Abgas-Skandal: VW-Partner baden aus, was andere verzapft haben

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Sie baden aus, was andere vermasselt haben (v.l.): Alfred Damm, Ulrike Weckesser und Andreas Rybak in der Werkstatt des Autohauses Weckesser in Ziegenhain.

1.100 Diesel-Autos pro Werkstatt: Der VW-Abgasskandal wird zur Herkules-Aufgabe für Vertragswerkstätten. Das Autohaus Weckesser in Ziegenhain berichtet.

Ziegenhain. Im Herbst 2015 brachen harte Zeiten für den Volkswagen-Konzern an. Seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals ist VW um Wiedergutmachung bemüht – besser gesagt die Vertragswerkstätten des Konzerns. Denn während der frühere VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch seine Zeugenaussage im Untersuchungsausschuss des Bundestags verweigert, können sich die VW-Vertragswerkstätten nicht soeben ihrer Verantwortung entziehen. Sie versuchen auszubaden, was noch immer Unbekannte Konzern-Mitarbeiter vermasselt haben.

Einer von knapp 2.200 VW-Partnern in Deutschland ist das Autohaus Weckesser in Ziegenhain. „Wir waren bei uns im Autohaus alle geschockt, als wir die ersten Meldungen vom Skandal in den Medien hörten und lasen. Die Nachricht verbreitete sich bei uns im Haus wie ein Lauffeuer“, erinnert sich Ulrike Weckesser, After Sales Verantwortliche im Autohaus Weckesser, gegenüber lokalo24.de.

Bei 2,4 Millionen zurückgerufenen Diesel-Fahrzeugen entfallen durchschnittlich 1.100 Fahrzeuge auf jede Werkstatt – eine Herkules-Aufgabe, auch für das Autohaus Weckesser. Alfred Damm, seit über 40 Jahren Mitarbeiter, sagt: „Meine größte Sorge war von Anfang an, dass die Kunden das Vertrauen in den Konzern und womöglich auch in unser Autohaus verlieren.“ Serviceberater Andreas Rybak ergänzt: „Dass gerade bei VW so etwas vorkommt hätte von uns keiner gedacht.“

Ganz anders als befürchtet habe sich dann aber die Kommunikation mit den betroffenen Kunden entwickelt. Fast alle seien sehr ernst, aber auch verständnisvoll mit der Situation umgegangen. Es habe im Ziegenhainer Autohaus viele gute Gespräche und interessante Diskussionen gegeben. „Viele Kunden nahmen die Angelegenheit auch mit Humor“, sagt Ulrike Weckesser. Zum Hintergrund: Im Herbst 2015 ist bekannt geworden, dass die Schadstoffwerte an millionen Diesel-Autos der VW-Familie weltweit mithilfe einer Software manipuliert wurden.

Gleich im November hatte der Konzern alle betroffenen Kunden angeschrieben und die kostenlose Umrüstung versprochen – eine enorme Mehrarbeit für alle Vertragswerkstätten. Jetzt, da weit über 50 Prozent aller betroffenen Fahrzeuge umgerüstet sind, zieht das Ziegenhainer Autohaus Weckesser eine erste Bilanz: „Die Unterstützung von VW in Wolfsburg war groß. Die Zusammenarbeit lief professionell ab“ sagt Ulrike Weckesser.

Weckesser hofft sogar auf Kundenzuwachs

Einen Haken an der Sache habe es dennoch gegeben: „Leider erfolgte die Umsetzung nicht so schnell wie von den Kunden erwartet. Es musste für die Umrüstung der jeweiligen Motoren immer auf die Freigabe des Kraftfahrtbundesamtes gewartet werden“, erklärt Weckesser.

Alfred Damm gewinnt der aufwendigen Umrüstungsaktion sogar etwas Positives ab: „Gut ist für uns, dass wir durch die Umrüstungstermine auch die Chance haben, viele neue Kunden zu gewinnen.“ Immerhin lässt sich das Weckesser-Team einiges einfallen, um den Werkstatt-Aufenthalt für Kunden so angenehm wie möglich zu machen: Ein kostenloser Sicherheitscheck für das Auto, ein kostenloses Frühstück und einen Leihwagen für den Fahrer sollen versöhnlich stimmen.

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