Möbel, wie sie keiner hat

Homberg. Warum junge Leute Tischler werden wollen? Auf diese Frage lieferten jüngst 32 Schüler der RFES in den vergangenen beiden Wochen eine überz

Homberg. Warum junge Leute Tischler werden wollen? Auf diese Frage lieferten jüngst 32 Schüler der RFES in den vergangenen beiden Wochen eine überzeugende Antwort: Sechs handwerklich anspruchsvolle Spielemöbel stellten die Jugendlichen in der Schalterhalle der Kreissparkasse an der Drehscheibe aus.Bewundern konnte die staunende Bankenkundschaft über ein Sideboard, einen Mobil-Spieletisch, ein Kickbord, einen Pick-Up, einen Dartschrank und ein Legomobil. Schon das Aussehen der Möbel ließ keinen Zweifel über deren Verwendungszweck aufkommen: Sie sind allesamt zum Spielen da. Wie Berufsschullehrer Matthias Rohwer erläuterte, war dies auch eine Bedingung bei der Projektierung. Im Rahmen der Initiative "European Games Pool" des Fachbereichs Holztechnik der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule (RFES) begannen die zwischen 16 und 26 Jahre alten Schüler schon vor zwei Jahren mit der Planung der Spielemöbel.

Lernen am Auftrag

"Die Tischler-Azubis sollten ein Möbelstück entwerfen und planen, welches Spiele bereitstellt, aufbewahrt und zum Spielen anregt", erklärte Rohwer die Aufgabenstellung. Der Lernprozess habe sich anschließend entwickelt über die Auftragserfassung, die Skizzen und Entwürfe, und über die konkrete Gestaltung bis zur Umsetzung in der Werkstatt. So stelle der Lehrplan für die Tischlerausbildung ein praktisches "Lernen am Auftrag" sicher, wie es auch später im Berufsleben vorkommt. "Unser Ziel ist es, dass schulisches Lernen nicht das abstrakte und theoretische Buchwissen vermittelt, sonder die Schüler dazu befähigt, Kundenaufträge verantwortungsbewusst und fachgerecht auszuführen", bestätigte Pädagoge Frank Lindekamm, der ebenfalls die Tischler-Azubis an der RFES betreut. Denn der Auftrag sei gestaltendes Geschäftsprinzip des Handwerks. An der RFES werden außerdem traditionelle Handwerkstechniken mit modernen, computergestützten Fertigungsmethoden verknüpft.

Wertvolle Einzelstücke

Natürlich ist eine so praxisnahe Ausbildung nicht zum Nulltarif zu haben. Einen der heimischen Region stets stark verbundenen Partner fand die RFES in der Kreissparkasse Schwalm-Eder mit der Sparkassenkulturstiftung. Nach Auskunft von Michael Sack, Direktionsleiter der Kreissparkasse in Homberg, hat die Kulturstiftung das Spieletische-Projekt mit 1.125 Euro gefördert. Von dem Geld konnten sich die angehenden Tischler im 3. Berufsschuljahr das Material zur Verwirklichung ihrer Ideen kaufen. Und mit ihrer Investition hat die Kulturstiftung die Schaffung hoher bleibender Werte unterstützt. Würde man die Spielemöbel auf dem freien Markt veräußern, schlügen die einzelnen Stücke mit 600 bis 1.600 Euro zu Buche; so die Schätzung von Holzfachmann Rohwer. "Immerhin wurde beispielsweise im Kickbord teure LED-Technik verarbeitet."Behalten dürfen die Schüler ihre schönen Arbeiten allerdings nicht. Mit der diese Woche zu Ende gehenden Ausstellung werden die Spielemöbel an öffentliche Einrichtungen gespendet. Beispielsweise Kindergärten, Schulen, Altenheime und andere dürfen sich um ein solches Tischlerstück bewerben.

Infos im Netz

Anfragen sind zu richten an matthias.rohwer@berufs schule-fritzlar-homberg.de oder per Telefon unter 05681 / 930343. Mehr über das auftragsorientierte Lernen in der Initiative European Games Pool der Berufsfachschule Holztechnik erfahren interessierte unter www.egp.rfes.de

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