. Die privaten Krankenversicherungen und die Bundeszahnärztekammer haben sich auf einen Betrag in Höhe von 14,23 Euro je Behandlungssitzung geeinigt. Für gesetzlich Versicherte stehen noch immer Verhandlungen aus. Wir hoffen, dass wir auch hier eine angemessene Unterstützung erhalten.

Das Thema Mundgesundheit ist aktuelle sicherlich wichtiger denn je. Was können die Leute für sich selbst tun?

 Danke für die Frage. Ja, gesund im Mund stärkt das Immunsystem. Man sollte sich täglich Zeit für die Zähne und für die Erhaltung der Mundgesundheit, insbesondere des Zahnfleisches nehmen: Fünf Minuten Bürstenmassage für Zähne und Zahnfleisch, idealerweise am Abend, helfen, damit die Inhaltsstoffe der Zahncremes ihre schützende Wirkung für Zähne und Zahnfleisch vollständig entfalten können. Wer die Anlage zu einer parodontalen Erkrankung hat, sollte unbedingt zusätzlich mit Zahnseide und Interdenatlbürstchen arbeiten. Spülungen können ebenfalls unterstützend wirken. Bei wiederholtem Zahnfleischbluten sollte man aber umgehend zum Arzt gehen. Auch Kindern (bis ca. 10 Jahre) sollten zweimal täglich, aber mindestens am Abend die Zähne mit KAI (Kaufläche, Innen, Außen) geputzt werden.

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