Ärger im Backparadies: Jungclas-Anwalt erhebt Vorwürfe gegen Hinnerbäcker - Insolvenzverwalter widerspricht

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Einst Schwälmer Backparadies, heute Streitpunkt: Die frühere Produktionsstätte der Bäckerei Jungclas in Treysa.

Die bereits vollzogene Übernahme der insolventen Bäckerei Jungclas steht auf dem Prüfstand. Rechtsanwalt Martin Schubert erhebt Vorwürfe gegen das Unternehmen Hinnerbäcker, das sich nicht an Abmachungen gehalten haben soll. Insolvenzverwalter Dr. Hans-Jörg Laudenbach widerspricht vehement.

An und in vielen Filialen der Bäckerei Jungclas hängen längst schon die neuen Schilder: „Hinnerbäcker“. Zum 1. Februar hatte die Firma aus Wölfersheim-Berstadt (Wetteraukreis) das Schwälmer Traditionsunternehmen übernommen. Eigentlich sollte längst Ruhe in die Angelegenheit eingekehrt sein. Das Gegenteil ist allerdings der Fall:

Martin Schubert, Rechtsanwalt von Jutta Jungclas, erklärte nun eine Gläubigeranfechtung. „Wir sind der Auffassung, dass das Geschäft, das der Insolvenzverwalter getätigt hat, den Gläubigern zum Nachteil ist“, so Schubert gegenüber lokalo24.de. Die Gläubigerversammlung hatte, auf Empfehlung des Insolvenzverwalters Dr. Hans-Jörg Laudenbach, der Bäckerei Hinnerbäcker den Zuschlag erteilt. Die Entscheidung der Gläubigerversammlung steht nun auf dem Prüfstand.

Wie Rechtsanwalt Schubert bestätigt, gehe es unter anderem um nicht eingehaltene Versprechen und einen nicht zustande gekommenen Mietvertrag. Die Gesellschafter des Unternehmens Hinnerbäcker von Beginn an zugesichert, sowohl die Jungclas-Produktionsstätte in Treysa, als auch einen großen Teil der Filialen und der Mitarbeiter zu übernehmen. „Inzwischen ist nur noch ein Viertel des Personals da“, beklagt Schubert.

Hinzu komme, dass Jutta und Eckhard Jungclas mit Vertretern der Firma Hinnerbäcker bei einer Bank in Schwalmstadt gewesen seien, um einen langfristigen Mietvertrag über die Nutzung der Treysaer Produktionsstätte abzuschließen. „Mir hat der Bänker jetzt gesagt, dass er bis heute noch auf den zugesagten Mietvertrag wartet“, so Schubert am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. Mehr noch: Aus dem Backhaus würden derzeit Inventar und Produktionsgegenstände entfernt. Ob das Unternehmen Hinnerbäcker dazu überhaupt berechtigt ist, bezweifle Schubert. Als Vermieter hätte Eckhard Jungclas ein Vermietungspfandrecht an den Gegenständen.

Bei aller Kritik lenkt Schubert aber selbst wieder defensiv ein: „Unsere Erklärung ist zwar erfolgt. Aber zu einem Rechtsstreit kann es nur dann kommen, wenn uns die Nachweise gelingen. Sollte sich nichts ergeben, ist es von uns nur heiße Luft gewesen.“ Eine Rückabwicklung der Übernahme durch die Bäckerei Hinnerbäcker schätzt Schubert als unwahrscheinlich ein: „Es geht eher darum, welche Schadensersatzansprüche meine Mandanten haben.“

Insolvenzverwalter wertet Vorwürfe als Unverschämtheit

Dass es sich bei Vorwürfen tatsächlich nur um heiße Luft handeln könnte, hält Insolvenzverwalter Laudenbach für realistisch. Der betont sein Unverständnis: „Es gab einen einstimmigen Beschluss von der Gläubigerversammlung. Herr Schubert war bei der Versammlung selbst nicht anwesend. Jetzt nachzutreten, halte ich für eine Unverschämtheit.“ Das Kuriose aus Sicht des Insolvenzverwalters: „Das, was Herr Schubert da vorhat, gibt es überhaupt nicht.

Gegen einen einstimmigen Beschluss so vorzugehen, ist nicht möglich. Das steht nicht in der Insolvenz-Ordnung.“ Aber auch persönlich sei Laudenbach enttäuscht: „Wir haben in dieser Sache sehr gekämpft, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Es war ein regelrechter Krimi. Es ging auf und ab. Es war wirklich keine leichte Aufgabe und es gab sehr viele Schwierigkeiten. Herr Schubert hat daran nie mitgewirkt.“

Auch der Aussage Schuberts, es seien viele Arbeitsplätze gestrichen worden, widerspricht Laudenbach vehement: „Es waren zunächst etwa 210 Mitarbeiter im Betrieb beschäftigt. Aus Angst und Ungewissheit sind viele zu Konkurrenz-Betrieben abgewandert. Wir mussten also zunächst die Personalnot überwinden und wieder aufstocken. Zur Betriebsübernahme im Februar waren es dann rund 200 Mitarbeiter.“

In der Folge habe es zwei Kündigungstermine gegeben. Beim ersten seien die Auslieferer betroffen gewesen. Aus wirtschaftlichen Gründen war auf die Betriebsfahrzeuge verzichtet worden. „Teilweise wurde den Mitarbeitern gekündigt, teilweise wurden sie umgesetzt“, so Laudenbach.

Vom zweiten Kündigungstermin seien die Mitarbeiter der Backstube betroffen gewesen. „Das waren zwischen 20 und 30 Leute. Gut die Hälfte von ihnen war Reinigungspersonal. Alle anderen haben einen neuen Job in Wölfersheim angeboten bekommen. Natürlich hat das Angebot nicht jeder angenommen. Aber 26 Bäcker und Hilfskräfte hatten die Möglichkeit dazu.“ Und was ist mit all jenen, denen gekündigt wurde? „Die haben die Möglichkeit, Kündigungsschutzklage einzureichen. Von diesem Recht haben sechs von 210 Mitarbeitern Gebrauch gemacht. So falsch kann also die Übernahme-Regelung nicht gewesen sein. Das Ganze ist so sozialverträglich wie möglich abgelaufen“, resümiert Laudenbach.

In einem unserer Redaktion vorliegenden Schreiben des Insolvenzverwalters an Schubert, nimmt Laudenbach ausführlich Stellung zu den Vorwürfen. Er schreibt unter anderem: „Ihre Aussage, dass der Mitarbeiter (des Kreditinstituts, Anm. d. Red.) noch heute auf die Zusendung eines Mietvertrags wartet, ist sicherlich unrichtig. Unmittelbar nach Information darüber, dass die Nutzung der Produktionsstätte nicht erfolgen wird, wurde der zuständige Vertreter [...] von mir informiert.“

Zum Inventar der Backstube weist Laudenbach darauf hin, dass „die verwerteten Inventargegenstände durchweg durch Sicherungsvereinbarungen zugunsten des Kreditinstituts übereignet sind. Dieses Sicherungsrecht geht meines Erachtens einem möglichen Vermieterpfandrecht vor.“

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