Mord und Totschlag

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Melsungen. Die Fachwerkstadt zeigt sich bei einer Nachtführung von ihrer dunklen Seite.

Melsungen. Wenn die letzten Sonnenstrahlen verschwinden und sich die Nacht über Melsungen ausbreitet, beginnt seine Arbeit. Dann versammelt der Melsunger Stadtschäfer allerlei Gefolge um sich, und geleitet die Mutigen, die sich trauen, auf einer ganz besonderen Stadtführung durch die Bartenwetzerstadt. Die Geschichten, die dabei zu Ohren kommen, sind keinesweg romantisch. Sie handeln von Mord, Tod und Verderben.

Der Schäfer – das ist Volker Wiegand. Der pensionierte Lehrer hat die Führungen durch Melsungen unter dem Motto: "Die dunkle Seite der Stadt" im Dezember 2012 mit ausgearbeitet und initiiert. "Geschichte ist mein Hobby", erklärt er. Stadtführungen mache der gebürtige Melsunger bereits seit etwa 14 Jahren. "Aber die bietet jeder an. Wir wollten etwas Besonderes machen. So kamen wir auf die Idee", erklärt Wiegand, der auch Mitglied des Geschichtsvereins ist.

Etwa einmal im Monat findet eine öffentliche Führung statt. Die Geschichten von dem Mädchen Anna, das schwanger ist und aus Verzweiflung Selbstmord begeht und dem Grünen Heinrich, dem emsigen Forstwirt, der in einem Flammeninferno seinen Tod findet, hat der Röhrenfurther in alten Büchern gefunden. "Im Kern sind sie alle wahr. Teilweise wurden die Namen geändert, aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen", erklärt er. Die Führungen seien immer gut besucht. Viele Melsunger und Menschen aus der näheren Umgebung, aber auch Interessierte aus Guxhagen oder Rotenburg kämen. Auch an diesem Abend haben über 20 Interessierte den Weg in die Fachwerkstadt gefunden, um des Schäfers Geschichten zu lauschen. Mit Umhang, Schaufel und Hut ist er ausgestattet – um die Geschichten mit einem gewissen Flair zu versehen. Dafür sind auch die Laternen gedacht, die an die Traube Mitgehender verteilt werden. Wie eine Prozession zieht die kleine Gruppe dann durch die Stadt.

Der Marsch führt über den Friedhof. Bevor der betreten wird, verteilt Schäfer Wiegand Fackeln. "Als wir mit den Führungen anfingen, haben besorgte Anwohner die Polizei gerufen. Sie dachten, wir wären Rechtsradikale", erinnert er sich. Komisch muss das Bild auch anmuten: Eine Menschentraube, bewaffnet mit Laternen und Fackeln, auf dem städtischen Friedhof.

Die Führung endet, nach gut zwei kurzweiligen Stunden, im Melsunger Rathaussaal. Dort verteilt Wiegand den original Melsunger Bartenwetzer, einen Magen-Bitter, an alle Teilnehmer. Der wird dankend angenommen, denn der Abend war kühl und der Schnaps wärmt von innen die kalten Glieder. Die Geschichten  sind des Schäfers Vermächtnis, das er an diesem Abend an die Zuhörer weitergegeben hat. Die Laternen gehen aus, und der ein oder andere geht mit einem mulmigen Gefühl nach Hause.

+++ EXTRA-INFO +++

Für die nächste Führung anmelden

Wer einmal selbst mit dem Stadtschäfer die dunkle Seite von Melsungen erleben möchte, hat dazu am Samstag, 3. Mai, sowie am Samstag, 17. Mai, jeweils ab 21 Uhr Gelegenheit. Die Führung dauert etwa zwei Stunden und kostet 5 Euro. Treffpunkt ist an der Kultur- & Tourist-Information. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, deswegen ist eine frühzeitige Anmeldung ratsam.

Anmeldung bei der Kultur- & Tourist-Information, Telefon: 05661 / 708 200.

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