Von den Schirnen getragen

Georg Ritter bringt ,Einmaliges Kleinod Publikum nher Von Christian UtpatelHomberg. Sie waren im Mittelalter eine technische Meisterleist

Georg Ritter bringt ,Einmaliges Kleinod Publikum nher

Von Christian Utpatel

Homberg. Sie waren im Mittelalter eine technische Meisterleistung, die kleinen Lden am Rand des Homberger Marktplatzes. Etwas unbeachtet sind die Schirnen in den Gewlben unterhalb der Stadtkirche untergebracht. Ohne sie aber htte die Kirche keinen Halt, ihre Konstruktion erforderte groes Geschick. Fr Georg Ritter vom Verein Brger fr Homberg gehren die Schirnen darum zu den ganz groen Besonderheiten, die im Homberger Tourismus viel grere Beachtung finden mssten.

Alle Pltze waren besetzt

Am vergangenen Mittwoch stellte Georg Ritter auf Einladung des Homberger Geschichtsvereins aktuelle Forschungen zu den Schirnen vor. Trotz Schnee und Klte war der Saal im Gasthaus Krone bis auf den letzten Platz gefllt. Georg Ritter war ganz in seinem Element und erklrte dem staunenden Publikum mit zahlreichen Bildern und Zeichnungen, welches Kleinod sie in ihrer Stadt haben. So fhrte Ritter aus, dass Homberg schon im frhen Mittelalter eine lebhafte Handelsstadt war. Die Verkehrslage war ideal, der Baugrund dagegen nicht. Die Lage am Hang mit unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit und viel Grundwasser erforderte groes Geschick rund um Kirche und Marktplatz. So musste erst ein Plateau angelegt werden, auf dem wohl schon im 12. Jahrhundert eine Kirche stand. Als dann 1340 mit dem Bau der heutigen Marienkirche begonnen wurde, musste der Kirchplatz erweitert werden. Terrassenfrmig (und mit einer Technik, die schon die Rmer benutzt hatten) wurden Gewlbe vor den Kirchplatz gebaut, die dann oben verfllt wurden und einen groen Platz entstehen lieen: Zum Markt hin entstanden offene Unterstnde, die so genannten Schirnen. Bis heute ist nicht wirklich erforscht, wie genau das funktioniert. Sicher aber ist, dass die Gewlbe schon direkt auf den Turm ausgerichtet wurden.

Bodenradar in 2007

Georg Ritter konnte das Bild eines Bodenradars zeigen, das 2007 bei der Neugestaltung des Kirchplatzes angefertigt wurde. Deutlich ist hier die alte Sttzmauer zu erkennen, die hinter den Schirnen verluft und bis heute erhalten ist. Bis 1596 waren die Gewlbekeller zum Marktplatz hin offen und boten Hndlern einen geschtzten Platz fr ihre Waren. Einige verschwanden dann unter neu gebauten Husern, andere wurden mit kunstvoll gestalteten Sandsteinwnden verschlossen und an Bcker, Metzger und eine Garkche vergeben. Dies alles unter der Obhut des Landgrafen, der auch schon mal eingriff, wenn es die Hndler in den Htten an Brot und Wecken mangeln lieen.

Plne fr die Zukunft

Ausdrcklich bedauerte Georg Ritter, dass die historische Bedeutung der Schirnen in den letzten Jahren nicht beachtet wurde. Aus seiner Sicht wren die Schirnen eine groe Bereicherung fr den Marktplatz, wenn sie entsprechend eingebunden und genutzt wrden. Ritter, in Homberg fr seine vielfltigen Ideen zur Stadtplanung bekannt, legte auch diesmal konkrete Plne und detaillierte Skizzen vor. So zeigt er ein Gemlde aus dem Jahr 1831 eine berdachung vor den Schirnen. Die, so Ritter, sollte man rekonstruieren, um die Flche vor den Schirnen als Sitzplatz fr Cafs attraktiver zu machen. Ritters Ideen aber gehen noch weiter: So knnte man die Dcher so gestalten, dass sie auch in Gegenrichtung gedreht werden knnen. Das Dach fr eine Bhne wrde entstehen, vor der mehrere Hundert Leute Platz htten. Auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist: Die Liebe zu den Schirnen hat Georg Ritter unter seinen Zuhrern geweckt. Und als sie die Krone verlieen staunten sie einmal mehr ber die Kirche, die auf so imposante Weise ber dem Marktplatz thront von den Schirnen gehalten.

Extra Info

Woher stammt der Begriff Schirnen?Der Begriff Schirnen bezeichnete ursprnglich einen offenen Verkaufsstand und stammt vom althochdeutschen scranna ab. Es wurde zum mittelhochdeutschen Schranne und spter zu Scherne oder Schirn. In der bei Touristen besonders beliebten Stadt Rotenburg erinnert der Schrannenplatz an diese Bedeutung. Der Begriff Schirnen wird heutzutage in Deutschland, auer in Homberg, nur noch an einer einzigen Stelle benutzt: Fr die Schirn Kunsthalle in Frankfurt. Sie steht in der im 2. Weltkrieg zerstrten Frankfurter Altstadt, dort wo die Metzger ihre Verkaufsstnde hatten.

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