Scherf: ,Grau ist bunt’

Bremens Altbrgermeister auf Melsunger SeniorentagenVon M. ERHARDT-MLLERMelsungen. Grau ist bunt was im Alter alles mg

Bremens Altbrgermeister auf Melsunger Seniorentagen

Von M. ERHARDT-MLLERMelsungen. Grau ist bunt was im Alter alles mglich ist so lautete die berschrift des Festvortrags vorigen Samstag in der Kulturfabrik, den Dr. Henning Scherf, Jahrgang 1938, Oberbrgermeister a. D. aus Bremen, im Rahmen der Melsunger Seniorentage hielt. Der Titel war Programm: Im vollbesetzten Saal machte Scherf seinem Publikum Lust aufs Altern, denn im Alter ist das Leben nicht vorbei, sondern muss nur neu und anders organisiert werden. Alter ist keine Katastrophe ich freue mich auf jeden Tag, rief er seinen Gsten zu. Lchelnd, voller Charme und berzeugungskraft, gewrzt mit kleinen Anekdoten, sprach Scherf aus, was mancher schon im Herzen fhlte: Wer seinen Job zur Rente an den Nagel hngt, gibt damit sein Leben doch nicht auf! Im Gegenteil, er wird neugierig auf alles, was noch kommen mag. So solle man sich positiv einrichten in die Zeit als Pensionrin oder Pensionr.

Scherf stellte sich und dem Publikum auch Fragen, die fr ein selbst bestimmtes Leben im Alter wichtig sind und die sich jeder Einzelne rechtzeitig selbst vorlegen solle: Wie wollen alte Menschen in Zukunft leben? Welche Mglichkeiten gibt es, mit dem Altern positiv und selbstbestimmt umzugehen? Solche Fragen, betreffen Gesellschaft und Politik. Auf der Suche nach Antworten erzhlte der Altbrgermeister davon, wie seine Groeltern und Eltern gealtert sind, und wie er selbst im Alter gern leben will. Der Angst vor dem eigenen Altern und der Panik vor einer lter werdenden Republik stellte Scherf ein Altersbild entgegen, in dessen Mittelpunkt eine alternative Lebensform steht, die er selbst in einer Senioren-Wohngemeinschaft mit mehreren Leuten praktiziert. Immer wieder betonte Henning Scherf, wie wichtig Teilhabe und Selbstbestimmung im Alter fr jeden Menschen seien. Man knne nicht rechtzeitig genug damit beginnen, sich zu berlegen, wie man alt werden will. Wichtige Fragen nicht auszuklammern, bewusst zu planen, wie das Leben im Alter fr einen selbst aussehen soll dazu regte er an. Auch das Abschied nehmen sparte der Referent nicht aus. Der Tod und das Reden ber das Sterben drfen nicht tabuisiert werden, mahnte Scherf, der Tod gehrt zum Leben dazu. Und er bleibt nicht weg, nur weil man nicht ber ihn spricht. Wir mssen zu einem neuen Miteinander finden, aber auch die eigene Sterblichkeit akzeptieren.

Sehr bewegend erzhlte er von sterbenskranken Bewohnern in seiner Wohngemeinschaft, deren letzter Wunsch es gewesen sei, in der gewohnten Umgebung zu sterben und von den anderen Bewohnern gepflegt zu werden. Diese Pflege der todkranken Menschen sei eine neue Erfahrung fr alle gewesen und habe die WG-Bewohner enger zusammengeschweit. Eine neue Nhe und neues Vertrauen seien gewachsen. Gegen Ende des Vortrages forderte Henning Scherf die Zuschauer auf, Fragen an ihn zustellen. Danach bot er ihnen noch die Gelegenheit, ein von ihm zum Thema geschriebenes Buch zu kaufen und es sich gleich signieren zu lassen.

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