Schlachtfeld Straße

Von ANDREAS BERNHARDMelsungen. Ein kurzes Quietschen, dann ein lauter Knall. Das zentnerschwere Wildschwein wird durch die Wucht des Aufpralls meterwe

Von ANDREAS BERNHARD

Melsungen. Ein kurzes Quietschen, dann ein lauter Knall. Das zentnerschwere Wildschwein wird durch die Wucht des Aufpralls meterweit ber die Strae geschleudert. Das Auto erleidet Blechschaden, der Fahrer kommt mit einem gehrigen Schrecken davon.

Rund 100 Tote durch Wild pro Jahr

Diesmal war alles nur Show, fr die Kameras der Presse gestellt der Eber bereits vorher tot, doch ziemlich genau so passiert es rund 16.000 Mal pro Jahr in Hessen. Das sagt zumindest die Statistik des Umweltministeriums, Experten schtzen allerdings, dass die Dunkelziffer mindestens noch einmal genauso hoch ist. Und die erschreckenden Zahlen steigen rapide an.

Grund fr den hessischen Landesjagdverband, zusammen mit dem ADAC, bessere Schutzmanahmen fr Autofahrer und Wild zu fordern. Besonders an Unfallschwerpunkten, so betont Dietrich Mller, Prsident des Landesjagdverbandes, knnte so die Zahl der Wildunflle halbiert werden.

Nordhessen besonders betroffen

Die Straen entwickeln sich buchstblich zu Schlachtfeldern, so Mller in drastischen Worten. ADAC-Mann Wolfgang Herda schtzt, dass etwa 100 Verkehrstote pro Jahr auf unerwartete Begegnungen mit Rehen, Hirschen oder Wildschweinen zurck zu fhren sind. Besonders betroffen sind waldreiche Gebiete wie Nordhessen.

Allein das Aufstellen von Warnschildern, so Verbandsprsident Mller, reiche nicht, denn diese verlieren mit der Zeit ihre warnende Wirkung auf die Autofahrer. Stattdessen pldiert er fr Reflektoren an Leitpfosten und Duftzune, die einen Geruchsmix von Mensch und Wolf verstrmen. Fr Letzteres spricht sich auch der ADAC aus. Damit haben wir bereits gute Erfahrungen gemacht, sagt Wolfgang Herda. Allerdings mssten diese regelmig gewartet werden.

ffentliche Hand verschliet die Augen

Whrend die Jger und der ADAC bereits aus eigenen Mittteln Initiativen zum Schutz von Mensch und Tier ergriffen haben, verschlieen Bund, Land und Kreise die Kraft Gesetz fr die Sicherheit auf den Straen zustndig sind ihre Augen vor dieser gefhrlichen Entwicklung, betont der Chef des Landesjagdverbandes.

Schlimmer noch: Es werden brokratische Hrden aufgebaut. Als eklatantes Beispiel nennt er ein geplantes Pilotprojekt bei Homberg. Rechtzeitig zum Hessentag sollte bei Holzhausen ein modernes Infrarot-Warnsystem installiert werden. Dieses nimmt Wild am Straenrand wahr und warnt Vorbeifahrende ihre Geschwindigkeit zu reduzieren. Das beste Schutzsystem das derzeit auf dem Markt ist. Doch das Amt fr Straenverkehr in Kassel lehnte ab. Mit etwa 50.000 Euro zu teuer. Dabei, erklrt Dr. Klaus Lambrecht vom Naturlandverband, Htten wir uns gerne mit mindestens 10.000 Euro an dem Projekt beteiligt.

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