Schlaflos in Lima

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Melsungen. Ein aufregendes literarisches Debut ist der 28-jährigen Melsungerin Johanna Wagner gelungen.

Melsungen. "Keiner sieht mich, bis ein Junge in meine Augen schaut. Er trägt schmutzige Kleidung, hat dreckige Hände und dunkel glänzende Augen, die gegen den Glanz seiner Schuhe dennoch verlieren – der Glanz der Schuhe ist echt, der seiner Augen bloß Fassade." Es sind Sätze wie dieser, die das Buch "Schlaflos in der Regenzeit" von Johanna Wagner aus Melsungen zu einem literarischen Geheimtipp machen. Ein scharfer Blick für die Not der Menschen und eine poetische Sprache vermischen sich zu Bildern die im Kopf des Lesers noch lange hängen bleiben.

Abseits der Touristenpfade

"Wenn ich verreise, ist es mir wichtig mit den Menschen und ihrer Kultur in Berührung zu kommen. Dabei folge ich nicht dem Reiseführer, sondern meinem Gefühl. Mich zieht es in die authentischen Orte, die für Touristen oftmals nicht erschlossen sind", erklärt Johanna Wagner und ihre großen Augen blicken aus dem Fenster in die Ferne.

Grundlage für ihr Buch ist ein Reisetagebuch in Form eines Internet-Blogs, den sie bereits 2009 während ihres Aufenthalts in Südamerika fast täglich für Freunde und Verwandte zuhause füllte. Als frisch gebackene Physiotherapeutin war sie nach Lima gekommen, arbeitete in einer Schule für geistig behinderte Kinder. Nachmittags jedoch ging sie in die Stadt, streifte durch die Gassen, machte Ausflüge. "Die vielen intensiven Eindrücke die ich sammelte haben mich schlaflos gemacht", erklärt die 28-Jährige den Titel ihres Buches, das so nie geplant war. "Ich musste einfach alles aufschreiben, um überhaupt wieder klar denken zu können." Berührt hat sie nicht nur das Elend, sondern auch die Offenheit und Fröhlichkeit der Menschen denen sie begegnete. Gleichzeitig musste sie auch an ihre Heimat Deutschland denken, wo die Menschen vergleichsweise reich aber oft einsam sind.

Studium in Coburg

Freunde drängten sie aus den gesammelten Gedankenfetzen ein Buch zu machen. Drei Jahre dauerte es. Auch weil Johanna Wagner inzwischen in Coburg "Integrative Gesundheitsförderung" studiert und bereits neue Projekte angefangen hat:

Ihr erstes Auslandspraktikum führte sie 2012 zu den Ureinwohnern Australiens, den Aborigines. "Deren Kultur ist dabei auszusterben", berichtet Wagner. Elend und Krankheiten prägen den Alltag der meisten Eingeborenen. Ein Zurück gibt es nicht. Das überlieferte Wissen der Naturheiler ist verloren gegangen. Westliche Medizin ist viel zu teuer. Ein Teufelskreis.

Neben ihrem Gesundheitsprojekt begann sie daher damit den Stamm der Badimaya kennenzulernen und zu fotografieren. Diese Bilder erregten in Australien schnell Aufmerksamkeit. Eine Ausstellung wurde organisiert. Ein Kalender und ein Buch sollen entstehen. Auch das war nicht geplant.

Im Sommer ist das Studium zu Ende. Wie es dann weiter geht weiß Johanna Wagner selbst noch nicht so genau. Sorgen mache sie sich deshalb aber nicht, sagt sie und fügt an: "Ich habe tiefes Vertrauen, dass sich die Dinge richtig fügen, wenn man auf dem Weg ist"

Das Buch "Schlaflos in der Regenzeit" kostet 9,95 Euro plus 1 Euro Versand und kann unter der Internetadresse www.marieposamedien.com bestellt werden.

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