100 Tage im Amt - Neukirchens Bürgermeister Marian Knauff zieht erste Bilanz

Seit Ende November ist Marian Knauff der neue Rathauschef in Neukirchen.
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Seit Ende November ist Marian Knauff der neue Rathauschef in Neukirchen.

Seit gut drei Monaten ist Marian Knauff Bürgermeister von Neukirchen. Im Interview spricht er über seinen Start während Corona und zukünftige Projekte.

Neukirchen. Die Coronapandemie hat Marian Knauff auf seinen Weg ins Bürgermeisteramt von Anfang an begleitet. Nachdem der Wahltermin von Mai auf November verlegt worden ist,wurde der gebürtige Neukirchener bei der Wahl am 1. November 2020 mit 95 Prozent der Stimmen in das Amt des neuen Verwaltungschefs gewählt.

Jetzt sind drei Monate im Amt rum: Zeit, um erste Zwischenbilanz zu ziehen. Im Interview mit dem SCHWÄLMER BOTEN spricht der 45-Jährige über seinen Start während Corona und zukünftige Projekte.

Herr Knauff, wie hat sich Corona auf Ihre ersten 100 Tage im Amt ausgewirkt?

Das Thema Corona war vor und ist seit meinem Amtsantritt am 21.11.2020 natürlich täglich präsent und hat folglich entscheidende Auswirkungen auf meine ersten 100 Tage im Amt gehabt. Es mussten bis zum heutigen Tage zahlreiche Regelungen und Maßnahmen getroffen werden.

Die einzelnen Fachabteilungen sind zurzeit über die Woche mit ein bis zwei Mitarbeitern im Rathaus besetzt. Der Rest der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befindet sich zum Schutz ihrer Gesundheit im Homeoffice. Es gab keinerlei Probleme, Homeoffice einzuführen. Das Arbeiten verläuft reibungslos. Ich möchte meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Neukirchen aber auch über die Corona-Pandemie hinaus weiterhin die Arbeit im Homeoffice ermöglichen.

Das gilt jedoch nicht nur für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Neukirchener Rathaus. Ich spreche mich zudem dafür aus, dass diese Möglichkeit auch beim Gemeindeverwaltungsverband „Südlicher Knüll“ angeboten und umgesetzt wird. Hinsichtlich der Hardware beabsichtigen wir, dass alle Arbeitsplätze unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeitnah mit Laptops ausgestattet werden, da diese neben dem Homeoffice auch bei Fortbildungen, Sitzungen, etc. genutzt werden können.

Die Angestellten des städtischen Bauhofs und in den Bereichen Wasser und Abwasser arbeiten ebenfalls in getrennten Gruppen und zeitversetzt, so dass u. a der Winterdienst, der Einsatz bei Wasserrohrbrüchen etc. ohne Ausfälle und Fremdfirmen umgesetzt werden konnte.

Welche Projekte, die Sie im Wahlkampf als vorrangig herausgestellt haben, haben Sie bereits in Angriff genommen?

Im Haushaltsplan 2021 der Stadt Neukirchen sind bereits von mir gestellte Anträge erfreulicherweise berücksichtigt worden. Für eine Erweiterungsanbau an den Kindergarten Klingelbach sind Haushaltsmittel bereitgestellt worden. Ziel ist, das jetzige Betreuungsangebot beizubehalten bzw. auszubauen und ein einheitliches Angebot in Neukirchen zu schaffen. Das Betreuungsangebot muss den sich verändernden Lebensbedingungen angepasst werden. Wir brauchen den Kindergarten Klingelbach, um die Kinderbetreuung in der Vorschulzeit zu sichern. Hinsichtlich des Neubaus des Kindergartens in Riebelsdorf bin ich optimistisch, dass wir den Zuwendungsbescheid zeitnah erhalten werden und mit dem Bau beginnen können. Die Vorbereitungen laufen hierzu. Wir warten nur noch auf den „Startschuss“.

Weiterhin wird die Stadtjugendpflege in Neukirchen wiederbelebt. Auf meinem Antrag hin, wurde eine Stelle im Haushaltsplan 2021 berücksichtigt. Ich bin der Meinung, dass ein neues und tragfähiges, schlüssiges Konzept für eine zukunftsorientierte Arbeit der Jugendpflege in der Stadt Neukirchen inkl. der Stadtteile umgesetzt werden muss. Das Konzept wird zurzeit von mir erarbeitet und soll zeitnah den Mandatsträgern vorgestellt werden.

Die Ortsbeirate werden auf meinem Antrag hin mit einem eigenen Budget ausgestattet, welches es den Ortsbeiräten unter anderem ermöglicht, kleinere Maßnahmen in den Stadtteilen, die im Interesse der örtlichen Gemeinschaft liegen, zu fördern und durchzuführen. Das bürgerschaftliche Engagement soll hierdurch gestärkt sowie die Eigenverantwortlichkeit gefördert werden. Außerdem trägt dies zur Entlastung der Verwaltung bei.

Im Haushaltsplan 2021 sind weiterhin auf meinem Antrag hin, Haushaltmittel für den Bau eines Bikeparks zur Verfügung gestellt worden. Ein Bikepark ist mehr als eine Sportstätte. Es ist ein Ort, an dem sich Menschen treffen und ihre Begeisterung und Leidenschaft mit anderen teilen. Der Bikepark kann zudem touristisch mit eingebunden werden und hätte in unserer Region ein Alleinstellungsmerkmal.

In einem weiteren Antrag von mir wurden Haushaltsmittel für ein Förderprogramm für die Beseitigung des Leerstands von Geschäftsimmobilien und Ladenlokalen in Neukirchen zur Verfügung gestellt. Sich verändernde Rahmenbedingungen, ein zunehmendes Online-Geschäft und eine insgesamt angespannte Gesamtsituation im Einzelhandel führen oft dazu, dass gerade kleinere Geschäfte geschlossen werden und so zunehmend Leerstand zu verzeichnen ist. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Förderprogrammes einen finanziellen Beitrag zur Beseitigung des Leerstandes und zur Vitalisierung von Gewerbeimmobilien zu leisten. Außerdem sollen die Stadt- und Ortskerne wieder stärker belebt und auf Dauer attraktiv gemacht werden.

Decken sich Ihre Erwartungen an das Bürgermeisteramt mit den bisher gewonnenen Erfahrungen?

Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit u.a. als Büroleiter bei der Stadt Neukirchen und der immer engen Zusammenarbeit mit allen Fraktionen bzw. Mandatsträgern gab es keine großen Überraschungen. Mir war klar, dass auch Neues auf mich zukommt und, dass die neue Aufgabe sehr viel Zeit beanspruchen wird. Die Aufgaben eines Bürgermeisters sind sehr vielseitig und abwechslungsreich und das macht mir sehr viel Spaß!

Welche Themen stehen beim Blick in die nahe Zukunft ganz oben auf Ihrer To-Do-Liste?

Mein Ziel ist es die Stadt Neukirchen im ländlichen Raum als attraktiven und lebendigen Lebensraum zu gestalten. Durch eine eigenständige Entwicklung sollen die sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Potenziale vor Ort mobilisiert werden. Es geht darum, zentrale Funktionen zu stärken und eine zukunftsfähige Wohn- und Lebensqualität zu erhalten bzw. zu schaffen. Der demografische und strukturelle Wandel erfordert eine nachhaltige Strategie, wie sich eine Kommune insgesamt entwickelt und welche Funktionen die einzelnen Stadtteile dabei übernehmen. Deshalb steht die Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm bzw. IKEK weit oben auf meiner Prioritätenliste. Den Kommunen und privaten Projektträgern stehen dadurch viele Fördermöglichkeiten zur Verfügung, um die Lebensqualität vor Ort zu verbessern.

Weitere Ziele sind unter anderem auch die Erschließungen eines neuen Gewerbegebietes sowie eines Bau- und Wohngebietes, die dringende Erneuerung der Straßen, Ansiedlung von Gewerbe mithilfe eines Förderprogramms, die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung, generations- und altersgerechtes Wohnen, die guten Kinderbetreuungsmöglichkeiten und den Schulstandort zu erhalten und auszubauen sowie die Forcierung und Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit mit den Gemeinden Ottrau und Oberaula.

Viele Kommunen befürchten in der Zukunft deutlich geringere Steuereinnahmen. Trifft das auch auf Neukirchen zu? Wenn ja, welche Konsequenzen werden Sie ziehen?

Die Furcht ist absolut begründet. Die kommende Rezession hat über die Gewerbe- und Einkommensteuer direkte Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen. Infolge der unterjährigen Vorauszahlungen werden diese Rückgänge bereits kurzfristig wirksam. Das Land Hessen sollte, in Kenntnis dieser Entwicklung, die erleichternden Regelungen des Haushaltsausgleichs, weiterhin befristet ermöglichen, um den Kommunen Investitionen in die Zukunft zu erleichtern. Auch der teilweise Ausgleich der Gewerbesteuerausfälle und der Defizite der Einkommensteueranteile sollte zeitlich befristet fortgesetzt werden. Die positive Entwicklung von Neukirchen darf durch sich verschlechternde Rahmenbedingungen nicht gestoppt werden.

Mein Ziel ist es, Neukirchen zukunftsfest und zukunftsfähig aufzustellen. Ich rufe deshalb alle politisch Verantwortlichen auf, mich hierbei zu unterstützen und konstruktiv und zukunftsorientiert zu entscheiden.

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